15 Tote: Nach blutigem Tag für Uno im Kongo Debatten über Ursache

    10. Dezember 2017, 16:09
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    Miliz ADF wird von Herkunftsland Uganda als islamistische geführt, Uno sieht aber Rohstoffkrieg als Hintergrund

    Kinshasa/Wien – "Wir stören sie, und das mögen sie nicht": Der UN-Untergeneralsekretär für Friedensmissionen, Jean-Pierre Lacroix, hatte in New York eine simple Erklärung für den schlimmsten Angriff auf Blauhelme seit 1993 parat. Wenige Stunden zuvor, in der Nacht zum Samstag, war bekannt geworden, dass eine ugandische Miliz im umkämpften Ostkongo mindestens 15 tansanische Friedenssoldaten getötet hatte. Kämpfer der Allied Democratic Forces (ADF) haben in der Stadt Semuliki nahe der Grenze zu Uganda die Uno-Basis angriffen.

    Was der genaue Hintergrund des Angriffs war, blieb vorerst im Dunkeln. Mehrere Medien hatten unmittelbar danach von einem islamistischen Anschlag gesprochen. Die ADF, die auch gegen Ugandas Regierung kämpfen, werden von dieser als extremistische Miliz bezeichnet, die der somalischen Al-Shabaab-Miliz und sogar dem "Islamischen Staat" (IS) nahestehe. Die Uno sieht sie aber nach den Worten Lacroix’ nicht als Gruppe an, die hauptsächlich durch die fundamentalistische Religionsauslegung motiviert ist. Vielmehr gehe es den ADF um den Profit. Sie seien im umkämpften Ostkongo bemüht, weiterhin Zugriff auf die zahlreichen Bodenschätze zu haben, die es in der Region gibt.

    Relative Beruhigung

    Diese lukrativen Quellen sind nämlich vor allem durch den Einsatz der Uno gefährdet. Ihr Einsatz, der eigentlich schon seit 2000 andauert, ist über die Jahre hinweg erweitert worden. Seit 2010 hat sich der Umfang der Monusco (Mission der Vereinten Nationen für die Stabilisierung in der Demokratischen Republik Kongo) auf 16.000 Soldaten vergrößert – mit robustem Mandat. Sie dürfen von sich aus – nicht nur defensiv – zu militärischer Gewalt greifen.

    Damit, so die Uno, sei in den letzten Jahren eine relative Stabilisierung gelungen. Von Kontrolle kann im kongolesischen Staat freilich immer noch keine Rede sein. Immer wieder kommt es zu Kämpfen zwischen verschiedenen Milizen, die teils auf eigene Rechnung und teils im losen Verbund mit den Regierungen umliegender Staaten operieren. Oft werden dabei Zivilisten zum Ziel. (Manuel Escher, 10.20.2017)

    • UN-Soldaten sind im Ostkongo seit Jahren mit der Stabilisierung der Lage betraut. Dabei gab es zwar Erfolge – viel ist aber auch noch zu tun.
      foto: ap / jerome delay

      UN-Soldaten sind im Ostkongo seit Jahren mit der Stabilisierung der Lage betraut. Dabei gab es zwar Erfolge – viel ist aber auch noch zu tun.

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