Erster "Tag der ungleichen Lebenserwartung"

    10. Dezember 2017, 07:00
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    Auf ein Jahr umgerechnet, in dem Frauen zu Silvester sterben, leben Männer nur bis um 10. Dezember

    Männer haben eine deutlich geringere Lebenserwartung als Frauen. Der Unterschied beträgt in Deutschland 4,8 und in Österreich aktuell 4,9 Jahre. Um darauf aufmerksam zu machen, wurde in Deutschland nun der "Tag der ungleichen Lebenserwartung" ausgerufen. Ziel ist, die Lebenserwartung von Männern anzuheben, initiiert wurde der Aktionstag von der Stiftung Männergesundheit mit Sitz in Dresden.

    Die Lebenserwartung von 2015 geborenen Mädchen in Deutschland beträgt 83,06 Jahre und die von Buben nur 78,18 Jahre. In Österreich sind es 83,7 bzw. 78,8 Jahre.

    Der Vergleich der Lebenserwartung beider Geschlechter zeigt deutlich die schlechtere Überlebensprognose von Männern: Auf ein Jahr gerechnet hieße das ein um drei Wochen kürzeres Leben. Das Leben von Frauen würde also in der Silvesternacht enden, das der Männer aber schon am 10. Dezember – dieser Tag wurde daher auch zum Aktionstag gemacht.

    Bewusstsein schaffen

    "Mit diesem drastischen Bild möchten wir am Tag der ungleichen Lebenserwartung am 10. Dezember auf den markanten Unterschied in der Lebenserwartung von Männern und Frauen hinweisen – und darauf, dass unsere Gesellschaft mehr Energie und Ressourcen in die Männergesundheitsförderung investieren muss, um dieses Missverhältnis zu beheben", erklärt Matthias Stiehler von der Stiftung Männergesundheit.

    Um die Gesundheit von Männern zu verbessern, müssten betriebliche Gesundheitsvorsorge und Prävention gestärkt werden. Zudem, so die Experten, gebe es immer noch gesellschaftliche Tabus, die zur schlechteren Lebenserwartung von Männer beitragen und über die nicht gesprochen wird.

    Als Beispiel führt Stiehler Depressionen bei Männern an, die bis heute häufig unterdiagnostiziert sind – mit der Konsequenz, dass die Selbstmordrate von Männern dreimal höher liegt als die der Frauen. Ebenso thematisiert die Stiftung versorgungsmedizinische Benachteiligungen von Männern. "Bei vielen Gesundheits- und Vorsorgeangeboten fallen Männer oft hinten runter", so Stiehler.

    Weitere Gründe für das frühere Ableben von Männern sind:

    • Ein riskanterer Lebensstil: Männer üben häufiger gefährliche oder auch ungesunde Berufe aus und haben mehr tödliche Arbeitsunfälle
    • Eine höhere Rate an chronischen Erkrankungen wie Diabetes mellitus oder Bluthochdruck (Hypertonie)
    • Eine höhere Herzinfarktrate
    • Eine höhere Selbstmordrate (ca. 3:1 im Vergleich zu Frauen)
    • Eine höhere Sterblichkeit durch Verkehrsunfälle oder Drogen (sie ist bei Männern im Alter zwischen 16 und 24 Jahren dreimal höher als bei Frauen)
    • Eine höhere Rate an HIV-Infektionen (82% der Betroffenen sind Männer) (red, 10.12.2017)
    • Frauen leben länger als Männer.
      foto: istock

      Frauen leben länger als Männer.

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