13. Dezember: Geschichte einer Fernbeziehung mit Aliens

    Ansichtssache12. Dezember 2017, 18:18
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    Der Physiker und Komiker Ben Miller beschreibt die Suche nach intelligentem Leben im All

    Wissen statt Schokolade: Die Wissenschaftsredaktion empfiehlt von 1. bis 24. Dezember täglich ein neues Buch aus dem Bereich Wissenschaft, das Sie sich oder Ihren Lieben gut und gern unter den Christbaum legen oder auch einfach so schenken können. Schlimme Kinder, die wir sind, öffnen wir das Türchen immer schon am Vorabend. Wenn Sie zu den Rezensionen etwas posten wollen, schreiben Sie bitte Titel oder Autor des besprochenen Buchs in die Titelzeile, damit die Zuordnung klar ist. Und wenn Sie selbst Buchneuerscheinungen empfehlen wollen, freuen wir uns darüber!

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    foto: penguin verlag

    Geschichte einer Fernbeziehung mit Aliens

    Der Physiker und Komiker Ben Miller beschreibt die Suche nach intelligentem Leben im All – und macht dabei einen Streifzug durch die Sternstunden der Wissenschaft

    Als "Kicherfaktor" bezeichnet Ben Miller das Unbehagen, das viele Menschen erfasst, wenn es darum geht, über die Suche nach außerirdischer Intelligenz zu sprechen. Zu sehr haben angebliche Ufo-Sichtungen und dystopische Science-Fiction-Filme die Suche nach Aliens in ein pseudowissenschaftliches Schmuddeleck gerückt, wodurch es oft noch immer schwerfällt, das Thema als höchst relevantes Forschungsgebiet zu rechtfertigen. Dass er selbst davon überzeugt ist, dass es sich bei der heutigen Suche nach Leben im All um "eine der unglaublichsten Revolutionen in der Geschichte der Wissenschaft" handelt, räumt Ben Miller ohne Umschweife ein.

    In seinem Buch "Anybody out there? Die faszinierende Suche nach außerirdischem Leben" liefert Miller umfassend fundierte Antworten auf die Fragen, was wir denn nun wirklich wissen über mögliches Leben in den Weiten des Universums, wann es wohl so weit sein könnte, dass wir auf intelligente Lebensformen stoßen, wie wir mit ihnen in Kontakt treten und wie sie aussehen könnten. Weil Ben Miller nicht nur promovierter Physiker ist, sondern auch ein bekannter Komiker und Schauspieler ("Johnny English", "Doctor Who"), gerät das ganze Unterfangen auch ziemlich kurzweilig.

    Radiosignale und Exoplaneten

    In kurzen Kapitelhappen serviert Miller einen Überblick über die Jagd nach Außerirdischen bis heute (inklusive einer Kulturgeschichte der Ufo-Sichtungen). Weil sich das Fremde oft ganz nah befindet, widmet Miller der Entstehung des Lebens auf der Erde einen großen Teil des Buches – schließlich kommen auch auf unserem Planeten Lebewesen mit den unglaublichsten und extremsten Bedingungen zurecht und geben Aufschluss darüber, unter welchen Bedingungen sich auch anderswo lebensfähige Organismen entwickeln könnten.

    Er beschreibt, wie Astronomen seit den 1960er-Jahren versuchen, Radiosignale aus dem All abzufangen und mit immer leistungsstärkeren Teleskopen Exoplaneten auf die Schliche zu kommen. Er rekonstruiert die Entstehung des Universums genauso wie die von Prokaryoten und Eukaryoten. Und er befasst sich mit der Frage, wie man eine Botschaft von Außerirdischen entziffern könnte.

    Rasante Reise durchs Universum

    Man sieht: Es geht rasant dahin. Um den vielen Unbekannten bei der Suche nach außerirdischem Leben auf die Spur zu kommen, trifft Miller Menschen wie die ehemalige Vorsitzende des Wiener UN-Büros für Weltraumfragen, Mazlan Othman, die auf einer Konferenz mehr spaßeshalber als Alien-Ansprechpartnerin der Menschheit gekürt wurde. Er spricht außerdem mit Wissenschaftern wie mit Jill Tarter vom renommierten SETI-Institut (Search for Extraterrestrial Intelligence) im kalifornischen Mountain View, die als Vorbild für die von Jodie Foster gespielte Forscherin im Film "Contact" diente.

    Miller schreckt aber auch nicht vor der Theorie zurück: Grundlegende Konzepte wie die Drake-Gleichung, die Hauptsätze der Thermodynamik und die Boltzmann-Konstante werden so verständlich erklärt, dass sie auch für Laien gut nachvollziehbar sind.

    In diesem mitunter etwas verwirrenden Strudel aus spannenden Anekdoten, Wissenschaftsgeschichte und Forschungssternstunden geraten aber nie die ganz großen existenziellen Fragen außer Acht. Nämlich was ein möglicher Kontakt bewirken würde – und letztlich: Was es bedeutet, Mensch zu sein. Eine Geschichte einer Fernbeziehung der besonderen Art, mit "Kicherfaktor" im absolut positiven Sinn. (Karin Krichmayr, 13.12.2017)

    Ben Miller: "Anybody out there? Die faszinierende Suche nach außerirdischem Leben". € 10,30 / 368 Seiten. Penguin Verlag, München 2017

    Mehr zum Thema finden Sie in unserem neuesten Magazin "Forschung" und hier.

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