"Slow Down!": Kinomeditation für Ameisen und Discofans

    5. Dezember 2017, 16:33
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    Verspielt, ironisch, aufklärerisch: 16mm-Film-Installationen als "filmische Hinwendungen zur Reduktion" in der Kunsthalle Exnergasse

    Wien – Kaum öffnet man die Tür, rattern die Projektoren. Das erste Laufbild weckt jedoch wenig Erinnerung ans Kino, eher an Clubbesuche. Peter Miller schickt in der Installation Phenadiscoscope die Filmprojektion über den Umweg einer Discokugel: Ein Mann tanzt hinter rotierenden Lichtpunkten und wirkt dabei wie eine Pop-Variante in James Bond-Intros.

    ©kunsthalle exnergasse, foto: wolfgang thaler, 2017
    Zwischen Disco und Kino: Peter Millers "Phenadiscoscope".

    Peter Millers Phenadiscoscope ist eine von neun Arbeiten, die in der Ausstellung Slow Down! Filmische Hinwendungen zur Reduktion in der Kunsthalle Exnergasse zu sehen sind. Reduktion sei schon durch das Material selbst vorgegeben, erklären Viktoria Schmid und Antoinette Zwirchmayr, zwei der insgesamt Kuratorinnen, die auch alle Künstler sind. Alle Objekte sind Projektionen mit 16-mm-Film – Produktionsrückgang und Laborschließungen machen dieses kleinere Filmformat zur bedrohten (Kunst-)Art.

    Umgekehrt schafft diese Entwicklung bei aller Prekarität auch Zusammenhalt. In Österreich ist die Szene klein und lebendig, und wie sich an der Schau ablesen lässt, zeigt man sich nicht nostalgisch, sondern ironisch, verspielt und erfinderisch. Die Größen variieren: Johann Lurf hat ein Ameisenkino entworfen, die Projektionsfläche ist durch eine umgedrehte Optik nur winzige 6x4 Millimeter groß. Um das Bild sehen zu können, muss man den richtigen Blickwinkel einnehmen; Björn Kämmerer schickt auf Höhe des Gesimses einen Flieger auf Rundreise und erweitert damit den Ausstellungsraum nach oben. Der Projektor gerät zum Leuchtturm. Um einen Dialog zwischen Medien geht es bei der Arbeit von Sasha Pirker. Sie hat ein Polaroid beim Entwickeln gefilmt, wobei eine 16mm-Filmrolle fast gleich lange läuft, wie die Belichtung Zeit erfordert, nämlich drei Minuten.

    Räumlich opulente Arbeiten, auf die Sinne gleich mehrfach kommen von Zwirchmayr und Schmid selbst. Erstere hat Körperbilder – die Kamera war auf Armen oder Beinen von Performerinnen befestigt – auf sieben Projektoren verteilt, die belichteten Filme hängen, selbst sehr physisch, wie Seile im Raum.
    Bei Schmid wird ein Farbbild erst über drei Filter und Projektionsebenen zu einem Ganzen zusammengesetzt. Das Bewegtbild von Wolken bleibt veränderlich, zugleich wird die Künstlichkeit unseres Farberlebnisses manifest. Das Plädoyer für die Entschleunigung ist in dieser stringenten Schau vielleicht auch so zu verstehen: Geloopte Laufbilder laden zu intimen Meditationen über Seherfahrungen ein. (Dominik Kamalzadeh, 6.12.2017)

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