Einstieg ins Smart Home: Ikeas Tradfri-Lampen im Test

    12. Dezember 2017, 17:47
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    Leuchtmittel, die per Fernbedienung, aber auch über Apples Siri und über Amazon-Echo-Lautsprecher gesteuert werden können

    Nun mischt auch das schwedische Möbelhaus beim Smart-Home-Trend mit. Die Serie Ikea-Tradfri gibt es bereits seit einigen Monaten, in Österreich ist sie seit November verfügbar. Das Unternehmen hat damit nicht nur einzelne Leuchtmittel mit Fernbedienung entwickelt, sondern ein Konzept geschaffen, wie man sämtliche Lampen in einer Wohnung oder einem Haus einbinden kann. Auch für Nutzer, die keine Lust haben, sich lange mit der Technik auseinanderzusetzen. Das Angebot ist allerdings noch ausbaufähig.

    Noch nicht alle Produkte in Österreich erhältlich

    Nach einem verzögerten Start in Österreich sind nun auch hier die ersten Tradfri-Produkte erhältlich, wenngleich das Sortiment noch nicht vollständig ist. Zur Verfügung stehen derzeit verschiedene LED-Lampen (E14, E27 und GU10), ein kabelloser Dimmer, eine Fernbedienung, ein Bewegungsmelder und ein Gateway. Die etwa auch in Deutschland schon erhältlichen Licht-Panels gibt es in Österreich noch nicht. Bei den Lampen gibt es Modelle nur mit Weißspektrum oder auch Farben.

    Leider ist das Sortiment auf der Website etwas unübersichtlich – auf den ersten Blick weiß man nicht genau, was man überhaupt benötigt. Eine kurze Anleitung für Einsteiger: Will man lediglich die Lichthelligkeit ändern, reichen eine oder mehrere Lampen und ein kabelloser Dimmer. Will man die Helligkeit regulieren und die Lichtstimmung bzw. Farbe ändern, benötigt man die Fernbedienung. Soll eine Lampe über Bewegungen gesteuert werden, braucht man den Bewegungssensor. Alle drei Geräte können einzeln verwendet werden und bis zu zehn Lampen ansteuern. Will man die Steuerung über das Smartphone erledigen und verschiedene Leuchtgruppen erstellen, braucht man zusätzlich zu zumindest einem Eingabegerät (z. B. einem Dimmer) auch das Gateway.

    foto: standard/riegler
    Um die smarten Lampen steuern zu können, benötigt man eines der Steuergeräte. Auch wenn ein Gateway zum Einsatz kommt.
    foto: standard/riegler
    Ikea bietet verschiedene Leuchtmittel für das Tradfri-System an. Noch nicht in Österreich erhältlich sind Lichtpaneele.

    Einfache Einrichtung

    Die Einrichtung ist einfach und in typischer Ikea-Manier gehalten. Weil aber hier anders als bei den Möbeln ausschließlich Zeichnungen nicht ausreichen, findet man zusätzlich bei jedem Produkt eine kurze schriftliche Beschreibung. Zunächst muss man Lampen und Steuergeräte koppeln. Werden sie in Sets verkauft, sind sie bereits miteinander verbunden. Das manuelle Koppeln ist einfach und in wenigen Minuten erledigt, sodass auch Laien damit zurechtkommen. Die Zuordnung von Dimmer, Fernbedienung oder Bewegungssensor funktioniert, indem das Gerät wenige Zentimeter vor die Lampe gehalten und die Koppelungstaste für etwa zehn Sekunden gehalten wird. Die Taste befindet sich jeweils auf der Rückseite oder unter einer Abdeckung. Bei erfolgreichem Verbindungsaufbau leuchtet eine rote LED auf dem Gerät bzw. flackert die Lampe kurz auf. Aus Sicherheitsmaßnahmen funktioniert die Koppelung nur bis zu einer Entfernung von maximal fünf Zentimetern.

    Die Produkte verwenden das Zigbee-Light-Link-Protokoll und sind mit anderen Zigbee-Geräten kompatibel. Die Leuchtmittel können in allen Lampen verwendet werden, sofern diese nicht über einen fixverbauten Dimmer verfügen.

    Bewegungsmelder

    Der Bewegungsmelder bietet verschiedene Modi. So lässt sich einstellen, ob sich die Beleuchtung eine, fünf oder zehn Minuten nach der letzten registrierten Bewegung abschaltet. Außerdem kann man festlegen, ob die Lampen nur bei Dunkelheit eingeschaltet werden sollen oder auch bei Tageslicht. Das stellt man über zwei Schalter auf der Rückseite des Geräts ein. Dazu muss die Abdeckung abgenommen werden, die gleichzeitig auch als Halterung für Möbel (per Klebestreifen) oder Wand (mittels Nägeln) dient.

    Der Sensor registriert Bewegungen bis zu einer Entfernung von fünf Metern und einem Winkel von 120 Grad. Ein einfaches Kopfnicken reicht nicht aus, winkt man mit dem Arm schaltet sich das Licht jedoch ein. Die Platzierung des Sensors sollte man gut überlegen, vor allem wenn man Haustiere hat und die nicht ständig in der Nacht beim Herumstreifen das Licht einschalten sollen.

    foto: standard/riegler
    Auf der Rückseite des Bewegungsmelders befinden sich Schalter zum Einstellen verschiedener Modi.

    Dimmer

    Der Dimmer besteht aus zwei magnetisch miteinander verbundenen Teilen – einer Plastikhalterung und einem Teil mit der Elektronik, der als Regler dient. Das Gerät kann ebenfalls fix an der Wand montiert werden, hält aber auch magnetisch, beispielsweise auf einem Lampenschirm aus Metall. Die Änderung der Helligkeit erfolgt stufenlos durch langsames Drehen des oberen Teils. Nach links gedreht wird die Lampe dunkler, nach rechts heller. Bewegt man den Dimmer schnell, schaltet sich die Lampe entweder aus oder auf 100 Prozent Helligkeit. Am Anfang erfordert es allerdings etwas Fingerspitzengefühl, bis man heraushat, wie schnell man drehen muss.

    Der Dimmer hat eine Reichweite von bis zu zehn Metern. Im Test funktionierte er auch durch eine geschlossene Tür hindurch. Etwas unpraktisch ist, dass der obere Teil des Dimmers rasch von Haustieren oder kleinen Kindern "entführt" werden kann, da er nicht fix mit der Halterung verbunden ist.

    foto: standard/riegler
    Der Dimmer hält magnetisch auf Lampen aus Metall.

    Fernbedienung

    Auch über die Fernbedienung lassen sich die Lampen dimmen – hier allerdings über Tasten, sowohl stufenlos als auch in einzelnen Schritten. Zudem können Nutzer den Weißbereich und die Farben ändern – je nachdem was die jeweilige Lampe ermöglicht. Das Aus- und Einschalten funktioniert nicht wie beim Dimmer durch Drehen, sondern über eine große Taste. Die Bedienung ist dank der klaren Symbole auf der Fernbedienung intuitiv. Wie beim Dimmer beträgt auch hier die Reichweite zehn Meter. Für das Gerät gibt es eine Halterung, die mittels Klebestreifen oder Nägeln montiert werden kann. Die Fernbedienung hält darauf magnetisch.

    foto: standard/riegler
    Klare Symbole auf der Fernbedienung machen die Steuerung einfach.

    Gateway

    Die ganze Sache ein Level höher bringt das Gateway. Es ermöglicht die Steuerung komplett über das Smartphone. Und hier nicht nur über die eigene Ikea-App, die für iOS und Android erhältlich ist, sondern auch mittels Apples Homekit und Amazons Alexa. Mit dem Smartphone wird das Gateway über WLAN verbunden. Da das Gerät jedoch nicht selbst über WLAN verfügt, muss man es über ein Ethernetkabel an den Router und zusätzlich an eine Steckdose zur Stromversorgung anschließen. Die Kabel können um das Gerät gewickelt und mit einer Abdeckung verdeckt werden, allerdings muss man darauf achten, dass der Router in der Nähe einer freien Steckdose steht – denn allzu lang sind die mitgelieferten Kabel nicht.

    Für das Einrichten reicht der Beipackzettel von Ikea nicht mehr aus, man muss sich mit der App durch die Installation führen lassen. Das funktioniert zwar Schritt für Schritt auch recht einfach, technisch komplett untalentierte Nutzer könnten aber dennoch Hilfe benötigen. Zur Einrichtung muss man alle vorhandenen Steuergeräte – Dimmer, Fernbedienung und Bewegungsmelder – einzeln mit dem Gateway verbinden. Im Test hat das bei allen drei Geräten auf Anhieb funktioniert. Da alles einzeln und Schritt für Schritt gemacht werden muss, benötigt man etwas Zeit dafür. Eine Lampe allein kann nicht mit dem Gateway verbunden werden.

    Über die App können nicht nur Helligkeit und Farbe der Lampen geändert werden. Nutzer können auch einen Timer setzen, wann das Licht ein- und ausgeschaltet werden soll. Verschiedene Weißtöne lassen sich Stimmungen zuordnen, sodass man quasi auf Kopfdruck (auf dem Smartphone-Display) die bevorzugte Einstellung fürs Arbeiten oder Fernsehen auswählen kann. Neue Geräte lassen sich einfach hinzufügen und gruppieren. So können beispielsweise alle Deckenlampen im Wohnzimmer mit einer Gruppe gesteuert werden, während die Stehlampen einer anderen Gruppe zugeordnet sind.

    foto: standard/riegler
    Das Gateway muss an den Strom und mittels Ethernetkabel an den WLAN-Router angeschlossen werden.

    Sprachsteuerung

    Außerdem ist das Gateway mit Apples Homekit und Amazons Alexa kompatibel – Googles Home Assistant soll zu einem späteren Zeitpunkt unterstützt werden. Dazu muss man die jeweiligen Apps auf dem Smartphone oder Tablet öffnen und mit dem Gateway verbinden. Im Test funktionierte das mit der Home-App auf einem iPhone problemlos. Die Home-App kann dann ebenfalls die Steuerung der Lampen übernehmen – so kann man sie ein- und ausschalten, dimmen und die Farbstimmung ändern. Ob man nun die Ikea- oder die Apple-App bevorzugt, ist Geschmackssache.

    Verbunden mit Homekit, lassen sich die Lampen allerdings auch über Siri steuern – etwa indem man "schalte das Licht ein" sagt. Ist die Funktion "Hey Siri" und die Sprachassistentin auch im Sperrzustand aktiv, muss man das Smartphone nicht einmal zur Hand nehmen, um die Lampe zu bedienen. Bei Alexa ist die Steuerung auch über smarte Lautsprecher wie Amazon Echo möglich – dazu muss der entsprechende Skill aktiviert werden.

    Fazit

    Ikea macht den Start eines Smart Homes einfach und leicht erweiterbar. Einsteiger können mit einer Lampe und einem Dimmer um rund 20 Euro beginnen und ihr System dann laufend um neue Komponenten – alle sind auch einzeln erhältlich – erweitern. Das Set mit Gateway, zwei Lampen und einer Fernbedienung kommt auf 90 Euro. Durch die leicht verständlichen Anleitungen und die intuitive Bedienung kann man so rasch eine smarte Beleuchtung installieren, auch wenn man sich bisher nicht damit auseinandergesetzt hat.

    Damit man sich unnötige Wege ins Möbelhaus erspart, sollte man sich davor überlegen: Was will ich, und was benötige ich dafür? Denn zur Anbindung an einen Amazon Echo etwa ist nicht nur eine Lampe und ein Gateway nötig, sondern auch ein Eingabegerät. Das könnte Ikea noch klarer kommunizieren. (Birgit Riegler, 12.12.2017)

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