Black Friday und Co versetzen Österreicher in Kaufrausch

29. November 2017, 14:37
68 Postings

Der Onlinehändler Unito erwartet einen Weihnachtsgeschäft- und Packerlrekord. Gekauft wird Hochpreisiges – und Unterhosen

Wien – "Jammern ist der Gruß der Kaufleute." Heuer gibt es dafür keinen Grund, sagt Harald Gutschi. Ganz im Gegenteil, so der Chef der Versandhandelsgruppe Unito – mit Otto, Universal und Quelle einer der größten heimischen Online-Player. Erstmals seit den 24 Jahren, die er im Geschäft sei, sei der Handel durch und durch positiv gestimmt, so der Manager. Und das sowohl im stationären Handel als auch im Online-Geschäft.

Kauflaune

Die Österreicher sind in Kauflaune, und das in einem Ausmaß wie schon lange nicht mehr. Niedrige Zinsen, gestiegene Löhne und Gehälter, Wirtschaftswachstum und Nachholbedarf nennt Gutschi als Gründe. Gestützt wird die Annahme, dass das Weihnachtsgeschäft davon profitieren werde, von einer Einschätzung des Wirtschaftsforschungsinstituts Wifo, wonach der Einzelhandel im Dezember um 1,29 Milliarden Euro mehr Umsatz machen soll als in einem normalen Monat – das wäre immerhin eine Steigerung um vier Prozent gegenüber dem Weihnachtshandel des Vorjahres.

Nicht eingerechnet sind hier die Online-Umsätze, die ins Ausland zu Amazon und Co abfließen. Mit hochgerechneten 3,5 Milliarden Euro im Jahr kein geringer Anteil, wie Rainer Will, Geschäftsführer des heimischen Handelsverbands, erklärt. Die Wifo-Experten begründen ihren optimistischen Ausblick mit dem bisherigen Jahresverlauf. Laut Berechnungen der Statistik Austria haben die Umsätze im Einzelhandel in den ersten drei Quartalen um 2,8 Prozent zugelegt, das entspricht einem realen Zuwachs um ein Prozent.

Hohe Erwartungen

Unito schraubt seinen Erwartungen für das Weihnachtsplus im Vergleich zum Vorjahr noch nach oben – von 30 Prozent auf 40 Prozent. Im Gesamtjahrgeschäftsjahr 2017/2018 (bis Ende Februar 2018) wird Unito gemäß eigenen Erwartungen erstmals die magische Umsatzgrenze von 400 Millionen Euro durchbrechen. Gutschi geht vom besten Weihnachtsgeschäft aller Zeiten aus. "Das wächst dramatisch stark." Eingeläutet wurde es mit den vielbesprochenen inszenierten Kaufevents Black Friday und Cybermonday, davor erwies sich bereits der sogenannte "Single Day" am 11. November als Kassenschlager.

"Es ist ein Kaufrausch, und es ist unglaublich." Allein der Black Friday spülte bei Unito 9,3 Millionen Euro in die Kassen, ein Plus von 115 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dass nur die großen Online-Player von Events wie diesen profitieren glaubt Gutschi nicht. "Solche Events werden immer wichtiger, kleinere Anbieter sollten sich das zunutze machen." Unito will heuer etwa noch den 11. Dezember als Green Monday inszenieren. "Heute kennt ihn keiner, in einigen Jahren wird das anders sein."

Hochpreisiges und Unterhosen

Was die Bestseller betrifft, so liegt durchwegs Hochpreisiges an der Spitze: Die Spielekonsole Nintendo Switch, gefolgt von teuren Produkten wie Dyson-Staubsaugern oder De-Longhi-Kaffeevollautomaten, einem Fitnessgerät namens Vibroshaper – und Männerunterhosen der etwas elaborierteren Form: Puma Boxer 3er. Was Gutschi diesem Ranking entnimmt: "Es hat sich aufgehört, dass Männer Haushaltsartikel schenken – aber Frauen schenken Männern immer noch Unterhosen." Dyson-Staubsauger verortet er eher unter den Lifestyle-Produkten. Solche stehen neben Textilien grundsätzlich auch auf der Einkaufsliste der Konsumenten – wobei bei Textilien eher zur hochpreisigen Markenware gegriffen wird und günstige Eigenmarken eher zu den Ladenhütern zählen.

Was die heimischen Anbieter im Online-Geschäft betrifft, so sind sich Handelsverband-Mann Will und Unito-Chef Gutschi einig: Österreicher kaufen auch bei österreichischen Anbietern ein. "Wenn das Angebot stimmt, gibt das ein Plus. Aber mehr bezahlt wird dafür nicht." Die Kehrseite des blühenden Online-Geschäfts: Die Zahl der Pakete, die von den Dienstleistern ausgeliefert werden wollen, wächst. "Heuer vielleicht sogar auf 200 Millionen. Im Vorjahr waren es noch 182 Millionen", sagt Gutschi. Dass damit auch steigendes Verkehrsaufkommen verbunden ist, liegt auf der Hand. (Regina Bruckner, 29.11.2017)

  • Immer mehr "Shoppingfeiertage" – in Amerika erfunden – werden offenbar auch hierzulande gerne angenommen.
    foto: apa/afp/daniel leal-olivas

    Immer mehr "Shoppingfeiertage" – in Amerika erfunden – werden offenbar auch hierzulande gerne angenommen.

Share if you care.