Kursfeuerwerk wie zur Dotcom-Blase weckt böse Erinnerungen

    2. Dezember 2017, 13:00
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    US-Technologieaktien sind extrem gut gelaufen. Experten befürchten trotz hoher Bewertung aber keine Neuauflage der Blase des Jahres 2000

    Wien – Mit US-Technologieaktien sind Investoren im bisherigen Jahresverlauf sehr gut gefahren. Ein Blick auf die entsprechenden Aktienindizes zeigt: Der Nasdaq-100-Index, in dem viele Technologietitel enthalten sind, legte seit Jahresbeginn um ein Drittel zu, der marktbreite S&P 500 hingegen liegt "nur" etwas mehr als 16 Prozent im Plus. Allerdings werden immer öfter Befürchtungen geäußert, der Markt könnte sich – ähnlich wie im Jahr 2000 – in einer Blase der Technologieaktien befinden.

    Tatsächlich zeigt ein Blick auf die Bewertungen, dass der Technologiebereich teurer gehandelt wird als andere Branchen: Schließlich hat der Nasdaq-Index in den vergangenen fünf Jahren einen Kursgewinn von 140 Prozent erzielt, während sich der breite Markt mit etwas über 80 Prozent begnügen musste. Die Folge: Für Nasdaq-Titel muss nun im Mittel das 24,5-Fache ihres für 2017 erwarteten Jahresgewinns bezahlt werden, was als Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) bezeichnet wird. Der breite US-Markt wird hingegen auf einem tieferen KGV-Niveau von 19,5 gehandelt. Freilich, verglichen mit dem langjährigen Mittel, das für den S&P weniger als 16 Jahresgewinne beträgt, sind beide Märkte nicht gerade billig – aber noch weit entfernt von dem kollektiven Überschwang der Jahrtausendwende.

    Damals belief sich die Kennzahl auf 25 für den S&P, während man für Nasdaq-Titel im Schnitt den 45-fachen Jahresgewinn hinblättern musste – sofern diese überhaupt Gewinne erzielten. "Die Investoren sind heute viel kritischer als im Jahr 2000", sagt Monika Rosen, Chefanalystin der Unicredit Bank Austria. Es werde derzeit, speziell bei Börsengängen, mehr auf Qualität und profitable Geschäftsmodelle geachtet als zur Jahrtausendwende.

    Stärkstes Gewinnwachstum

    Auch die Experten der Danske Bank haben den Bereich Technologie kritisch beäugt – und können trotz mancher Kritikpunkte ebenfalls keine neuerliche "Dotcom-Blase" am Börsenparkett ausmachen: "Für uns ist klar, dass sich ein solches Szenario nicht wiederholen wird", ist Investmentstratege Lars Skovgaard Andersen überzeugt. Damals hatte der Nasdaq-100 binnen zweieinhalb Jahren mehr als 80 Prozent seines Wertes eingebüßt. Denn diesmal, so seine Argumentation, würden Technologiefirmen im Gegensatz zu damals hohe Erträge und das stärkste Gewinnwachstum am Aktienmarkt aufweisen.

    Ein Haar in der Suppe findet Skovgaard Andersen jedoch in der starken Konzentration auf wenige Aktien, nämlich die Fang-Titel, womit er Facebook, Amazon, Netflix und Google meint. Packt man Apple und Microsoft dazu, dann ist diese Handvoll Werte für fast ein Viertel des Anstiegs des 500 Firmen umfassenden S&P im bisherigen Jahresverlauf verantwortlich. Der Danske-Bank-Stratege weist darauf hin, dass just diese Unternehmen "zu den Titeln mit den absolut höchsten Bewertungen am Aktienmarkt zählen".

    Amazon und Netflix notieren laut Bloomberg derzeit jeweils mit mehr als dem 80-Fachen ihres erwarteten 2017er-Gewinns. "Somit spielt das Einzeltitelrisiko im Technologiesektor eine große Rolle", folgert Skovgaard Andersen. "Wenn eines dieser Unternehmen negative Schlagzeilen macht, kann das eine Schockwelle im gesamten Sektor auslösen."

    Lässt man den Blick über die Wall Street hinaus schweifen, so schwindet aus Sicht des Experten auch die deutliche Überbewertung – notiert doch der globale Aktienindex MSCI World Technology mit einem vergleichsweise moderaten KGV von rund 18. Für Skovgaard Andersen ist das kein Grund zur Beunruhigung, vor allem "wenn man berücksichtigt, dass es der Sektor geschafft hat, über viele Jahre ein hohes Gewinnwachstum aufrechtzuerhalten."

    Andere Sektoren oder Länder

    Unter dem Strich kommen Skovgaard Andersen und Rosen zu ähnlichen Einschätzungen. "Wir fürchten zwar keine Wiederholung der Dotcom-Blase, aber sind davon überzeugt, dass das Rendite-Risiko-Verhältnis in anderen Sektoren derzeit günstiger ist", sagt der Danske-Bank-Stratege. Analystin Rosen legt dies auf Regionen um: "Wir sehen US-Aktien neutral, weil wir glauben, dass es mehr Platz für negative als für positive Überraschungen geben könnte." Die Bewertungen seien an der Wall Street nicht nur bei Technologieaktien, sondern generell stärker ausgereizt als in anderen Regionen. (Alexander Hahn, 2.12.2017)

    • An der Nasdaq sind US-Technologieaktien nicht gerade billig.
      foto: reuters/shannon stapleton

      An der Nasdaq sind US-Technologieaktien nicht gerade billig.

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