Forscher untersuchten das vielleicht älteste Auge der Welt

15. Dezember 2017, 16:07
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Der Trilobit Schmidtiellus reetae verfügte bereits vor über einer halben Milliarde Jahre über Facettenaugen

foto: gennadi baranov
Das fossilierte rechte Auge von Schmidtiellus reetae.

Köln – Über eine halbe Milliarde Jahre alt ist das vermutlich älteste Auge, das man je entdeckt hat. Es handelt sich um das Facettenauge eines Trilobiten aus dem frühen Kambrium, das in Estland gefunden wurde. Ein internationales Forscherteam hat das urtümliche Auge nun genauer untersucht und mit seinen Pendants aus späteren Zeitaltern verglichen, wie die Universität zu Köln berichtet.

Die Kölner Zoologin Brigitte Schoenemann konnte das gut erhaltene Fossil zusammen mit Kollegen aus Estland und Schottland auf Struktur und Funktionsweise überprüfen. Das Tier, zu dem es gehörte, war ein Trilobit der Spezies Schmidtiellus reetae. Dieser verfügte vor 530 Millionen Jahren bereits über Facettenaugen wie heutige Gliederfüßer, bestehend aus etwa 100 Untereinheiten, sogenannten Ommatidien.

foto: gennadi baranov
So sah der Trilobit Schmidtiellus reetae im Ganzen aus.

Etwas ist bei diesem urtümlichen Auge aber anders: "Im Unterschied zu modernen Facettenaugen von Bienen, Libellen oder vielen Krebstieren hat dieses sehr alte Facettenauge noch keine Linse", sagt Schoenemann. "Dies wohl deshalb, da diesen noch recht weichschaligen Gliedertieren die entscheidende, linsenbildende Schicht in ihrem Panzer noch fehlte."

Zudem sind 100 Ommatidien nicht besonders viel. Zum Vergleich: Bei einer heutigen Libelle können es bis zu 28.000 sein. Die "Pixelgenauigkeit" der Bilder, die der Trilobit sah, war also gering. Sie reichte laut Schoenemann aber aus, dem Tier Informationen über Bewegungen innerhalb seines Blickfelds zu vermitteln – etwa über sich nähernde Fressfeinde. Der Trilobit konnte immerhin eine grobe Helligkeitsverteilung in seiner Umwelt wahrnehmen und Hindernissen ausweichen.

Und die Evolution sollte schon bald wesentlich bessere optische Systeme hervorbringen. Die Forscher konnten in ihrer in "PNAS" veröffentlichten Studie zeigen, dass nur wenige Millionen Jahre nach Schmidtiellus mit Holmia kjerulfi ein weiterer Trilobit auf den Plan getreten war, der deutlich besser sehen konnte. Seine hochauflösenden Facettenaugen hätten denen heutiger Libellen kaum noch nachgestanden. (red, 15. 12. 2017)

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