"Spiegel": Hinterbliebene des Berliner Anschlags kritisieren Merkel

1. Dezember 2017, 18:55
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Deutsche Kanzlerin will sich am 18. Dezember mit Angehörigen der Todesopfer sowie Verletzten im Kanzleramt treffen

Berlin – Hinterbliebene des Terroranschlags auf einen Berliner Weihnachtsmarkt haben die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) laut "Spiegel" Versagen vorgeworfen. "Der Anschlag am Breitscheidplatz ist auch eine tragische Folge der politischen Untätigkeit Ihrer Bundesregierung", zitiert das Nachrichtenmagazin aus dem Offenen Brief von Angehörigen der zwölf Todesopfer.

Die Rede ist von "mangelhafter Anti-Terror-Arbeit", die alarmierend sei. In einer Zeit, in der die Bedrohung durch Islamisten zugenommen habe, sei versäumt worden, "die Reformierung der wirren behördlichen Strukturen" voranzutreiben. Die Angehörigen monierten auch, dass sie nach dem Anschlag am 19. Dezember 2016 nicht genügend vom Staat unterstützt worden seien. "Es ist unsere konkrete Erwartung an Sie, Frau Bundeskanzlerin, dass die Bundesrepublik unseren Familien unbürokratisch und umfassend hilft", hieß es. Der Umfang der staatlichen Unterstützung bleibe weit hinter den Erwartungen zurück.

"Es ist eine Frage des Respekts"

Die Angehörigen werfen Merkel auch vor, sie habe auch fast ein Jahr nach dem Anschlag weder persönlich noch schriftlich kondoliert. "Es ist eine Frage des Respekts, des Anstands und eigentlich eine Selbstverständlichkeit, dass Sie als Regierungschefin im Namen der Bundesregierung unseren Familien gegenüber den Verlust eines Familienangehörigen durch einen terroristischen Akt anerkennen."

Am Mittwoch war aus Regierungskreisen verlautet, dass sich Merkel am 18. Dezember mit Angehörigen der Todesopfer sowie Verletzten im Kanzleramt treffen will. Das ist ein Tag vor dem Gedenken, das der Berliner Senat plant. Nach "Spiegel"-Informationen will Merkel auch an der Einweihung eines Berliner Mahnmals für die Opfer am ersten Jahrestag des Anschlags teilnehmen. (APA, 1.12.2017)

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