Automaten bedrohen ein Viertel der geleisteten Arbeit in Österreich

30. November 2017, 15:38
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Geht es nach McKinsey, werden Volkswirtschaften von der Automatisierung profitieren, die Ungleichheit wird aber steigen

Wien – Autos, die selbstständig fahren, Maschinen, die Röntgenbilder deuten, und Algorithmen, die auf Kundenanfragen antworten – so sieht McKinsey die Welt im Jahr 2030. Davon werden laut einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung Kunden und Unternehmen profitieren, und Produktivität und Wachstum von Volkswirtschaften werden steigen. Allerdings zu einem gewissen Preis: Weltweit werden 15 Prozent aller geleisteten Arbeitsstunden im wahrscheinlichsten Szenario durch Automatisierung obsolet werden.

Dabei fallen die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt von Land zu Land stark unterschiedlich aus: Während McKinsey davon ausgeht, dass in den USA etwa 23 Prozent aller geleisteten Tätigkeiten bis 2030 automatisiert werden, liegt der Wert in Österreich und Deutschland mit 24 Prozent leicht darüber. In Schwellenländern wie China und Indien sollen hingegen 16 beziehungsweise neun Prozent der Arbeitsstunden betroffen sein, in Kenia gar nur gut fünf Prozent. Diesen Unterschied erklärt die Beratungsfirma mit höheren Löhnen in Industriestaaten, was den Anreiz zur Automatisierung erhöhe.

Manche Jobs würden künftig gänzlich durch Maschinen ausgeführt und im Gegenzug andere entstehen, bis zu 14 Prozent aller Arbeitskräfte werden laut der Studie weltweit den Beruf wechseln müssen. Betroffen von der Veränderung werde aber die Mehrheit aller derzeit bestehenden Berufe sein. Insgesamt schätzt McKinsey, dass weltweit in etwas mehr als zwölf Jahren bei 60 Prozent aller Jobs zumindest 30 Prozent der dabei ausgeübten Tätigkeiten automatisiert werden können. "Selbst wenn es genug Arbeit geben sollte, um bis 2030 Vollbeschäftigung zu erzielen, stehen große Veränderungen bevor, deren Ausmaß die historischen Verschiebungen aus der Landwirtschaft und Produktion erreichen oder sogar übertreffen kann", prognostiziert die Beratungsfirma.

Arbeitskräfte weiterentwickeln

Die Herausforderung besteht in diesem Fall für Arbeitskräfte darin, sich entlang immer leistungsfähiger werdenden Maschinen weiterzuentwickeln. Diese Anpassung werde entweder höhere Bildung erfordern oder eine stärkere Fokussierung auf Tätigkeiten, die soziale und emotionale Fähigkeiten benötigen, Kreativität oder andere schwer zu automatisierende Fertigkeiten. Dabei sieht McKinsey auch die Regierungen gefordert: Diese müssten handeln, um die Leute in Arbeit zu halten. Die derzeitigen Modelle von Aus- und Weiterbildung müssten ebenso überdacht werden wie der Zugang der Unternehmen zum Aufbau von Fähigkeiten.

Ebenfalls eine hohe Priorität räumt McKinsey auch einer Unterstützung beim Einkommen für jene Arbeitskräfte ein, denen der Gegenwind der Automatisierung besonders stark ins Gesicht bläst. Denn in den entwickelten Volkswirtschaften wird die Automatisierung für eine zusätzliche Öffnung der Einkommensschere sorgen. Die steigernde Nachfrage nach hochbezahlten Berufen sollte nämlich mit einer Erosion der mittelmäßig bezahlten Arbeitsplätze einhergehen, sprich die Mittelschicht weiter ausdünnen – im Gegensatz zu den Schwellenländern, wo durchschnittlich gut bezahlte Jobs gemäß der Studie sogar zunehmen sollen. (aha, 30.11.2017)

  • Pizzabäcker aufgepasst – auch dieser Beruf ist von Automatisierung betroffen, wie ein Roboter des Forschungsinstituts Artificial Intelligence an der Universität in Bremen zeigt.
    foto: apa/dpa/ingo wagner

    Pizzabäcker aufgepasst – auch dieser Beruf ist von Automatisierung betroffen, wie ein Roboter des Forschungsinstituts Artificial Intelligence an der Universität in Bremen zeigt.

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