Informatik im Dienste der Integration

    10. Dezember 2017, 14:00
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    Daniela Wolf nutzt ihr Informatik-Know-how für die Flüchtlingshilfe

    Wien – Was Daniela Wolf (29) in den zehn Jahren nach der Matura an Ausbildungen und Berufserfahrung gesammelt hat, könnte gut drei Lebensläufe füllen: Informatikmanagement- und Didaktikstudium an der Technischen Universität (TU) Wien, E-Education an der Donau-Uni Krems, Angewandtes Wissensmanagement an der FH Burgenland. Und weil man das alles auch finanzieren muss, hat Wolf parallel dazu immer gearbeitet: als Uni-Assistentin, Journalistin, EDV-Trainerin für Kinder, persönliche Assistentin einer körperlich schwer beeinträchtigten Person und schließlich fünf Jahre lang als Architektin des Online-Campus der Ferdinand-Porsche-Fern-FH, wo sie unter anderem das E-Learning & Web-Support Center aufbaute.

    Da sie der Flüchtlingskrise nicht tatenlos zusehen wollte, hat die IT-Expertin im Sommer 2015 die Welcomingtours.at-Plattform gegründet und programmiert. "Hier können sich Einheimische und Flüchtlinge oder andere Menschen mit Migrationshintergrund zum Beispiel für Spaziergänge treffen", sagt Wolf. "Dadurch entstehen Kontakte, und die Menschen erfahren viel über die jeweils andere Kultur, was die Integration beträchtlich erleichtert."

    Programmierkurs für Flüchtlinge

    Auch das mehrfach ausgezeichnete Ausbildungsprogramm "refugees{code}" geht auf die engagierte Informatikerin zurück. Dabei handelt es sich um einen neunmonatigen Programmierkurs für Flüchtlinge. "Softwareentwickler werden von der Wirtschaft dringend gesucht, gleichzeitig brauchen die Flüchtlinge dringend Arbeit", sagt Wolf. "Für mich lag es deshalb nahe, die beiden Seiten zusammenzubringen."

    Mittlerweile findet der Kurs bereits zum dritten Mal statt, und die TU Wien ist als Kooperationspartner eingestiegen. Den Unterricht gestalten Informatikstudierende im Rahmen einer Lehrveranstaltung sowie ehrenamtliche Trainer. "Einige Absolventen haben schon Jobs gefunden, einer arbeitet sogar an der TU Wien", freut sich Daniela Wolf.

    Sabbatical

    Weil die Energieressourcen eines Menschen aber nicht unerschöpflich sind, hat die gebürtige Steirerin vor einem Jahr ein Sabbatical eingelegt. In diesem Erholungsjahr hat sie sich endlich das gegönnt, wovon sie jahrelang träumte: Reisen. Ihre Welterkundungstouren führten die Informatikerin unter anderem nach Vietnam, Bali und Lombok.

    Dort konnte sie ihre Energiereserven wieder aufstocken, und nun ist sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Masterstudiengang Wirtschaftsinformatik wieder an die Ferdinand-Porsche-Fern-FH zurückgekehrt.

    Dissertation über informatische Bildung für Erwachsene

    Allzu gemütlich wird es Daniela Wolf vermutlich auch nach ihrem Freijahr nicht angehen: Immerhin schreibt sie neben der FH-Tätigkeit bereits an ihrer Dissertation über informatische Bildung für Erwachsene. Dabei kann sie ihre Erfahrungen mit dem refugees{code}-Projekt gut gebrauchen: "Das wird nun als Feldstudie in die wissenschaftliche Arbeit eingebaut."

    Da bleibt für Reisen natürlich kaum noch Zeit, "aber ich hole mir die Welt einfach ins Wohnzimmer, indem ich Coachsurfer aufnehme", sagt die IT-Expertin lachend. Und wenn die Batterien neu aufzuladen sind, holt sie ihre Querflöte oder die Gitarre hervor. "Musik ist mir wichtig, da komme ich zur Ruhe." (Doris Griesser, 10.12.2017)

    • Daniela Wolf ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der  Ferdinand-Porsche-Fern-FH.
      foto: sabine pata

      Daniela Wolf ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Ferdinand-Porsche-Fern-FH.

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