Julya Rabinowich: Das große Fürchten um den Nikolo

1. Dezember 2017, 16:55
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Das Horrorszenario ist in dieser Hartnäckigkeit und trotz jährlicher Widerlegung des Dramas quasi auch schon Kulturgut

Alle Jahre wieder kommt dasselbe Horrorszenario und drei Wochen danach das Christuskind.

Das Horrorszenario ist in dieser Hartnäckigkeit und trotz jährlicher Widerlegung des Dramas quasi auch schon Kulturgut. Vielleicht kein europäisches, aber demnächst ein österreichisches. Vielleicht wird es ja in den neuen Wertekanon aufgenommen, über dem schon einige erlauchte Köpfe rauchen: das Nikolofest, das ganz verlässlich jedes Jahr von diversen Medien und Facebookseiten von FPÖ-Funktionären für tot erklärt wird, aka für verboten.

Die Schuld an dieser Misere trägt, wie so oft, der böse Ausländer, der sich den alten Mann mit Rauschebart und Geschenksack verbieten und damit allen anderen Inländern vermiesen will.

Jahr für Jahr folgt auf dem Fuße die Entwarnung, Nikolo ist nicht tot, er ist nicht mal ernstlich erkrankt und im Unterschied zu Romeo auch nicht zu einem tragischen Ende unterwegs. Besonders skurrile Blüten treibt das große Fürchten im weltweiten Netz. Da wettert ein BZÖ-Übriggebliebener, dass er sich das Weihnachtsfest nicht verbieten lasse, er feiere Weihnachten und kein "Winterfest"! Unter winterfest habe ich bis jetzt eher die Beschreibung jener Kleidung verstanden, die man um den 24. 12. herum besser anziehen sollte, um nicht zu erkranken, was also vor Fieber und anderer Verwirrung durchaus schützen sollte.

Aber nun muss ich gestehen: Durch den lautstarken Herrn fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Ich werde ab sofort darum kämpfen, jene uralten Rituale und Fruchtbarkeitsriten wiederherzustellen, die man mir bei unterschiedlichen Gelegenheiten all die Jahre unter dem Begriff "Sommerfest" vorzuenthalten versuchte. (Julya Rabinowich, 1.12.2017)

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