Keine Entspannung an Zapfsäulen in Sicht

30. November 2017, 08:00
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Sprit ist gegenüber dem Vorjahr teurer geworden. Russland und die Opec werden die Kürzung der Rohölförderung wohl bis Ende 2018 beibehalten

Wien – Sprit war schon einmal billiger. Anfang 2016 konnte man einen Liter Diesel an Österreichs Tankstellen um weniger als einen Euro haben, Benzin kostete kaum mehr. Seit Beginn dieses Jahres, als die von der Opec mit zehn anderen Staaten außerhalb des Ölkartells vereinbarte Kürzung der Ölproduktion um 1,8 Millionen Fass am Tag (je 159 Liter) in Kraft trat, ist mit dem Öl- auch der Spritpreis nach oben gegangen.

Für einen Liter Eurosuper sind nach der jüngsten Erhebung des ÖAMTC nun durchschnittlich 1,198 Euro je Liter zu zahlen, Diesel kostet im Mittel 1,135 Euro. Dass die Preise nicht noch stärker angezogen haben, liegt am Euro: Der hat sich im Verhältnis zum Dollar, der Leitwährung im internationalen Ölhandel, deutlich verteuert. So konnte ein Gutteil des Aufwärtsdralls, der beim Rohölpreis zuletzt zu beobachten war (siehe Grafik), abgefangen werden.

Ölkartell hält sich an Beschlüsse

Mit einer deutlichen Entspannung bei den Spritpreisen ist aber selbst bei einem weiteren Erstarken der europäischen Einheitswährung und trotz potenziell großen Ölangebots so rasch nicht zu rechnen. Das liegt daran, dass sich die inzwischen auf 14 Mitglieder angewachsene Organisation erdölexportierender Länder (Opec) untypischerweise an Beschlüsse hält.

"Die mit Russland und anderen Nicht-Opec-Ländern vereinbarte Förderkürzung wird großteils eingehalten", sagte Davis Wech, Chef der unabhängigen Ölanalysefirma JBC Energy, dem STANDARD. Die Opec allein hat seit nunmehr elf Monaten die Ölförderung um 1,2 Millionen Fass auf 32,5 Millionen am Tag gedrosselt. 600.000 Fass halten die restlichen Allianzpartner zurück, die Hälfte davon Russland. Die meisten Ölmarktexperten inklusive Wech gehen davon aus, dass die Ölminister der Opec bei ihrer Konferenz heute, Donnerstag, in Wien die Vereinbarung mit Russland und anderen Ölproduzenten bis Ende 2018 verlängern. Einmal wurde die Vereinbarung bereits prolongiert, und zwar bei der Konferenz der Ölminister im Juni. Laut diesem Beschluss sollte die Förderbremse Ende März nächsten Jahres wieder gelockert werden.

Evaluierung der Beschlüsse möglich

Dass die Opec die Entscheidung über die weitere Marschrichtung auf Februar vertage, sei "eher unwahrscheinlich", sagte Wech. Dass die Politik des knappen Öls bis Ende 2018 prolongiert und im Juni beim nächsten regulären Meeting der Opec evaluiert werde, sei hingegen durchaus möglich.

Laut Wech gibt es ein "gewisses Risiko", dass die Opec über das Ziel schießt und den Ölmarkt zu stark verknappt. Das würde die Ölpreise weiter nach oben treiben mit der Folge, dass US-Schieferölproduzenten in noch viel größerem Ausmaß als schon bisher auf den Markt zurückkehren.

Zahl der aktiven Bohrtürme in USA gestiegen

Die Zahl der aktiven Bohrtürme ist in den USA von rund 400 Mitte 2016 auf über 900 gestiegen. Das ist zwar noch immer deutlich weniger als im ersten Quartal 2014, als gut 1900 Bohrtürme in Betrieb waren; allerdings haben sich auch die Kosten der Produktion von Schieferöl, das mithilfe eines Gemischs aus Sand, Wasser und Chemikalien aus tief gelegenen Gesteinsschichten gesprengt wird (Fracking), stark vermindert. Die Internationale Energieagentur in Paris geht davon aus, dass die USA zur führenden Ölnation werden. (Günther Strobl, 30.11.2017)

  • Die Opec-Zentrale in Wien: Die Ölminister beraten unter anderem mit Russland, ob sie die vergangenes Jahr vereinbarte Förderkürzung über März nächsten Jahres hinaus verlängern.
    foto: reuters/föger

    Die Opec-Zentrale in Wien: Die Ölminister beraten unter anderem mit Russland, ob sie die vergangenes Jahr vereinbarte Förderkürzung über März nächsten Jahres hinaus verlängern.

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