Migration: Jugendliche der zweiten Generation holen bei Bildung auf

    12. Dezember 2017, 13:39
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    Immer weniger Jugendliche mit Migrationshintergrund beenden ihre Bildungslaufbahn bereits nach der Pflichtschule

    Welchen Bildungsweg Jugendliche einschlagen, hängt in Österreich stark vom Bildungsstand der Eltern ab. Das gilt auch für Jugendliche, deren Eltern nicht in Österreich geboren wurden. Der Soziologe August Gächter vom Zentrum für soziale Innovation (ZSI) hat die Bildungsverläufe von Jugendlichen zwischen 15 und 19 Jahren anhand der Daten des Mikrozensus analysiert. Das Ergebnis: Der Anteil der Jugendlichen, die nach der Pflichtschule keine weitere Ausbildung absolvieren, ist seit dem Jahr 2008 rückläufig. Besonders stark gesunken ist der Anteil bei Jugendlichen, deren Eltern aus der Türkei oder den jugoslawischen Nachfolgestaaten stammen.

    2009 machten rund 35 Prozent der Jugendlichen mit mindestens einem türkischstämmigen Elternteil nach der Pflichtschule keine weitere Ausbildung, 2016 lag dieser Anteil bei 23 Prozent. "Für die Kürze des Zeitraums ist das ein spektakulärer Rückgang", sagt Gächter. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei Jugendlichen mit Eltern, die aus Serbien, dem Kosovo, Montenegro oder Mazedonien stammen. Hier sank der Anteil von 30 Prozent 2009 auf unter 20 Prozent 2016.

    Bald gleiche Bildungsverläufe

    Setze sich der Trend der vergangenen zehn Jahre fort, dann werden Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund Mitte der 2020er-Jahre dasselbe Niveau erreichen, sagt Gächter. Eine günstige Konjunktur könnte diese Entwicklung stören, denn dann würden Jugendliche eher ihre Bildungslaufbahn frühzeitig beenden und Hilfsjobs annehmen.

    Unterstützend wirke, dass auch die Eltern dieser Jugendlichen besser gebildet sind als noch vor zehn Jahren. So sank der Anteil der weiblichen Jugendlichen, deren türkischstämmige Eltern nur einen Pflichtschulabschluss haben, von 78 Prozent im Jahr 2009 auf 60 Prozent 2016. Noch nicht abschätzbar sei, wie sich die seit Juni geltende Ausbildungspflicht bis 18 auswirken werde.

    Große Unterschiede in den Bundesländern

    Wenn es um den Bildungsverlauf der hier lebenden Jugendlichen geht, ist neben dem Geburtsland der Eltern auch das Bundesland entscheidend. Das zeigt sich insbesondere bei Jugendlichen mit Eltern aus der Türkei: In Vorarlberg lag der Anteil dieser 15- bis 19-Jährigen, die die Ausbildung abgeschlossen hatten und nicht mehr in Ausbildung waren, in der Periode von 2008 bis 2010 bei 44 Prozent. 2014 bis 2016 traf das nur noch auf 14 Prozent zu.

    Anders sieht es in der Steiermark aus. In der Dreijahresperiode 2011–2013 lag der Anteil mit höchstens Pflichtschulabschluss und nicht in Ausbildung bei über 50 Prozent und damit 20 Prozentpunkte höher als 2008–2010. Mittlerweile geht auch in der Steiermark dieser Anteil zurück.

    Für Gächter ist die Ausbildungspflicht bis 18 mit einem starken Fokus auf Unterstützung eine gute Aktion. Die Zahl jener, die diese Unterstützung brauchen, werde immer geringer. "Wenn diese Aktion früher gestartet wäre, hätte man sich wahrscheinlich übernommen", ergänzt er. (Gudrun Ostermann, 12.12.2017)

    • Nach der Pflichtschule ist bei Jugendlichen der zweiten Generation immer seltener Schluss mit der Bildung.
      foto: heribert corn

      Nach der Pflichtschule ist bei Jugendlichen der zweiten Generation immer seltener Schluss mit der Bildung.

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