Studie: Finanzierung der Unis rechnet sich nach drei Jahren

    6. Dezember 2017, 13:49
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    Erstmals wurde österreichweit die Wertschöpfung von Universtitäten erhoben

    "Universitäten sind furchtbar teuer", heißt es gerne, doch jeder investierte Euro rechne sich schon nach wenigen Jahren, sagt Oliver Vitouch, Präsident der Universitätenkonferenz (Uniko) bei der Präsentation der Studie zur Wertschöpfung von Universitäten. Im Auftrag von Uniko und Wissenschaftsministerium wurden vom Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) zum ersten Mal die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Effekte von Unis sowohl auf Bundesebene als auch an den Universtitätsstandorten analysiert.

    Für Jürgen Janger, Leiter der Wifo-Studie sprechen die Daten eine eindeutige Sprache. Unis bringen mehr Steuergeld als sie kosten. "Ein in die Universitäten investierte Steuer-Euro rechnet und vermehrt sich schon nach drei bis fünf Jahren." Wissen sei der wichtigste Wirtschaftsfaktor und Nicht-wissen das größte Hemmnis für Innovationen.

    Finanzieller Rahmen

    Die heimischen Universitäten befänden sich aber in einer Zwickmühle, sagt Janger. Einerseits werden die Leistungen der Unis immer stärker nachgefragt – das zeigt sich beispielsweise bei den Patentsnennungen von Universitäten und auch in den Daten der Beschäftigung von Hochqualifizierten. Andererseits werde der Wettbewerb um die am besten qualifizierten Lehrenden immer schwieriger. "Die finanzielle Ausstattung der Universität ist dabei ein Entscheidungsfaktor", sagt Janger.

    Die positiven Effekte für Wirtschaft und Gesellschaft sind für ihn angesichts der Finanzierung der Universitäten überraschend. Relativ zur Zahl der Studierenden hat beispielsweise die ETH Zürich fünf Mal soviel Budget zur Verfügung wie die Technische Uni Wien.

    Genauer aufgeschlüsselt: Der Umsatz der Universitäten in Österreich beträgt rund 3,8 Milliarden Euro, wovon die öffentliche Hand 3,3 Milliarden Euro beisteuert. Dem gegenüber stehen Summen von 6,3 Milliarden Euro, die der Wirtschaftsleistung kurz- und mittelfristig zugutekommen, heißt es in der Studie: 2,77 Milliarden Euro davon direkt aus der Tätigkeit der Unis selbst, 841 Millionen Euro bringen die durch die Unis ausgelöste wirtschaftliche Tätigkeit von Zulieferern und Kooperationspartnern, 2,69 Milliarden Euro weitere Investitionen oder höhere Konsumausgaben durch erwirtschaftete Gewinne.

    Kooperationen mit Unternehmen

    Der Anteil der Unternehmen, die mit einer Hochschule kooperieren, ist in Österreich im EU-weiten Vergleich am höchsten. 57 Prozent (EU: 33 Prozent) der Großunternehmen und 30 Prozent (EU: 17 Prozent) der KMU arbeiten mit Hochschulen zusammen. 86 Prozent der Unternehmen, die mit einer Hochschule kooperieren, haben Marktneuheiten eingeführt. "Universtitäten sind ganz wesentlich, wenn Österreich zu den innovativsten Ländern aufschließen möchte", ergänzt Janger.

    Universitäten sind aber nicht nur für den Wirtschaftsstandort entscheidend, auch als Arbeitgeber tragen sie zur Wirtschaftsleistung bei. Bundesweit sind 58.000 Personen direkt an den Universitäten beschäftigt; 110.000, wenn das unmittelbare Umfeld dazu gerechnet wird, sagt Vitouch. Für den Universitätsstandort Leoben bedeute das, dass neun Prozent der Beschäftigten im universitären Umfeld tätig sind, in Graz sind es 6,5 Prozent und in Wien noch vier Prozent. Derzeit konzentriere sich vieles auf die überaus wichtige "third mission" – den Wissenstransfer von Universität zu Gesellschaft und Wirtschaft, man dürfe bei der Bewertung der Leistung von Unis aber nicht ihre first mission, die Forschung und Lehre, vernachlässigen, sagt Vitouch. (Gudrun Ostermann, 6.12.2017)

    • "Jeder Euro rechnet sich nach kurzer Zeit", sagt Uniko-Präsident Oliver Vitouch
      foto: apa

      "Jeder Euro rechnet sich nach kurzer Zeit", sagt Uniko-Präsident Oliver Vitouch

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