US-Abgeordneter will Spiele mit Lootboxen für unter 21-Jährige verbieten

    7. Dezember 2017, 09:57
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    Chris Lee warnt vor "Geschäftsmodellen, die psychische Schwächen ausnutzen"

    Chris Lee, demokratischer Abgeordneter im US-Bundesstaat Hawaii, will den Verkauf von Videospielen, die über Glücksspielmechaniken wie Lootboxen verfügen, an unter 21-Jährige verbieten lassen. Im Unterschied zum in den USA geltenden System für Alterseinstufungen (ESRB) will Lee diese Auflage auch für Download-Plattformen wie Steam und Battle.net umsetzen und sucht dafür aktuell Unterstützung der Bürger.

    Schutz für Familien und Jugendliche gefordert

    "Ich bitte Sie, gegen räuberische Spielpraktiken vorzugehen und Familien und vor allem minderjährige Jugendliche davor zu schützen", so Lee. In einem Video und einem Brief ersucht er die Bürger, sich mit dieser Forderung an den Gesetzgeber zu wenden, und bietet dazu auch eine Briefvorlage an für alle jene, die selbst kein Schreiben aufsetzen wollen. Darin heißt es, dass "Lootbox-Mechaniken oft so gestaltet werden, um Spielautomaten zu ähneln, und über Spiele für Smartphones, Konsolen und PCs allen zugänglich sind. Im Gegensatz zu Jahrmarktsspielen oder Sammelkarten erfordern Videospiele eine aktive und längerfristige Beteiligung, innerhalb der dieser Konsumenten psychologischen Manipulationstechniken ausgesetzt sind, die zu echter Sucht und echten Schäden führen können."

    Dabei warnt Lee in seinem Videobeitrag davor, dass Spielehersteller ihre Systeme jederzeit anpassen könnten, um die Verlockung, reales Geld auszugeben, zu erhöhen. Ob das tatsächlich der Fall ist, lässt sich aktuell gewiss schwer nachweisen. Um das jedoch zu verhindern, plädiert Lee für eine Offenlegung der besagten Glücksspielmechaniken, wie es etwa in China vorgeschrieben wird.

    chris lee
    Video: Der hawaiianische Abgeordnete Chris Lee fordert zur Regulierung von Glücksspielmechaniken in Games auf.

    "Geschäftsmodelle, die die psychischen Schwächen vieler Menschen ausnutzen"

    Lee spricht mit seinen Bedenken Berichte über teils junge Spieler an, die tausende Dollar in derartige Mikrotransaktionen investieren, und sieht vor allem in der leichten Zugänglichkeit dieser Spiele ein Problem. "Aufgrund der massenhaften Verbreitung und der leichten Zugänglichkeit dieser Spiele ist es wichtig, diese Bedenken anzusprechen", heißt es in dem Schreiben. "Casinos werden seit langem dafür kritisiert, Geschäftsmodelle zu entwickeln, die die psychischen Schwächen vieler Menschen ausnutzen. Diese Geschäftsmodelle werden nun von der Gaming-Industrie nachgeahmt, um das Gleiche zu bewirken, mitten in unzähligen Haushalten des ganzen Landes."

    Lee hält dabei nichts von einer Selbstregulierung der Gaming-Industrie. In den USA werden Spielehersteller durch die Handelsorganisation ESA vertreten, die 1994 das Entertainment Software Ratings Board (ESRB) ins Leben rief, um für die Konsumenten Altersempfehlungen zu Spielen auszustellen. Aufgrund der engen Verknüpfung der beiden Institutionen ist es laut Lee nicht verwunderlich, dass die ESA und das ESRB diese neuen und sehr lukrativen Geschäftsmodelle bisher verteidigt hätten.

    Stein ins Rollen gebracht

    Wenngleich Lee damit zu den aktuell schärfsten Kritikern von Lootboxen und anderen Glücksspielmechaniken in Videospielen gehört, ist er mit seinem Anliegen nicht alleine. Innerhalb der EU haben unter anderen die Niederlande und Belgien Ermittlungen eingeleitet, um die Glücksspielvorwürfe zu prüfen. Und während derartige Initiativen in Österreich noch nicht in Gang sind, rufen auch hier Konsumentenschützer zu einer klaren Kennzeichnung derartiger Spielinhalte auf. (zw, 7.12.2017)

    wirspielen
    Video: Ex-Ubisoft-Marketingmanager Eugen Knippel über die Sichtweise der Spielehersteller.
    • Lootboxen kommen bereits in zahlreichen Blockbuster-Games wie auch "Middle-earth: Shadow of War" zum Einsatz.
      foto: middle-earth: shadow of war

      Lootboxen kommen bereits in zahlreichen Blockbuster-Games wie auch "Middle-earth: Shadow of War" zum Einsatz.

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