Dortmund-Legende Sammer sieht Stöger-Verpflichtung skeptisch

11. Dezember 2017, 14:17
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Nach dem Aus in Köln wäre "Abstand gewinnen" der bessere Weg gewesen, meint Sammer. Am Dienstag steht für Stöger schon die Partie in Mainz auf dem Programm

Dortmund – Am Sonntag war das Engagement von Peter Stöger bei Borussia Dortmund fix, das erste Training unter dem Wiener musste jedoch abgesagt werden – starke Schneefälle im Ruhrgebiet machten die geplante Einheit zunichte. "Die Verletzungsgefahr ist einfach zu hoch", teilte der DFB-Pokalsieger am Sonntagnachmittag mit.

Stöger, erst wenige Tage davor in Köln freigestellt, war erst am Mittag vom BVB als Nachfolger des entlassenen Peter Bosz vorgestellt worden und hätte um 15 Uhr mit der Mannschaft auf den Platz gehen sollen.

Bereits am Dienstag steht die Premiere auf der Borussia-Bank auf dem Programm, um 20.30 Uhr steht die Partie in Mainz auf dem Programm. Dort soll der 51-Jährige nach der beängstigenden Talfahrt von acht Ligaspielen ohne Sieg die Trendwende einleiten. "Es wird darum gehen, über die aktuellen Probleme zu sprechen. Wir wollen etwas Empathie in die Gruppe bringen", beschrieb Stöger seine Pläne für die allernächste Zeit.

Dem Niederländer Bosz war immer wieder vorgeworfen worden, stur an dem zu offensiv ausgerichteten System festgehalten zu haben. Gut möglich, dass Stöger in Mainz auf die ballsicheren Julian Weigl und Nuri Sahin als Stabilisatoren im defensiven Mittelfeld setzt.

Sammer skeptisch

Matthias Sammer, mit Dortmund als Spieler und Trainer Meister, kommentierte den Dortmunder Coup folgendermaßen: "Auf dem Trainermarkt ist es in diesem Moment ein schwieriger Zeitpunkt. Was Stöger beim 1. FC Köln geleistet hat, ist außergewöhnlich. Emotional müssen auch Trainer so was für sich verarbeiten, reflektieren und Abstand gewinnen. Das wäre eigentlich der bessere Weg."

Kölns Geschäftsführer Alexander Wehrle meinte: "Man wird immer wieder überrascht. Deshalb war es gut, dass ich gestern Abend das Handy nicht ausgemacht hatte. Ich habe 'Sportstudio' geschaut, und dann war Hans-Joachim Watzke dran und hat mich darüber in Kenntnis gesetzt, dass sie vorhaben, Peter Stöger zu verpflichten. Ich war überrascht. Letzten Sonntag um die Zeit haben wir uns von ihm verabschiedet. Aber wir wünschen ihm viel Erfolg, er hat hier vier Jahre tolle Arbeit geleistet."

Kurzbesuch bei der Mama

Für die Mission Dortmund war Stöger zum "fliegenden Österreicher" geworden: "Ich bin am Samstag von Köln nach Wien geflogen. Am Abend hat es einen Anruf der Borussia gegeben. So bin ich Sonntagfrüh wieder zurückgeflogen. Ich war nur 30 Minuten bei meiner Mutter, aber sie hat sich trotzdem gefreut", schilderte er bei seiner Vorstellung die Abläufe.

Der kurzfristigen Notwendigkeit des Trainerwechsels nach dem 1:2 am Samstag gegen Abstiegskandidat Werder Bremen soll laut BVB-Boss Hans-Joachim Watzke auch der vorläufige Charakter von Stögers Engagement nur bis zum Saisonende geschuldet sein. "Wir haben ja lange keine Erfahrung mehr damit, mitten in einer Saison einen Trainer zu wechseln. In Stein gemeißelt ist aber gar nichts. Für beide Seiten war wichtig, sich zunächst bis zum 30. Juni zueinander zu bekennen", sagte Watzke.

Stöger kann jedoch gut mit seiner Rolle als "Zeitarbeiter" leben: "Ich brauche keinen Rentenvertrag. Ich möchte bis zum Sommer etwas aufbauen. Als Trainer wird man in ziemlich kurzen Abständen bewertet, das ist für mich überhaupt kein Problem. Ich hätte auch 14 Tage trainiert."

Nagelsmann-Dementi zu Sommer-Option

Watzkes Auftrag an Stöger nach dem Sturz des vormaligen Spitzenreiters aus den Europacup-Rängen ist denn auch eindeutig. "Er soll jetzt erst einmal Punkte holen. Das ist das entscheidende Thema", sagte der BVB-Chef mit Blick auf die letzten Ligaspiele des Jahres in Mainz und gegen Hoffenheim. Dessen Coach Julian Nagelsmann dementierte übrigens Spekulationen über einen Wechsel nach Dortmund im kommenden Sommer. Er stehe nicht im Austausch mit den BVB-Verantwortlichen, sagte Nagelsmann am Sonntag. (sid, red, 11.12.2017)

  • Peter Stöger in Dortmund: Operation am offenen Herzen.
    foto: apa, dpa, fassbender

    Peter Stöger in Dortmund: Operation am offenen Herzen.

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