Rauchverbot: Blauer Dunst, blaue Wähler?

Blog12. Dezember 2017, 12:08
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FPÖ-Wähler rauchen deutlich öfter und mehr als andere Wählergruppen

Das für Mai 2018 anvisierte völlige Rauchverbot in der Gastronomie wurde in den Koalitionsverhandlungen soeben zu Grabe getragen. Im Gegenzug wird Rauchen erst ab 18 Jahren erlaubt. Nichtsdestotrotz schäumt die zukünftige Opposition, ebenso wie viele Akteure im Gesundheitswesen.

Für die FPÖ allerdings, die sich seit langem gegen ein totales Rauchverbot in der Gastronomie ausspricht, ist das ein Erfolg, der in ihrer Wählerschaft durchaus Anklang finden könnte. Immerhin sind Raucher unter den FPÖ-Wählern deutlich stärker vertreten als bei irgendeiner anderen Partei.

Die Grafik unten zeigt anhand von Daten des European Social Survey 2014 (durchgeführt größtenteils im Jahr 2015), dass knapp die Hälfte (44 Prozent) aller FPÖ-Wähler sich als Raucher deklarieren, während dieser Anteil bei keiner anderen Partei mehr als ein Drittel beträgt. Bei ÖVP und Grünen kommt nur etwa eine von sechs Stimmen aus dem Raucherlager. Die FPÖ ist auch die einzige Partei, in der lebenslange Nichtraucher nicht die deutliche Mehrheit der Wählerschaft stellen.

Nach dem Ausmaß des Konsums gefragt, geben immerhin ein Viertel aller FPÖ-Wähler an, zumindest 20 Zigaretten pro Tag zu rauchen – ein Wert, den keine andere Partei auch nur annähernd erreicht.

Nun könnte man mit Recht einwenden, dass dieser Zusammenhang daher kommt, dass die FPÖ-Wählerschaft (wie alle Wählergruppen) eine ganz bestimmte Sozialstruktur aufweist (eher männlich, eher niedriger formaler Bildungsgrad). Allerdings bleibt der Zusammenhang zwischen Rauchverhalten und FPÖ-Präferenz auch nach Kontrolle für Geschlecht, Alter, Bildung, Einkommen, Wohnort, Religiosität und eine Reihe politischer Einstellungen aufrecht.

Das ist natürlich noch lange kein Beweis für einen kausalen Zusammenhang, aber es zeigt, dass die Korrelation nicht durch simple soziostrukturelle Faktoren erklärbar ist. Auch allgemeines Suchtverhalten scheint nicht dahinterzustecken. Alkoholkonsum (Daten aus demselben Survey) ist in der blauen Wählerschaft zwar etwas stärker ausgeprägt als bei Rot und Schwarz, aber auf gleichem Level wie bei den Grünen.

Die Haltung der FPÖ zum Rauchverbot mag man aus gesundheitspolitischer Perspektive kritisieren können – mit Blick auf die Interessen ihrer Wählerschaft ist sie durchaus rational. (Laurenz Ennser-Jedenastik, 12.12.2017)

Laurenz Ennser-Jedenastik ist Politikwissenschafter am Institut für Staatswissenschaft der Universität Wien.

  • Für die FPÖ ist das Ende des Rauchverbots ein Erfolg, der in ihrer Wählerschaft durchaus Anklang finden könnte.
    foto: apa/helmut fohringer

    Für die FPÖ ist das Ende des Rauchverbots ein Erfolg, der in ihrer Wählerschaft durchaus Anklang finden könnte.

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