Immobilienkredite: Wenn die Zinsen steigen, wird es eng

11. Dezember 2017, 17:11
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Den Banken rät die Nationalbank bei der Immofinanzierung, keine allzu großen Risiken einzugehen

Wien – Immobilienfinanzierung wird in Österreich zunehmend zum Thema bei der Nationalbank. Sie rät den Banken, bei der Kreditvergabe wachsam zu sein, wie es bei der Veröffentlichung ihres Stabilitätsberichts am Montag hieß. Ein zunehmender Anteil der neuen Kredite an Privathaushalte sei relativ hoch im Vergleich zum Wert der Immobilie und weise hohe Schuldendienst- und Verschuldungsquoten auf. Insgesamt habe sich die Finanzmarktstabilität aber erhöht.

Das Volumen der Wohnbaukredite sei im Oktober mit 4,4 Prozent wieder deutlich gewachsen. Damit einher gehen die höheren Immobilienpreise: Sie sind im Vorjahresvergleich um 4,5 Prozentpunkte gestiegen. Mit einem Drittel aller Haushalte, die 2017 in Österreich einen Kredit zurückzahlen müssen, liegt die Rate zwar noch niedriger als im EU-weiten Schnitt und drückt somit die Verschuldungsquote, die Nationalbank warnt in ihrem Bericht aber vor der vergleichsweise immer noch hohen Rate an variablen Zinsen, die Kreditnehmer höheren Schwankungen und Risiken aussetzen.

Risiko bei Fremdwährungskrediten

Der Anteil an variablen Zinsen werde in Zukunft aber weiter sinken, da Kreditnehmer die günstige Niedrigzinssituation nutzen, um auf Fixzinsen umzusteigen, ist Doris Ritzberger-Grünwald von der Nationalbank überzeugt. Dieses Niedrigzinsumfeld sorgt in Zeiten guter Konjunktur für den boomenden Wohnungsmarkt. Die effektiven Zinssätze auf Wohnbaukredite lagen im September bei 2,27 Prozent und setzten damit ihren Abwärtstrend fort.

Einen weiteren Risikofaktor vor allem für Haushalte mit niedrigerem Einkommen sieht die Nationalbank in den Auswirkungen von Fremdwährungskrediten. Der Anteil dieser Ausleihungen lag beim Wohnbau bei 14,6 Prozent, fast alle ausständigen Kredite wurden in Schweizer Franken abgeschlossen.

Für etwas Entspannung am Wohnungsmarkt sorgen die Wohnbauinvestitionen. Diese konnten in den vergangenen Jahren nicht mit dem Bevölkerungswachstum und den steigenden Immobilienpreisen mithalten, haben nunmehr aber ein wenig nachgezogen: 2017 konnte erstmals eine Steigerung von 2,8 Prozentpunkten verzeichnet werden.

Heimische Banken auf gutem Weg

Auf gutem Weg sind laut Nationalbank die heimischen Banken: Nach zahlreichen Restrukturierungen in den vergangenen Jahren und begünstigt durch das positive Marktumfeld und niedrige Risikokosten hätten sie im ersten Halbjahr 2017 erneut ihre Gewinne gesteigert. Sie hätten es geschafft, ihre Kapitallücke zu schließen, und seit 2008 17 Milliarden Euro an zusätzlichem Kernkapital aufgebaut.

Positiv auf die Finanzmarktstabilität wirkten sich auch die starke Wachstumsdynamik und die breite Erholung der Kreditvergabe und Kreditqualität in den ost- und südosteuropäischen Ländern (CESEE) aus, die für den österreichischen Bankensektor eine besondere Bedeutung haben.

Zudem habe sich die Kreditvergabe an Unternehmen erhöht, von denen besonders die langfristigen Kredite das Wachstum ankurbeln könnten. 80 Prozent aller Unternehmen hätten die gewünschten Kredite in vollem Umfang bekommen, betont die Nationalbank.

Die Nationalbank rät den Instituten, das momentan günstige Umfeld zu nutzen, um Reformen zur Verbesserung ihrer Ertragskraft anzustoßen. So könnten sie ihre Risikotragfähigkeit ausbauen. Die Banken sollten jedoch vor allem in der Immobilienfinanzierung keine übermäßigen Risiken eingehen. (jp, 11.12.2017)

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