Trump hilft Halbleiterhersteller Infineon in Österreich

    5. Dezember 2017, 19:00
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    Statt Know-how bei der US-Firma Wolfspeed zuzukaufen, will sich Infineon das Spezialwissen nun selbst erarbeiten

    Wien – 850 Millionen Dollar wollte der deutsche Halbleiterproduzent Infineon Anfang des Jahres für den amerikanischen Chiphersteller Wolfspeed zahlen und so seine Expertise bei neuen Materialien wie Siliziumkarbid und Galliumnitrid stärken. Der Deal scheiterte, weil US-Behörden Sicherheitsbedenken hatten und Präsident Donald Trump diese noch ernster nimmt als sein Vorgänger Barack Obama. Jetzt profitiert Infineon Österreich davon.

    Statt Know-how zuzukaufen, will sich Infineon das Spezialwissen nun selbst erarbeiten. Am Standort Villach, innerhalb der Infineon-Gruppe globales Kompetenzzentrum für neue Halbleitermaterialien, werden nun allein dafür 35 Millionen Euro investiert.

    Das Geld soll in die Weiterentwicklung der Halbleiterprozesstechnologien, neue Fertigungsanlagen und die Erweiterung bestehender Produktionsinfrastruktur fließen. Allein in dem Bereich entstünden 30 zusätzliche Hightech-Arbeitsplätze, wie die Chefin von Infineon Österreich, Sabine Herlitschka, bei der Bilanzpräsentation am Dienstag betonte. Die Förderprämie sei mit ein Grund gewesen, warum die Investitionsentscheidung innerhalb des Konzerns für Österreich gefallen sei, hatte Herlitschka zu einem früheren Zeitpunkt gesagt.

    Bau kleinerer Ladegeräte

    Wolfspeed hätte Infineon zum Beispiel beim Bau kleinerer, effizienterer Ladegeräte für Elektroautos helfen und so seine Position als Lieferant für die internationale Autoindustrie und den neuen Mobilfunkstandard 5G stärken können. Statt mit einer einzigen Unterschrift unter einem Kaufvertrag will Infineon das nun schrittweise aus eigener Kraft schaffen.

    In Summe sollen bei Infineon in Österreich noch viel mehr Hightech-Stellen entstehen, wobei der eigentliche Treiber die Digitalisierung und die dadurch ausgelöste starke Nachfrage nach energiesparenden Halbleitern ist. In Villach entsteht bis Ende 2019 ein neuer Gebäudetrakt, der 600 F&E-Mitarbeitern Platz bieten soll. Bis 2020 sollen in Villach zusätzlich 350 Jobs im Bereich F&E entstehen. An den Standorten Graz und Linz sind laut Herlitschka mittelfristig 290 bzw. 220 zusätzliche F&E-Arbeitsplätze geplant.

    Infineon beschäftigt in Österreich 3800 Mitarbeiter. Der Umsatz stieg im Vorjahr um 38 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro. Der Gewinn (EGT) erhöhte sich um elf Prozent auf 176,5 Millionen. (stro, 6.12.2017)

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