Lustenauer Initiative: Bürger sollen über Ikea-Ansiedlung abstimmen

1. Dezember 2017, 16:01
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In Lustenau formiert sich eine Bürgerinitiative gegen das Möbelhaus. Sie befürchtet ein Verkehrschaos und will eine Volksabstimmung

Lustenau – Die geplante Ansiedlung von Ikea in Lustenau in Vorarlberg stößt auf Widerstand. Am Freitagnachmittag forderte die Bürgerinitiative "Lebenswertes Lustenau" eine Volksabstimmung über die Errichtung des Möbelhauses. Hauptargument ist die Sorge, Ikea könnte das für viele Anrainerinnen und Anrainer bereits jetzt unerträgliche Verkehrsaufkommen in der Gemeinde an der Schweizer Grenze weiter erhöhen. Durch Ikea würden täglich 4.500 zusätzliche Autofahrten verursacht, hat die Landesraumplanung errechnet.

Internist Simon Zünd, Mitbegründer der Bürgerinitiative, verweist auf die schlechte Luftqualität in Lustenau, die Stickstoffdioxidwerte würden regelmäßig überschritten. "Mein Alltag als Mediziner zeigt eine Vielzahl an Menschen, die bereits jetzt unter dem Verkehr leiden", sagt Zünd. "Aus medizinischer Sicht kann ich einer Ansiedlung eines Betriebs mit extremem zusätzlichem Verkehrsaufkommen wie Ikea nicht zustimmen."

Ikea rückt näher

Der schwedische Abholmarkt möchte sich im Lustenauer Gewerbegebiet Millennium-Park niederlassen. Es wäre nach langer Standortsuche die erste Ikea-Niederlassung in Vorarlberg. Ikea will dort 10.000 Quadratmeter Verkaufsfläche schaffen. Die Gemeindevertretung hat bereits grünes Licht für den Verkauf eines Gemeindegrundstücks gegeben.

Ob sich Ikea tatsächlich ansiedeln wird, steht noch nicht fest. Bisher sind Vorarlberger Ikea-Fans nach Ulm (Deutschland), St. Gallen (Schweiz) oder Innsbruck ausgewichen. Mit dem Bau eines Ikea-Markts im süddeutschen Memmingen, eine knappe Stunde Autofahrt von Lustenau entfernt, rückt der Elch näher. Zudem richtete das Unternehmen am Güterbahnhof Wolfurt im Bezirk Bregenz eine Abholstelle für Ikea-Waren ein.

Breite Gegnerschaft

"Lebenswertes Lustenau" will die Bürger entscheiden lassen, ob sie Ikea in der Gemeinde haben wollen, und stellt einen entsprechenden Antrag. "Wir wollen eine demokratische Abstimmung darüber, ob ein Großkonzern mit enormem Verkehrsaufkommen in Lustenau angesiedelt werden soll. Wir fordern eine Volksabstimmung über die Ansiedlung des zusätzlichen Verkehrserregers im Millennium-Park", sagt Melly Grabher, die sich aus Sorge um ihre neun Enkel der Initiative angeschlossen hat. 1.800 Unterschriften sind für eine Volksabstimmung nötig.

Gegen Ikea sprechen sich auch Naturschutzanwältin Katharina Lins, Landwirtschaftskammerpräsident Josef Moosbrugger (VP) und die Grünen aus. Der Raumplanungsbeirat des Landes stimmte mit elf zu zehn Stimmen für das Projekt. (Jutta Berger, 1.12.2017)

  • Die Bürgerinitiative "Lebenswertes Lustenau" warnt vor einem trojanischen Elch.
    foto: lebenswertes lustenau

    Die Bürgerinitiative "Lebenswertes Lustenau" warnt vor einem trojanischen Elch.

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