Die coolsten Barkeeper Wiens

    Ansichtssache30. November 2017, 15:13
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    Eine Bar ist immer nur so gut wie ihr Gastgeber. Wir haben die coolsten Barkeeper von Wien fotografiert und sie nach unmoralischen Angeboten, Trinkgeld und Lieblingscocktails gefragt

    foto: christian benesch

    Philipp Scheiber (33), Kleinod

    STANDARD: Was ist die nervigste Frage, die man Ihnen als Barkeeper stellen kann?
    Scheiber:
    Nachdem wir in unserer Bar offene Fliegen tragen, fragen Gäste immer wieder, ob wir uns nicht die Fliege binden können. Ich habe mich aber schon daran gewöhnt.

    STANDARD: Wo ist der beste Platz in Ihrer Bar?

    Scheiber: Wenn man neue Menschen kennenlernen will, dann auf jeden Fall neben der Toilette. Früher oder später muss jeder dort vorbei.

    STANDARD: Welches Kleidungsstück liegt Ihnen besonders am Herzen?
    Scheiber: Ich habe eine ziemlich auffällige schwarze Jacke mit weiß eingesticktem Pop-Art-Muster von Kenzo, die ich sehr gern trage.

    Kleinod
    Singerstraße 7
    1010 Wien www.kleinod.wien

    Seidenhemd und Hose sind von Louis Vuitton.

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    foto: christian benesch

    Bert Jachmann (34), Heuer am Karlsplatz

    STANDARD: Was ist die nervigste Frage, die man einem Barkeeper stellen kann?
    Jachmann:
    Was ist eigentlich dein richtiger Beruf?

    STANDARD: Welches Ihrer Kleidungsstücke liegt Ihnen besonders am Herzen?
    Jachmann: Als ich mit 16 Jahren in London war, habe ich ein ziemlich teures Glitzerhemd mit Sonnenblumen gekauft. Das hatte definitiv niemand sonst.

    STANDARD: Haben Sie schon einmal ein unmoralisches Angebot bekommen?
    Jachmann: Nicht nur einmal. Nachdem ich glücklich vergeben bin, ist das kein Thema. Ich bedanke mich aber zumindest höflich.

    Heuer am Karlsplatz
    Treitlstraße 2
    1040 Wien

    Pullover Hermès, Hose Ports 1961, Schuhe Brioni.

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    foto: christian benesch

    Issa Ndiath (48), First Floor

    STANDARD: Was muss ein guter Barkeeper mitbringen?
    Ndiath: Als guter Barkeeper muss man kommunikativ sein und Charme mitbringen. In erster Linie ist man Dienstleister. Da muss man manchmal auf sein Ego verzichten.

    STANDARD: Was tragen Sie privat?
    Ndiath: Ich trage gerne Slim-Fit-Anzüge. Außerdem mag ich die Mode der 1980er-Jahre.

    STANDARD: Gibt es einen Dresscode für Gäste?
    Ndiath: Wer in eine Bar geht, sollte sich elegant kleiden. Das gehört einfach dazu, finde ich.

    First Floor
    Seitenstettengasse 5
    1010 Wien

    Anzug Vivienne Westwood, Hemd Paul Smith, Schuhe Ludwig Reiter.

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    foto: christian benesch

    Falco Torini (26), Miranda Bar

    STANDARD: Welchen Cocktail mixen Sie nicht gern?
    Torini:
    Den Long Island Ice Tea. Ich habe für jeden Drink Verständnis, aber dieses Getränk werde ich einfach nie verstehen.

    STANDARD: Welches Ihrer Kleidungsstücke liegt Ihnen am Herzen?
    Torini:
    Mein weißes Wood-Wood-Hemd ist mein absolutes Lieblingsteil. Leider wurde es vor kurzem mit einem roten Tuch gewaschen. Das war schlimm.

    STANDARD: Bekommt man als Barkeeper unmoralische Angebote?
    Torini: Ja, das passiert natürlich. Irgendetwas passiert mit einem, wenn man hinter einer Bar steht. Man wirkt offensichtlich attraktiver.

    Miranda Bar
    Esterházygasse 12
    1060 Wien

    Mantel Bally, Rollkragenpulli Brioni, Hose Haider Ackermann, Brille Moscot NYC.

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    foto: christian benesch

    Florian Voglmayr (22), Bei Mir

    STANDARD: Welchen Cocktail mixen Sie aktuell am liebsten?
    Voglmayr:
    Einen Vieux Carré. Das ist eine Manhattan-Variation mit Cognac, Rye Whisky, rotem Vermouth, Angosturabitter und Bénédictine.

    STANDARD: Wie würden Sie Ihren Kleidungsstil beschreiben?
    Voglmayr:
    Ich mag es gern casual, aber trotzdem modisch. Wenn ich etwas finden will, das einzigartig ist, gehe ich in den Secondhandladen.

    STANDARD: Wie reagieren Sie auf ein unmoralisches Angebot?
    Voglmayr: Das ist mir noch nie passiert. Wahrscheinlich, weil ich zu jung und unerfahren wirke. Aber wenn jemand mir ein Angebot à la Don Corleone macht, das ich nicht ablehnen kann, muss ich es mir anhören.

    Bei Mir
    Speckbachergasse 47
    1160 Wien

    Barkeeper Florian Voglmayr (links): Blouson Paul Smith, Hemd Dolce & Gabbana, Hose Dries Van Noten, Schuhe Prada. Bei-Mir-Betreiber Matthias Habringer (Mitte): Hemd Dries Van Noten, Rollkragenpulli Marc O'Polo, Hose Isse Miyake, Schuhe Bally. Bei-Mir-Kellnerin Astou Maraszto (rechts): Blazer Dries Van Noten, Kleid Isa Arfen, Schuhe Bally.

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    foto: christian benesch

    Kan Zuo (33), The Sign

    STANDARD: Was macht einen guten Barkeeper aus?
    Zuo:
    Er muss ein Menschenfreund sein. Außerdem muss er Fähigkeiten wie Fleiß, Kreativität, handwerkliches Können, Verständnis für die Produkte und Organisationsfähigkeit mitbringen.

    STANDARD: Welches Kleidungsstück liegt Ihnen besonders am Herzen?
    Zuo: Ich habe mir gerade ein Sakko von Eigensinnig gekauft. Das mag ich sehr gern.

    STANDARD: Was halten Sie von Uniformierung in der Bar?
    Zuo: Als Barkeeper ist man Gastgeber. Daher finde ich es richtig, wenn sich der Barkeeper dem Stil der Bar anpasst. Man kann nicht von den Gästen erwarten, gut gekleidet zu sein, und selbst im T-Shirt hinter der Bar stehen.

    The Sign
    Liechtensteinstraße 104-106
    1090 Wien

    Streifenmantel Salvatore Ferragamo, Hemd Dolce & Gabbana, Hose Emporio Armani, Schuhe Brioni.

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    foto: christian benesch

    Josefin Karl (23), Hammond Bar

    STANDARD: Welchen Cocktail muss man bei Ihnen trinken?
    Karl: Die Herznote. Ein Cocktail mit in Rum eingelegter Ananas, Pommeau de Normandie, Limette und Ylang-Ylang-Öl.

    STANDARD: Was ist die nervigste Frage, die man Ihnen stellen kann?
    Karl: Ob ich nach der Arbeit schon etwas vorhabe. Das kommt leider sehr häufig vor.

    STANDARD: Was halten Sie von Uniformierungen in der Bar?
    Karl: Prinzipiell bin ich ein Fan von Uniformierungen, wenn sie zur Bar passen. In der letzten Bar, in der ich gearbeitet habe, musste ich Hotpants und Overknees tragen.

    Hammond Bar
    Taborstraße 33
    1020 Wien

    Bustiertop und Rock Prada, Blazer Dries Van Noten, Rollkragenpulli Marc O'Polo, Schuhe Superga.

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    foto: christian benesch

    Stefan Bauer (26), The Bank

    STANDARD: Was war der ungewöhnlichste Drink, den Sie einmal gemixt haben?
    Bauer:
    Ein Gast wollte mich einmal herausfordern und hat mir Vermouth und Fleisch als Vorgabe gegeben. Ich habe einen Drink mit Speck, Vermouth, Verjus und Rosmarin-Sirup gemixt. Es hat ganz okay geschmeckt.

    STANDARD: Wie bedanken Sie sich für schlechtes oder gar kein Trinkgeld?
    Bauer: Ich bedanke mich höflich und verabschiede mich. Es obliegt immer dem Gast, ob und wie viel Trinkgeld er einem gibt. Ich setze es aber nicht voraus.

    STANDARD: Was tragen Sie privat?
    Bauer: In meiner Freizeit trage ich lieber Hoodie und Basecap. Und ab und zu natürlich meine Lederhose.

    The Bank
    Bognergasse 4
    1010 Wien

    Hose und Blouson von Marni.

    Über das Shooting:
    Fotos: Christian Benesch
    Styling: Simon Winkelmüller
    Interviews: Alex Stranig
    Make-up: Sabine Reiter & Lydia Bredl
    Fotoassistenz: Elisabeth Müller & Oliver Horvath
    Bezugsquellen: Isa Arfen über Mytheresa.com und Haider Ackermann über Park, Mondscheingasse 20, 1070 Wien

    (RONDO, 30.11.2017)

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