Pro & Kontra: Charity-Punsch trinken

    14. Dezember 2017, 10:32
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    Wohltätigkeit und Vergnügen kombinieren oder grauenhaftes Alkohohl-plus-Zucker-Geschlader unter Charity-Vorwand trinken

    foto: getty images/istockphoto/chalabala

    Pro
    von Sigi Lützow

    Gewiss darf Wohltätigkeit auch ein Vergnügen sein. Im Vordergrund stehen sollte es aber nicht. Wer gibt, dem wird gegeben, also kann man dafür auch einmal an die Grenzen und darüber hinaus gehen. Weshalb sich das Charity-Punsch-Vernichten sehr gut dazu eignet, Herz für die Sache zu zeigen.

    Je nach Tränke ist er hinreichend erträglich, um gleich mehrmals selbstlos zu wirken. Im Schnitt ist das Heißgetränk aber grauenhaft genug, um mit seinen milden Gaben nicht in den Ruch der Scheinheiligkeit zu geraten.

    Schampuskübeln und Kaviarspachteln sind nicht schwer. Das aber auch noch als Philanthropie zu verkaufen ist schlicht eine Schweinerei. Ein Charity-Dinner bei Donald ist trotz des Gastgebers ein Honiglecken gegen das Punschsaufen am Rathausplatz – wenn man vom Preis absieht. Der wahre Menschenfreund spendet frohgemut ohne Gegenleistung. Noch wertvoller ist es aber, wenn es echte Überwindung kostet. Wem der Punsch da nicht genügt, dem sei ein Häferl Schwedentrunk aus Jauche empfohlen – der Einsatz von 1.000 Euro bleibe dem nächsten "Augustin"-Verkäufer.

    Kontra
    von Christoph Winder

    In meiner Schulzeit kam ein lieber Freund auf die Idee, sich mit französischem Orangenlikör zu alkoholisieren. Er verzehrte eine Dreiviertelflasche eines solchen Getränks und handelte sich nicht nur den Rausch seines Lebens ein, sondern auch einen Monumentalkater, der eine geschlagene Woche anhielt. Diese Anekdote erzähle ich, weil ich auf das diabolische Zusammenspiel zweier Genussmittel hinweisen möchte, welche da heißen "Zucker" und "Alkohol".

    Der Likör ist lediglich ein Synonym für andere Alk-plus-Zucker-Bomben. Unter ihnen nimmt der Punsch eine prominente Stellung ein. Gewiss: Es mag verantwortungsvolle Punschprofis geben, die nur mit edelsten Zutaten operieren. Man hört aber auch von Punschperversen, die übelstes Tetrapack-Geschlader mit kiloweise Zucker vermengen und unter dem Charity-Vorwand an die Frau oder den Mann bringen. Eine klare Ansage meiner Leber: Nein, danke. Zum Angebot eines aus philanthropischen Gründen kredenzten feinen Weins oder gepflegten Biers Nein zu sagen, das brächten aber weder ich noch meine Leber übers Herz. (RONDO, 14.12.2017)

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