USA starten Manöver mit Südkorea – US-Senator rät Familien zu Ausreise

    4. Dezember 2017, 08:16
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    Nordkorea nennt Trump "verrückt" und sieht Region an "Rand eines Atomkriegs" – Republikanischer Senator Graham: Frauen und Kinder sollten nicht nach Südkorea

    Pjöngjang / Simi Valley – Südkoreanische und US-Streitkräfte haben am Montag ihre bisher größte Luftwaffenübung begonnen. An dem fünftägigen Manöver Vigilant Ace (wachsames Ass) sollen nach Militärangaben mehr als 230 Kampfflugzeuge einschließlich F-35-Tarnkappen-Jets der USA sowie etwa 12.000 Soldaten teilnehmen. Die bis Freitag stattfindende Übung soll die "Bereitschaft" der beiden verbündeten Länder stärken.

    Laut bisher unbestätigten südkoreanischen Medienberichten könnten daran auch US-Langstreckenbomber des Typs B-1B teilnehmen. Im November des vergangenen Jahres hatten mehr als 16.000 Soldaten und mehr als 200 Flugzeuge an der jedes Jahr stattfindenden Übung teilgenommen. Vor wenigen Tagen hatte Nordkorea eine weitere Interkontinentalrakete gestartet, der Test war international scharf kritisiert worden. Offenbar fand der Test zudem in der Nähe internationaler Flugkorridore statt. Das diplomatisch isolierte Land erklärte kurz danach, es könne jetzt das gesamte Festland der USA mit Atomsprengköpfen angreifen.

    Das nordkoreanische Komitee für die Friedliche Wiedervereinigung des Landes warf den USA und Südkorea am Sonntag vor, mit dem gemeinsamen Luftmanöver Nordkorea "komplett zerstören" zu wollen. Nordkoreas Außenministerium hatte am Samstag die US-Regierung beschuldigt, "um einen Atomkrieg zu betteln". Pjöngjang wirft den USA regelmäßig vor, durch ihre Militärmanöver mit Südkorea einen Angriff vorzubereiten, was beide Länder bestreiten.

    Senator empfiehlt Familien Abzug aus Südkorea

    Der republikanische US-Senator Lindsey Graham hat wegen der Spannungen den Abzug von Familienangehörigen des amerikanischen Militärs aus Südkorea gefordert. "Angesichts der Provokationen Nordkoreas ist es verrückt, Kinder und Ehefrauen nach Südkorea zu schicken", erläuterte Graham im Fernsehsender CBS am Sonntag. Seiner Einschätzung nach steige nach den jüngsten nordkoreanischen Raketentests die Gefahr eines militärischen Konflikts zwischen den USA und Nordkorea. Vorschläge, wie sich Südkoreanerinnen und Südkoreaner zu verhalten hätten, machte Graham in der Sendung nicht.

    Auch der Nationale Sicherheitsberater von US-Präsident Donald Trump, H. R. McMaster, warnte unterdessen von der "jeden Tag wachsenden" Gefahr eines Kriegs mit Nordkorea. "Wir sind in einem Wettlauf gegen die Zeit, um das Problem zu lösen", sagte er am Samstag bei einer Konferenz. "Es gibt Wege jenseits eines bewaffneten Konflikts, aber es ist ein Rennen, weil es näher und näher rückt, und es bleibt nicht mehr viel Zeit." Er äußerste Zweifel daran, dass herkömmliche Abschreckungsmethoden auf Pjöngjang anwendbar seien. Das gilt als Zeichen, dass in Washington ernsthafter als bisher über einen Präventivschlag nachgedacht wird.

    Das nordkoreanische Außenministerium erklärte seinerseits, US-Präsident Donald Trump sei "verrückt", das Manöver bringe die Region an den "Rand eines Atomkrieges".

    Raketen können alle Nato-Staaten erreichen

    Nordkorea hatte am Mittwoch eine Interkontinentalrakete vom Typ Hwasong-15 getestet. Das gesamte US-Festland liege nun in Reichweite nordkoreanischer Raketen, teilte Pjöngjang anschließend mit. Die Nato bestätigte dies am Montag. Man gehe davon aus, dass alle Nato-Partner in Reichweite der Geschoße seien, sagte Generalsekretär Jens Stoltenberg. Damit wäre auch Österreich, das von Nato-Ländern umgeben ist, theoretisch in dieser Zone.

    Die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley, warnte Nordkorea daraufhin in einer Dringlichkeitssitzung des Uno-Sicherheitsrats, "im Falle eines Kriegs" würde die Führung in Pjöngjang "vollkommen zerstört".

    Erst Anfang November hatten die USA mit Südkorea und Japan eine gemeinsame Luftwaffenübung abgehalten. US-Bomber vom Typ B-1B überflogen die Koreanische Halbinsel. Die Flüge der überschallschnellen, strategischen Langstreckenbomber erzürnen Pjöngjang regelmäßig.

    Nordkorea hatte in den vergangenen Monaten wiederholt Raketen- und Atomwaffentests vorgenommen. Die US-Regierung drohte daraufhin mehrfach mit einem militärischen Vorgehen gegen Pjöngjang. Bei seinem ersten Auftritt vor der Uno Ende September drohte auch US-Präsident Trump bereits mit der "völligen Zerstörung" Nordkoreas.

    Russland sieht Provokationen der USA

    China mahnt zu einer geschlossenen Haltung gegenüber Nordkorea im Streit über das Atom- und Raketenprogramm des stalinistischen Landes. Die Regierung in Peking sei offen für verschiedene Lösungen, sagte der chinesische Außenminister Wang Yi am Montag vor Journalisten, alle Beteiligten sollten sich abstimmen. Es sei bedauerlich, dass die Spannungen nach einer vergleichsweise ruhigen Phase zuletzt wieder zugenommen hätten.

    Russland hatte den USA zuletzt vorgeworfen, mit den neuen Manövern bewusst an einer Eskalation der Lage zu arbeiten. Donald Trump wolle nach seinem Dafürhalten Kim Jong-un zu einer "Verzweiflungstat" provozieren, sagte Außenminister Sergej Lawrow: "Wenn die Amerikaner nach einem Vorwand suchen, um Nordkorea zu zerstören, dann sollen sie es sagen, dann können wir eine Entscheidung über die Reaktion fällen."

    USA prüfen Raketenabwehr-Standorte an Westküste

    Angesichts möglicher Bedrohungen durch Nordkorea suchen die USA an ihrer Westküste neue Standorte für die Raketenabwehr. Das erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Samstag von zwei Kongressabgeordneten.

    Die dem Verteidigungsministerium unterstellte Behörde Missile Defence Agency (MDA) werde entsprechende Empfehlungen abgeben, sagte der Republikaner Mike Rogers. Es werde erwogen, die neuen Stellungen mit dem Raketenabwehrsystem THAAD auszurüsten. Der Abgeordnete Adam Smith von den Demokraten ergänzte, die Zahl der Standorte müsse noch beschlossen werden.

    Abwehrsysteme in Südkorea und Guam

    THAAD wird vom Rüstungskonzern Lockheed Martin produziert. Jeweils eines dieser Systeme haben die USA in Südkorea und auf der Pazifikinsel Guam stationiert. Außerdem verfügen sie über sieben weitere THAAD-Systeme. Diese sind sehr beweglich. Die aktuellen Standorte werden nicht publikgemacht. Im Juli hatte das US-Militär den Abschuss einer Mittelstreckenrakete größerer Reichweite (IRBM) mit THAAD erfolgreich getestet.

    Hauptsächlich erfolgt der Schutz der Vereinigten Staaten bisher noch mit dem Abwehrsystem GMD in Alaska und Kalifornien. Hinzu kommt das Aegis-System, das an Bord von Marineschiffen stationiert ist. THAAD hat deutlich bessere Testergebnisse vorzuweisen als GMD. (APA, 4.12.2017)

    • In Pjöngjang wird der Raketentest mit einem Feuerwerk gefeiert, wie Bilder der staatlichen Nachrichtenagentur zeigen.
      foto: apa/kcna via kns

      In Pjöngjang wird der Raketentest mit einem Feuerwerk gefeiert, wie Bilder der staatlichen Nachrichtenagentur zeigen.

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