Gruß aus der koalitionären Gerüchteküche

12. Dezember 2017, 12:38
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Die türkis-blauen Verhandlungsteams tagen permanent, um bis zum Wochenende inhaltlich und personell zusammenzukommen

Elisabeth Köstinger wiederholt es gebetsmühlenartig: "Es ist nichts beschlossen, solange nicht alles beschlossen ist." Das ist bei Verhandlungen nicht ungewöhnlich – aber wenn es um eine Regierungsbildung geht, dann brodelt und dampft es in der Gerüchteküche, jeder Gruß aus der Küche ist den wartenden Kritikern willkommen.

Und weil sich die Küchenmannschaft offenbar gut versteht, ist man geneigt, nicht nur die offiziell verkündeten Teileinigungen zu glauben – auch diese wären nach Köstingers Lesart nicht fix beschlossen, obwohl die Nationalratspräsidentin sie nicht nur selbst mitverhandelt, sondern auch präsentiert hat. Man nimmt auch jedes Gerücht, das der Küche entweicht, ziemlich ernst, wenn es von mehreren Seiten bestätigt ist. Ein gut abgeschmeckter Überblick:

foto: heribert corn

Sebastian Kurz, Chefkoch

Soll als Kanzler führen, strebt Richtlinienkompetenz an.

foto: heribert corn

Heinz-Christian Strache, Sous-Chef

Will sich das Opponieren abgewöhnen. Könnte nur ein kleines Ressort bekommen, um sich auf die Vizekanzlerschaft zu konzentrieren.

foto: apa / hans-klaus techt

Norbert Hofer

Könnte aus dem Präsidium des Nationalrats in ein Infrastrukturministerium wechseln.

foto: christian fischer

Gernot Blümel

Ein Kurz-Vertrauter, der ihn im Kanzleramt unterstützen soll.

foto: apa / georg hochmuth

Herbert Kickl

Berühmter Formulierer für Wahlplakate, Reden und Co. Könnte Innen- oder Sozialminister werden.

foto: hauptverband / apa / hör

Michaela Steinacker

Erfüllt die Frauenquote, als ÖVP-Justizsprecherin prädestiniert für das Justizressort.

foto: karin kneissl

Karin Kneissl

Nahostexpertin für das Außenministerium ohne EU-Agenden.

foto: apa / expa / michael gruber

Wolfgang Sobotka

Verliert womöglich das Innenministerium – um ins Finanzressort aufzusteigen.

foto: apa / michael gruber

Walter Rosenkranz

Bildungsminister, wenn das Ressort an die FPÖ geht.

foto: nö bauernbund / gabriele moser

Klaudia Tanner

Bauernbündlerin – vielleicht Agrarressort. Oder doch Verteidigung?

foto: apa / hans punz

Bettina Glatz-Kremsner

Kurz-Vize und als Wirtschaftsministerin vorgesehen.

Koalitionseintopf à la Kurz-Strache

Man nehme:

  • Zwei Parteien mit zusammen 114 Mandataren
  • Zwei Wahlprogramme mit ähnlichen Inhalten
  • Zwei Alphatiere, küchenfertig zugerichtet
  • Zahllose Experten, bunt gemischt, aber nur in den Farben Türkis und Blau
  • Ein paar Bünde, schwarz, gemahlen!
  • Eine kräftige Prise Abschnitzel vom Mensurenschlagen
  • Zwölf Ministersessel
  • Zwei Dutzend Indiskretionen
  • Regionale Gewürze nach Geschmack, keine importierten Geschmäcker

Zubereitung:

  • Die Mandatare schön herausputzen und öffentlich präsentieren. Dann beiseite räumen und kaltstellen.
  • Regionale Gewürze trocknen lassen. In einer abgeschlossenen Küche mit angeschlossener Räucherkammer intensiv verhandeln.
  • Vorschläge der Experten nudelig schneiden, mit den fein gehackten Wahlprogrammen gut mischen.
  • Eine Prise der gemahlenen Bünde unterbuttern.
  • Auf kleiner Flamme im eigenen Saft schmoren. Rot angelaufene Teile sorgfältig entfernen.
  • Bestreiten, dass man je "drei Bier" bestellt hätte.
  • Wöchentlich einen Gruß aus der Küche für die wartenden Journalisten schicken.
  • Die gut eingekochten Themen mit diplomatischem Zuckerguss glacieren
  • Kurz vor Weihnachten mit viel Dampf festlich anrichten

Hinweis: Falls dieses heikle Rezept misslingt, unbedingt auf äußere Einflüsse schieben! (Conrad Seidl, red, 12.12.2017)

  • Hier wird angerichtet: Die Koalitionsverhandler bitten zu Tisch.
    foto: hans-klaus techt

    Hier wird angerichtet: Die Koalitionsverhandler bitten zu Tisch.

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