TV-Übernahmen, mehr im "Krone"-Börserl und mehr Fellner-Funk

Kolumne11. Dezember 2017, 07:25
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Was Ministerien und Länder im Nationalratswahlkampf für Werbung ausgaben, Einspruchsfrist für TV-Übernahmen von Bundesliga bis Vorstadtweiber

Bei Österreichs größten Verlagshäusern tagen diese Woche die Eigentümervertreter – mit durchaus gewichtigen Themen. Beim "Krone"-"Kurier"-Konzern Mediaprint könnten bessere Ergebnisse als in den vergangenen Jahren die Stimmung unter den Eigentümern etwas heben, zumindest für den Moment. Um Millionen auch für die "Krone" geht es, wenn die Medienbehörde die neuesten Daten über Regierungswerbung veröffentlicht. Bei der Styria wiederum könnte der Vorstand umgebaut werden – aber davon haben Sie als Stammgäste der Etat-Wochenschau ja schon gelesen. Und auch bei der Nachrichtenagentur APA tagen die Gremien, womöglich ebenfalls zu Personalfragen.

1. Das Geld der Mediaprint

Unter den seit Jahrzehnten erbittert streitenden Gesellschaftern der Mediaprint, also auch der "Kronen Zeitung" und des "Kurier", könnte es am Donnerstag ein kleines Stimmungshoch geben. 25 bis 30 Millionen Ergebnis könnte der Zeitungsverlagskonzern erreichen. Das sind bei rund 420 Millionen Umsatz in der Geschäftswelt keine rekordverdächtigen Werte, in der österreichischen Zeitungswelt und in der heutigen Mediaprint allerdings durchaus solide. Solidere als noch vor ein paar Jahren – 2011/12 schaffte der Krone-Kurier-Verlag 4,6 Millionen Ergebnis bei 466 Millionen Umsatz, im Jahr darauf 5,8 Millionen. Seither ging es kontinuierlich bergauf mit 14,4, dann 16,5 und zuletzt veröffentlichten 20,8 Millionen im Geschäftsjahr 2015/16.

25 bis 30 Millionen würden jedenfalls der deutschen Funke-Gruppe wohl ersparen, ihren österreichischen Mitgesellschaftern vertraglich garantierte Mindestgewinne zu überweisen. Diesen Sommer haben die Funkes der Familie Dichand solche Gewinngarantieren ausbezahlt, wohl in zweistelliger Millionenhöhe. Denn: Das jüngste Schiedsgericht hat die Funke-Kündigung der Syndikatsverträge mit den Dichands aus 2014 im Frühjahr 2017 abgelehnt. Von weiteren Anläufen der Funke-Gruppe kann man getrost ausgehen.

Die Gesellschaftsverträge der Mediaprint aus den späten 1980ern garantieren zudem dem "Kurier" 30 Prozent des Mediaprint-Gewinns. Zuviel, finden die Dichands seit Jahrzehnten – aber auch schon von einem Schiedsgericht bestätigt. Die Funke-Gruppe profitiert auf beiden Seiten – sie hält knapp unter 50 Prozent am "Kurier" und exakt 50 Prozent an der "Krone". Die "Kurier"-Mehrheit gehört Raiffeisen, die übrigen 50 "Krone"-Prozente den Dichands.

2. Die Führung der Styria

Schon am Dienstag kommen die Aufsichtsräte der Styria ("Kleine Zeitung", "Die Presse", Willhaben.at) zusammen. Sie dürften über die künftige Besetzung eines Vorstandsmandats von dreien entscheiden: Der aktuelle Vertrag von Langzeitvorstand Klaus Schweighofer dürfte nur noch bis Jahresende laufen, er könnte eine andere Aufgabe im Konzern übernehmen. – sagen jedenfalls Menschen mit Einblick in die Vorgänge. Und diese Menschen rechnen auch mit der Bestellung von Bernhard Kiener in den Styria-Vorstand. Er führt bisher den Grazer Automobilzulieferer Ventrex Automotive.

Vorstandsvorsitzender der Styria ist Markus Mair; Kurt Kribitz kam Anfang 2016 in den Vorstand, um die Dienstleistungsbereiche des katholisch geprägten Medienkonzerns zu führen.

3. Der Redaktionschef der APA

Zwischen Styria und Mediaprint bleibt am Mittwoch noch Platz für die APA-Gremien, in denen zumindest Österreichs halbe Medienwelt zusammenkommt – die Genossenschaft gehört ja dem ORF und allen Tageszeitungen bis auf "Krone" und "Heute". Thema könnte die Verlängerung von Chefredakteur Michael Lang sein, dessen aktueller Vertrag bis Mitte 2018 läuft. APA-Geschäftsführer Clemens Pig soll sich für Kontinuität ausgesprochen haben. Und nur wenige Genossen scheinen das anders zu sehen.

4. Die Einspruchsfrist für TV-Übernahmen

Auf den Freitag wiederum schaut eine der großen österreichischen TV-Produktionen, die etwa "Vorstadtweiber", "Schnell ermittelt", "Sacher" oder nun "Maria Theresia" dreht. Bis 15. Dezember können Bundeswettbewerbsbehörde und Bundeskartellanwalt den geplanten Einstieg der Münchner Beta Film von Branchengröße Jan Mojto bei der Wiener MR Film vor ein Kartellgericht bringen. Wahrscheinlichkeit: eher gering.

foto: orf/mr film/petro domenigg
Zugreifen bitte bei der MR Film: Die Münchner Beta Film von Jan Mojto will knapp 51 Prozent an der großen Wiener Produktionsfirma. Und hier greift sich Philipp Stix (Antonio) Nina Proll (Nicoletta) in der MR-Produktion "Vorstadtweiber" – am 8. Jänner in ORF 1.

Der Vertrag der österreichischen Bundesliga mit Sky sollte ebenfalls in den nächsten Wochen unterzeichnet werden, noch schauen sich die Kartellbehörden den Exklusivdeal (bis auf vier Livespiele und eine Highlightshow) etwas genauer an. Auch der Vertrag könnte durchgehen, tippe ich – ohne nähere Einblicke oder gar Kenntnis, also praktisch wie im Toto.

5. News, ein Familienbetrieb

Beim Stöbern im Firmenbuch fiel mir auf, dass ich die Eigentümer der Verlagsgruppe News seit Monaten nicht ganz präzise benenne. Meine Ungenauigkeit bleibt allerdings in der Familie.

Seit Sommer 2016 behaupte ich beharrlich, News-CEO Horst Pirker wäre Mehrheitseigentümer der Verlagsgruppe News. Mit durchgerechnet 56,025 Prozent der Anteile an der den Magazinmarkt beherrschenden Gruppe. Stimmt so nicht ganz, sagt das Firmenbuch.

Die rund 56 Prozent, bis 2016 im Besitz der Bertelsmanntochter Gruner + Jahr, hält die I-Mag Beteiligungs GmbH & Co KG. Deren Komplementär ist Horst Pirker, ihr unbeschränkt haftender Gesellschafter wiederum die I-Mag Beteiligungs GmbH. Und die gehört zu 43 Prozent Horst Pirker und zu 57 Prozent seinem Sohn Georg Pirker, Geschäftsführer von Pirkers kleiner Magazingruppe Medecco und Eigentümer der Pion Websystems GmbH.

6. Wo Ministerien und Länder buchen

Und wo wir schon in Daten wühlen: Spätestens am Freitag veröffentlicht die Medienbehörde, welche öffentlichen Stellen Juli bis September 2017 wieviel Geld in welchen Medien gebucht haben. Grob jedenfalls, es gibt ja schöne Möglichkeiten, die Meldepflicht des Medientransparenzgesetz mit Buchungen unter 5000 Euro pro Quartal oder auch seltener als viermal pro Jahr erscheinenden Beilagen zu umgehen. Die Rechercheplattform Dossier.at hat sich gerade genauer angesehen, welche schönen Möglichkeiten die Beilagenregel in Wien bietet.

Die Sommerquartale werden laut bisher veröffentlichten Medientransparenzdaten eher schwächer gebucht – die Dreimonatswerte bewegen sich zwischen 35 und 45 Millionen Euro. Die knapp 45 erreichte just das Vorwahlquartal 2013, und da wählte Österreich erst Ende Oktober und nicht am 15. wie 2017.

7. Mehr Fellner-Funk

Wolfgang Fellner, multimedialer Motor der Mediengruppe Österreich, ist mit Zeitung, Magazinen und Talk noch nicht ganz ausgelastet. Er hat in seinem jüngsten von nicht wenigen Interviews in der Branchenzeitung "Horizont" wissen lassen, er strebt nun eine bundesweite Privatradiolizenz an, das wäre erst die zweite nach Kronehit.

foto: österreich faksimile werbung oe24tv
"Fellner!Live" und seine aktuell beworbenen Gäste: Karl-Heinz Grasser und Heinz-Christian Strache.

Der Fellner-Family sind derzeit, wenn ich nichts übersehen habe Ö24-Radios in Wien, Steyr/Kremsmünster in Oberösterrreich, Aichfeld/oberes Murtal in der Steiermark und in Bregenz/Dornbirn in Vorarlberg zuzurechnen, zudem die Antenne Salzburg und die Antenne Tirol (Innsbruck, Unterland, Osttirol).

Fellner sagt, er sammelt Lizenzen, wo er sie kriegen kann. Er braucht für eine bundesweite Lizenz Sender, die in Summe 60 Prozent der Östereicherinnen und Österreicher technisch erreichen können. Praktischer ist da natürlich, bei Sammlern zu sammeln. Die 88.6-Radios mit Wien, Niederösterreich und Burgenland haben sich gerade erst zu einer länderübergreifenden Lizenz zusammengeschlossen, zudem deckt Fellner mit Ö24 ohnehin Wien ab.

Wer käme da noch infrage? Ein Gedankenspiel ohne Nachfragen und also, wie so oft hier, gänzlich ohne Gewähr. Lounge FM von Florian Novak zum Beispiel mit Frequenzen in Innsbruck, Graz, Klagenfurt, Oberösterreich Mitte, sowie Salzburg. Wobei: Salzburg und Innsbruck und Teile Oberösterreichs haben die Fellners schon. Die Welle 1 von Stephan Prähauser, beim reinen Gedankenspielen auch eine Möglichkeit, bespielt Tiroler Oberland, Außerfern und wiederum Innsbruck, Kärnten, Linz und Salzburg. Energy/NRJ wiederum hätte nur Salzburg/Innsbruck/Wien zu bieten – also wenig Ergänzung, soweit ich das überblicke.

Habe ich größere Gruppen übersehen? Sachdienliche Hinweise bitte, wie bei "Aktenzeichen XY" an unsere Aufnahmestelle – in dem Fall aber das Forum unten. (Harald Fidler, 11.12.2017)

Die Etat-Wochenschau ist eine sehr subjektive Auswahl und Interpretation anstehender Ereignissen in der – vor allem österreichischen – Medien- und gelegentlich auch Werbebranche. Wie sich die Prognosen in der Medienrealität materialisieren, lesen Sie so rasch wie möglich auf derStandard.at/Etat.

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