Von null auf 91.000 Frösche pro Hektar

    29. November 2017, 13:39
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    Die kleinen Coquis kamen erst in den 1980er Jahren nach Hawaii und haben sich seitdem explosionsartig vermehrt

    foto: r. choi
    Dieser unauffällige kleine Frosch steht auf der Liste der weltweit schlimmsten Bioinvasoren unter den Top 100.

    Honolulu – Der Coqui (Eleutherodactylus coqui) ist in seiner Heimat Puerto Rico der meistverbreitete Frosch: Dort findet man pro Hektar an die 20.000 Exemplare der nur drei Zentimeter langen, braungefärbten Frösche, die ihrem kleinen Körper bemerkenswert laute Rufe entlocken können. Das ist aber noch gar nichts gegen die Populationsdichten, die sie auf anderen Inseln erreichen können, auf denen sie vom Menschen unbeabsichtigt eingeschleppt wurden. In manchen Regionen Hawaiis können es bis zu 91.000 Frösche pro Hektar sein, berichtet die American Ornothological Society.

    Ein Team der Utah State University ist der Frage nachgegangen, wie sich der invasive Frosch auf die einheimische Fauna Hawaiis auswirkt. Diese war ursprünglich ähnlich wie diejenige Neuseelands von Vögeln geprägt. Nach der Ankunft der ersten Menschen und ihrer tierischen Begleiter kam es allerdings zu einem Massensterben, das bis heute anhält: Dutzende einheimische Vogelarten sind in den vergangenen kaum 1.000 Jahren verschwunden, ein Großteil der verbliebenen gilt als vom Aussterben bedroht.

    Der nächste Invasor

    Auch der Coqui könnte sich verheerend auswirken. Der kleine Frosch, der keine Schwimmhäute zwischen den Zehen hat und nicht schwimmen kann, hat nur gut 30 Jahre gebraucht, um Hawaii zu erobern. Denn er ist überaus vielseitig: Man findet ihn auf Bäumen ebenso wie am Waldboden, in Gebirgen, Stadtgebieten und auf Müllhalden. Und er ernährt sich von Insekten, was ihn zum direkten Nahrungskonkurrenten einer ganzen Reihe von Vogelarten macht.

    Das Forscherteam um Robyn Smith war daher ziemlich überrascht, als es bei seiner Bestandsaufnahme feststellte, dass die Froschinvasion der Vogelwelt nicht schadet – im Gegenteil. Wo es die höchsten Coqui-Konzentrationen gab, lebten auch die meisten Vogelarten. Die Forscher vermuten, dass die Vögel Froschlarven und -kadaver als zusätzliche Nahrungsquelle nutzen. Dazu dürfte kommen, dass die hohe Froschanzahl in den betreffenden Regionen ganz einfach die Biomasse erhöht. Davon profitieren Insekten, die ihrerseits sowohl von Vögeln als auch von Fröschen gefressen werden.

    Das klingt auf den ersten Blick nach einer Bioinvasion, die dem eroberten Gebiet zur Abwechslung mal positive Folgen beschert. Doch es gibt ein großes "Aber": Die steigende Vogelvielfalt betrifft laut den Forschern Spezies, die mit dem Menschen nach Hawaii kamen. Und diese sind direkte Konkurrenten der einheimischen Arten. Letztlich unterstützt also nur ein Bioinvasor die anderen – das Nachsehen hat einmal mehr die geplagte endemische Vogelwelt Hawaiis. (jdo, 29. 11. 2017)

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