Ein Toter bei Krawallen nach Wahl in Honduras

1. Dezember 2017, 17:21
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Auch fünf Tage nach der Präsidentenwahl steht noch kein Sieger fest. Das Ergebnis dürfte extrem knapp ausfallen, die Gesellschaft ist tief gespalten

Tegucigalpa – Bei Protesten nach der Präsidentenwahl in Honduras ist mindestens ein Mann ums Leben gekommen. Weitere Menschen seien bei den Ausschreitungen verletzt worden, teilten die Behörden am Freitag mit. Anhänger der Opposition protestierten gegen von ihnen vermutete Wahlfälschung und die Verzögerung bei der Verkündung des Ergebnisses.

Anhänger des Oppositionskandidaten Salvador Nasralla errichteten Straßenblockaden, steckten Autoreifen in Brand und schleuderten Steine auf die Sicherheitskräfte. Die Polizei ging mit Tränengas gegen die Demonstranten vor.

Auch fünf Tage nach der Wahl lag noch immer kein Ergebnis vor. Wegen Unklarheiten bei einem Teil der Urnen müssten die Stimmzettel nun noch einmal einzeln ausgezählt werden, teilte Wahlamtsleiter David Matamoros in der Nacht auf Freitag mit. Das könne einen oder zwei Tage dauern.

Die Vereinten Nationen riefen die politischen Lager zur Zurückhaltung auf. "Die Kandidaten sollten ihre Anhänger zur Ordnung rufen und den Raum für einen demokratischen Dialog öffnen", hieß es in einer Stellungnahme der UN.

"Wir rufen zur Besonnenheit auf"

Während die ersten Teilergebnisse zunächst auf einen Sieg Nasrallas hindeuteten, lag dann der Amtsinhaber Juan Orlando Hernández knapp vorne. Nach der Auszählung von 94,3 Prozent der Stimmen kam Hernández auf einen Anteil von 42,92 Prozent. Auf Herausforderer Nasralla entfielen demnach 41,42 Prozent. Er werde das offizielle Ergebnis nicht anerkennen, kündigte Nasralla an. Er warf der Regierung Wahlfälschung vor. Beweise dafür legte er zunächst nicht vor.

"Wir rufen das Volk zur Besonnenheit auf", sagte Matamoros. "Wir werden keinen Sieger bekannt geben, bis nicht alles zu 100 Prozent ausgezählt ist. Ich fordere die politischen Führer auf, mit gutem Beispiel voranzugehen und ihre Anhänger zu beruhigen." Die verbleibenden Urnen wiesen Unregelmäßigkeiten auf und sollen deshalb in Anwesenheit der Kandidaten und internationaler Wahlbeobachter ausgezählt werden, sagte Matamoros.

In der Hauptstadt Tegucigalpa herrschte Chaos. Demonstranten blockierten die großen Ausfallstraßen, Einheiten der Bereitschaftspolizei marschierten auf. "Wir sind empört. Wir haben uns mit den Nachbarn versammelt, um zu protestieren und um unseren neuen Präsidenten Salvador Nasralla zu unterstützen", sagte ein Mann im Viertel El Reparto. (APA, 1.12.20179

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