"Seven: The Days Long Gone" im Test: Weihnachtsgeschenk für Rollenspielfans

    Rezension10. Dezember 2017, 11:00
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    Das originelle Debütspiel ehemaliger "Witcher"-Entwickler macht vieles neu und richtig

    Mit "Divinity: Original Sin 2" haben Indie-Freunde dieses Jahr schon ein außerordentliches Rollenspiel in die Hände bekommen, nun steht kurz vor Weihnachten überraschend ein weiteres Schwergewicht ins Haus: Mit "Seven: The Days Long Gone" (Windows, 29,99 Euro) präsentiert ein polnisches Entwicklerteam, das zuvor an der Entwicklung der erfolgreichen "Witcher"-Reihe beteiligt war, ein ungewöhnliches Action-Rollenspiel, das bewährte Tugenden mit frischen Ideen und originellem Setting verbindet.

    In der Gestalt des einsamen Diebes Teriel sind Spielerinnen und Spieler in einer ungewöhnlichen Postapokalypse unterwegs, in der sich Fantasy-Elemente mit einer gehörigen Portion Cyberpunk vermischen. Als Insasse einer gewaltigen Gefängnisinsel, die Stück für Stück frei erforscht werden kann, schleicht, hüpft und kämpft sich der Meisterdieb in Begleitung eines körperlosen Dämonen durch eine offene Spielewelt, die bis in kleinste Details liebevoll gestaltet wurde.

    imgn.pro
    Video: Trailer zu "Seven: The Days Long Gone".

    Parkour isometrisch

    Gezeigt wird diese isometrische Welt aus einer fixierten Kamerahöhe, nur der Blickwinkel lässt sich stufenlos drehen. Was dank interessanter Locations und schicker Celshading-Optik gut aussieht, stört leider manchmal, besonders bei Kämpfen oder Sprungpassagen im dicht bebauten Gebiet – gelegentliche Unübersichtlichkeit ist leider ein Kritikpunkt, besonders weil "Seven" die Bewegungsfreiheit seiner Hauptfigur durch beeindruckendes vertikales Leveldesign mit hohen Häusern oder anderen Strukturen in Szene setzt.

    Und ja, richtig gelesen: In "Seven" gibt es nicht nur Sprungpassagen, sondern das gesamte Gameplay nutzt die außergewöhnliche Beweglichkeit seines Helden auf überaus originelle Art und Weise aus. Im Unterschied zu klassischen isometrischen Rollenspielen wird die Hauptfigur direkt gesteuert, und Teriel ist ein Bewegungstalent. Das flinke Hochklettern an Wänden und Felsen ist bei der Parkour-ähnlichen Durchquerung der Einsatzgebiete ebenso gefragt wie so mancher gewagte Sprung. Auch die Kämpfe verlaufen actionreich und verlangen nicht nur schnelles Ausweichen, sondern, vor allem gegen mehrere Gegner, Strategie und Vorausplanung. Dank jederzeit verwendbarem Speichersystem ist der Tod bei danebengegangenen Konfrontationen oder Diebstählen aber verschmerzbar.

    Dieb mit Optionen

    Den allermeisten Kämpfen kann Teriel ohnedies aus dem Weg gehen, denn eine erklärte Inspiration der Entwickler ist die "Thief"-Reihe. Wie in dieser sind vorsichtiges Schleichen, die Suche nach alternativen Wegen und das clevere Ausschalten von Wachen und Verteidigungsanlagen dem direkten Angriff jederzeit vorzuziehen. "Seven" lässt hier seinen Spielerinnen und Spielern viele Freiheiten, denn beim rollenspieltypischen Ausbau der Fähigkeiten lässt sich der Meisterdieb durch spezielle aktive und passive Skills unterschiedlich weiterentwickeln. Wer allerdings ganz auf den Ausbau der Kampffähigkeiten verzichtet, hat im späteren Spiel einige harte Pflichtkämpfe als schwere Brocken vor sich.

    Meistens lässt "Seven" seinen Spielerinnen und Spielern aber die Wahl, und das nicht nur in Hinsicht auf die Vorgehensweise. Die Gefängnisinsel ist zu Beginn zwar nicht sofort frei bereisbar, doch auch hier gibt es verschiedene Methoden, zuvor verschlossene Sektoren zu betreten. Zahllose NPCs lassen die Welt lebendig wirken, auch wenn nur ausgewählte Charaktere – sehr gut und englisch – vertont wurden. Die um ihren sympathisch halunkigen Hauptprotagonisten erzählte Haupt-Story um eine Verschwörung weiß dabei ebenso zu fesseln wie eine Vielzahl an optionalen Nebenmissionen.

    Fazit

    "Seven: The Days Long Gone" ist ein überaus origineller Mix aus verschiedenen Genres, die seinen klassischen Rollenspielkern bereichern. Dank actionreicher Bewegungsfreiheit spielt es sich – je nach Herangehensweise – beinahe wie ein "Thief" aus isometrischer Perspektive, bietet aber rollenspieltypische Missionen, Charakterausbau und ein – leider etwas fummeliges – Inventory- und Crafting-Management. Die fesselnde Story, interessante Charaktere und ein unverbrauchtes Setting überzeugen ebenso wie die Präsentation im schicken Celshading-Look.

    Wer kleine Macken wie manchmal unübersichtliche Kamerapositionierung und teilweise etwas träge Steuerung verschmerzen kann, wird mit einem beeindruckend atmosphärischen, originellen und komplexen Action-Rollenspiel belohnt. "Seven: The Days Long Gone" ist eine positive Vorweihnachtsüberraschung und ein Debütspiel sichtlich erfahrener Entwickler, das Lust auf mehr macht. (Rainer Sigl, 10.12.2017)

    "Seven: The Days Long Gone" ist für Windows-PC erschienen. UVP: 29,99 Euro.

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    • "Seven: The Days Long Gone" ist für Windows-PC erschienen. UVP: 29,99 Euro.
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      "Seven: The Days Long Gone" ist für Windows-PC erschienen. UVP: 29,99 Euro.

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