Crowdfunding: "Bei uns gibt es keine Spaßinvestoren"

    9. Dezember 2017, 10:00
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    Immer mehr Kleinanleger stecken Geld in Immobilien – in Deutschland könnte nun ein erstes Projekt gescheitert sein

    Mit dem Immobilienprojekt Luvebelle sollten im Berliner Stadtteil Tempelhof 52 Mikroapartments entstehen – und zwar mithilfe der Crowd. In zwei Finanzierungsstufen wurden für das Projekt mehr als 1,25 Millionen Euro von fast 300 Kleinanlegern auf der Crowdfunding-Plattform Zinsland eingesammelt. Im September wurde für die beiden Projektgesellschaften laut Medienberichten ein Insolvenzantrag gestellt, obwohl das in Bau befindliche Projekt bereits an einen Investor verkauft worden war.

    Am 1. Dezember wurde für eine der beiden Gesellschaften das Insolvenzverfahren eröffnet. "Mit der Eröffnung des Verfahrens hat Zinsland nun keinerlei Einfluss mehr auf den Ausgang", heißt es dazu in einer Aussendung der Plattform, die laut eigenen Angaben "bis zuletzt" auf eine Rücknahme des Insolvenzantrags gedrängt hat. Die Forderungen der Anleger seien dem Insolvenzverwalter übermittelt worden. Im schlimmsten Fall ist ihr Geld, das in Form eines Nachrangdarlehens investiert wurde, futsch. Das wäre die erste große Pleite eines Immobilien-Crowdfunding-Projekts im deutschsprachigen Raum.

    "Das hat uns auch überrascht", sagt Tobias Leodolter, Mitgründer und CMO der österreichischen Crowdfunding-Plattform Rendity, die bis Jahresende laut eigenen Angaben mehr als drei Millionen Euro für sieben Immobilienprojekte eingesammelt haben will. Er kennt den Fall Luvebelle zwar nur aus den Medien, betont aber, dass bei seiner eigenen Plattform den Anlegern immer klar kommuniziert werde, dass es ein "adäquates Risiko" gebe – das den Anlegern aber durch besonders hohe Zinsen abgegolten wird.

    Allgemeine Prüfkriterien

    Als Plattform müsse man bei der Auswahl der Projekte ansetzen, betont Leodolter. Bei Rendity gibt es einen 20-Punkte-Plan und ein Advisory-Board, das die eingereichten Projekte durchleuchtet. "Neun von zehn Projekten lehnen wir ab", so Leodolter. Stutzig machen beispielsweise zu hohe Verkaufspreise und zu geringe Baukosten, aber auch "absurde Projekte" wie Ferienhäuser in Kroatien. Leodolter regt allgemeine Prüfkriterien an, die für alle Plattformen gelten sollen: "Wir sehen regelmäßig, dass von uns abgelehnte Projekte dann zur Konkurrenz weitergehen."

    Bisher wurden den Kleinanlegern auf der Rendity-Plattform Immobilienprojekte in urbanen Lagen Wiens und Berlins angeboten. Und zwar kein Luxus, wie Leodolter betont, "sondern Wohnungen, die man leicht verkaufen kann. Unsere Investoren haben nichts davon, wenn oben auf dem Dach ein Pool steht."

    Weltweit wird mehrheitlich um Crowd-Finanzierung von Wohnimmobilien gebuhlt. "Wohnimmobilien sind den Investoren am leichtesten näherzubringen. Das versteht sogar jemand, der nichts von Immobilien weiß", sagt Leodolter.

    Mindestens 1000 Euro

    Seit kurzem kann der Schwarm bei Rendity in ein neues Projekt an der Erzherzog-Karl-Straße im 22. Bezirk investieren. 600.000 Euro sollen dafür von Kleinanlegern insgesamt eingesammelt werden, dafür winkt ihnen bei einer Laufzeit von 36 Monaten eine jährliche Rendite von 6,5 Prozent. Vor wenigen Tagen war bereits mehr als ein Drittel davon aufgestellt.

    Das Mindestinvestitionsvolumen liegt bei Rendity bei 1000 Euro. "Bei der Investorenansprache verfolgen wir einen etwas anderen Weg als die Konkurrenz", sagt Leodolter zur verhältnismäßig hohen Mindestsumme. Dadurch würden die Anleger gezwungen, sich mit dem Projekt auseinanderzusetzen: "Bei uns gibt es keine Spaßinvestoren."

    Ausfinanzierte Projekte

    Im Schnitt liegt das Investitionsvolumen bei 4000 Euro. Auch bis zu 250.000 Euro seien schon von einem einzigen Anleger investiert worden, so Leodolter. Was ihm auffällt: Immer wieder kaufen sich Kleinanleger am Ende auch eine Wohnung in dem Projekt, das sie mitfinanziert haben.

    Die Projekte, die der Crowd angeboten werden, müssen ausfinanziert sein. Wirklich angewiesen auf das – im Vergleich zum Projektvolumen geringe – Investitionsvolumen der Crowd sind die Projektentwickler also nicht. Laut Leodolter zahlt sich das Crowdfunding allein aus Marketinggründen für Projektentwickler aus.

    Besonders junge Menschen werden von der Investitionsform angesprochen. Manchmal wird Leodolter auch von Investitionswilligen kontaktiert, die nur 500 Euro zur Verfügung haben, die sie veranlagen wollen: "Denen rate ich dann, stattdessen lieber eine Reise zu machen." (Franziska Zoidl, 9.12.2017)

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