Freizeitunfälle: Wenn es mehr als eine Schramme wird

    3. Dezember 2017, 11:00
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    Eine private Unfallversicherung schützt vor Folgekosten von Freizeitunfällen. Aber es gilt auch manches zu bedenken

    Wien – Die Tage werden kürzer, am Wochenende soll die kalte Jahreszeit laut Prognosen auch in tieferen Lagen mit Schneefall vorstellig werden, und der Winterurlaub steht bald vor der Tür. Kurzum, das Unfallrisiko ist hoch – und damit auch jenes, dass einer der 640.000 von insgesamt 850.000 Unfälle pro Jahr geschieht, der in der Freizeit passiert, und nur die Heilbehandlung von der gesetzlichen Unfallversicherung abgedeckt ist. Hier kann eine private Unfallversicherung Lücken schließen.

    "Grundsätzlich beobachten wir, dass der Stellenwert von Unfallversicherungen zugenommen hat", sagt Sonja Steßl, Leiterin des Bereichs Kranken- und Unfallversicherung bei der Wiener Städtischen Versicherung. "Das Risiko hat auch zugenommen, die Leute sind bewegungsfreudiger, und es gibt neue Sportarten, die hip sind." Zudem würde die Nutzung von Smartphones, besonders mit Kopfhörern, im Straßenverkehr die Unfallgefahr auch für Fußgänger erhöhen. Diesbezüglich gilt: Nur der Weg zum oder vom Arbeitsplatz ist durch die gesetzliche Versicherung gedeckt. Und auch dann ersetzt diese den Verdienstausfall etwa bei Dauerinvalidität nicht.

    Teure Hubschraubereinsätze

    Wer sich gegen solche Folgekosten, die auch bis zu einem nötig gewordenen Umbau der Wohnung oder des Hauses reichen können, absichern will, ist aus Steßls Sicht mit einer Unfallversicherung gut beraten. Ebenso wer auch Rückholungen, Bergungen, die speziell bei Hubschraubereinsätzen stark ins Geld gehen, oder manch ärztliche Behandlung samt Therapie finanziell absichern will.

    "Es gibt auch immer mehr Menschen, die allein leben", ergänzt Steßl. "Die wenigsten bedenken, dass es auch Assistenzleistungen nach Unfällen gibt", sagt sie mit Blick auf Heimhilfe oder Essensversorgung. Das gelte auch für Pensionisten, die länger und aktiver leben würden als früher.

    Prämien und Leistung vergleichen

    Arbeiterkammer-Experte Christian Prantner hält private Unfallversicherungen grundsätzlich für sinnvoll – gibt aber zu bedenken: Prämienhöhe und Leistungen unterscheiden sich stark, Konsumenten sollten daher bei jedem Angebot beides in Vergleiche einbeziehen. Versicherungen über Mitgliedschaften in Sportvereinen oder Autofahrerklubs sowie als Zusatz zu Lebensversicherungen oder Kreditkarten bieten laut Prantner oft keinen ausreichenden Schutz, da die Leistungen geringer sowie oft an Bedingungen geknüpft seien. Steßl betont zudem, dass auch bei richtigen Unfallversicherungen Risikosportarten oft einer Zusatzvereinbarung bedürften.

    "Die meisten Probleme gibt es im Leistungsfall", berichtet Konsumentenschützer Prantner aus dem Beratungsalltag. Oft würden Auseinandersetzungen über die Einstufung des Invaliditätsgrades auftauchen. Ebenfalls ein Streitpunkt: Bei Unfällen mit körperlichen Schäden stellt der Sachverständige des Versicherers eine Vorschädigung fest. Der laut Prantner oft unerfreuliche Lösungsweg: "Wenn Versicherer und Versicherungsnehmer nicht zusammenkommen, bleibt nur eine gerichtliche Klärung." (aha, 3.12.2017)

    • Man muss  nicht wie  Marcel Hirscher ein Skirennläufer sein, um beim Sport Verletzungen zu erleiden. Eine Unfallversicherung kann in diesem Fall zumindest  die finanziellen Leiden lindern.
      foto: apa / twitter / marcel hirscher

      Man muss nicht wie Marcel Hirscher ein Skirennläufer sein, um beim Sport Verletzungen zu erleiden. Eine Unfallversicherung kann in diesem Fall zumindest die finanziellen Leiden lindern.

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