Vom Wunsch, Lektionen zu lernen

    29. November 2017, 17:14
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    Österreichs Sport will aus den Erfahrungen von Nicola Werdenigg die richtigen Schlüsse ziehen und sinnt über bessere Strukturen für den Kampf gegen sexuelle Übergriffe nach

    Wien – Als Erstes fiel der Volleyballverband positiv auf, erzählt Christa Prets. "Sie haben den Fall zum Anlass genommen, um positiv zu arbeiten, und schulen die Trainer intensiv", sagt die Vorsitzende von 100 Prozent Sport.

    Der Anlassfall war Nicola Werdeniggs Sportmonolog im STANDARD bzw. der dadurch enthüllte Missbrauchsskandal. 100 Prozent Sport arbeitet seit Jahren an der Verhinderung sexualisierter Gewalt gegen Mädchen im Sport, am Mittwoch forderte eine Runde um Prets und Bundes-Sportorganisations-Präsident Rudolf Hundstorfer konkrete Maßnahmen. Die da wären:

    • Sensibilisierung Es gibt in der Trainergrundausbildung bereits ein Modul, das Gender und sexuelle Übergriffe thematisiert. "Das muss weiterführend sein. Wir müssen Trainer und Sportler gemeinsam mit diesem Thema beschäftigen, sie müssen diskutieren, was für sie erträglich ist und was nicht", sagt Prets.
    • Vertrauenspersonen Betroffene brauchen laut Studien im Schnitt sieben Anläufe, um an die Öffentlichkeit zu gehen. "Wenn etwas passiert, müssen wir das früher wissen", sagt Hundstorfer. Deshalb werden die sogenannten Vertrauenspersonen von rund 30 auf 100 aufgestockt. "Von außen kommende Leute haben es oft leichter, von Betroffenen etwas zu erfahren als die Eltern", sagt Hundstorfer dem STANDARD.
    • Größere Vorsicht Hundstorfer fordert, dass sämtliche Trainer in Zukunft einen Strafregisterauszug vorlegen und einen Ehrenkodex unterzeichnen müssen.
    • Kooperation und Koordination Die BSO will noch vor Weihnachten diverse Hotlines und Anlaufstellen an einem runden Tisch zusammenbringen, um eine abgestimmte Vorgangsweise zu diskutieren. Hundstorfer: "Wir wollen eine anonymisierte Plattform bieten. Es geht darum: Wie können wir über diese Hotlines den Betroffenen helfen?" Weiters wird die Kooperation mit Organisationen wie dem Kinderschutzzentrum Die Möwe verstärkt.

    Bei der Umsetzung dieser Maßnahmen kommt 100 Prozent Sport interessierten Verbänden und Vereinen zu Hilfe – Stichwort Volleyballverband. Intensiv dürfte die Kooperation ab sofort in Tirol werden: Die Dachorganisation der dortigen Fachverbände Ti Sport gab am Mittwoch bekannt, eine "Präventions- und Bewusstseinsoffensive" bezüglich sexueller Übergriffe im Sport zu starten.

    Die Aufarbeitung des Skandals läuft derweil, Werdenigg ist am 5. Dezember zu einer Einvernahme in Tirol geladen. (Martin Schauhuber, 29.11.2017)

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