Nordkorea sieht sich zu Angriffen auf gesamte USA in der Lage

    Video29. November 2017, 15:59
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    Nach neuerlichem Raketentest sei "historisches Ziel" erreicht – Merkel wirft Pjöngjang Bedrohung der internationalen Sicherheit vor

    Seoul/Washington –Nach einem neuerlichen Raketentest sieht sich Nordkorea zu Angriffen auf das gesamte Territorium der USA in der Lage: Es befänden sich nun "die gesamten Kontinental-USA" in Reichweite nordkoreanischer Raketen, hieß es in einer am Mittwoch in staatlichen Medien verbreiteten Erklärung. Nordkorea habe damit sein "historisches Ziel" erreicht, eine Atommacht zu werden.

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    Nordkorea hat eine neue Interkontinentalrakete getestet. Nach Angaben Nordkoreas könne mit diesem Raketentyp das gesamte Kernland der USA erreicht werden – die Nachbarländer reagieren empört.

    Der Test der Interkontinentalrakete vom Typ Hwasong-15, die mit einem großen Sprengkopf bestückt werden könne, sei erfolgreich verlaufen. Es handle sich um die "stärkste Interkontinentalrakete", die Nordkorea jemals entwickelt habe.

    Merkel kritisiert "neueste Provokation"

    Der Test wird am Mittwoch den UN-Sicherheitsrat beschäftigen. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat als Reaktion darauf der nordkoreanischen Regierung vorgeworfen, die internationale Sicherheit zu bedrohen. In einer Erklärung im Kurzbotschaftendienst Twitter sprach Regierungssprecher Steffen Seibert in der Nacht zu Mittwoch von "Nordkoreas neuester Provokation". Es sei nun "wichtiger denn je, gegen die Bedrohung der internationalen Sicherheit durch Pjöngjang zusammenzustehen". Merkel verurteile das Vorgehen Nordkoreas scharf.

    US-Präsident Donald Trump kündigte am Mittwoch neue Sanktionen gegen Nordkorea an

    US-Präsident Donald Trump und der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe warnten die nordkoreanische Führung derweil, durch die anhaltenden Raketentests die eigene Sicherheit aufs Spiel zu setzen. Nach einem Telefonat veröffentlichten die beiden Politiker eine gemeinsame Erklärung. Darin heißt es: "Die Provokationen des nordkoreanischen Regimes untergraben seine eigene Sicherheit und treiben seine Isolation in der internationalen Gemeinschaft voran." Russland hat sich der internationalen Kritik am neuen nordkoreanischen Raketentest angeschlossen. Der Test sei ein Akt der Provokation und werde die Spannungen in der Region weiter erhöhen, sagte Präsidialamtssprecher Dmitri Peskow am Mittwoch. Damit sei man noch weiter davon entfernt, mit einer Lösung der Krise beginnen zu können.

    China ruft zu Verhandlungen auf

    Auch China hat sich besorgt über den Test gezeigt und Nordkorea und die USA zu Verhandlungen aufgerufen. Der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Geng Shuang, äußerte am Mittwoch in Peking "große Sorge" über den Test. Sein Land hoffe, dass alle Beteiligten sich um eine "friedliche Beilegung" des Konflikts bemühten, da es keine militärische Lösung geben könne.

    Der Ministeriumssprecher bekräftigte Chinas Vorschlag, dass Nordkorea seine Waffentests einstellen solle und die USA im Gegenzug ihre Militärmanöver in der Region aussetzen sollten. Ein Vorschlag, den auch Russland unterstützt, den aber beide Seiten in der Vergangenheit abgelehnt haben. Nordkorea, weil dessen Führung den USA nicht vertraut. Die USA sind dagegen, weil ein Ende der Manöver demonstrieren würde, dass man sich mit Nordkoreas Atom- und Raketenfähigkeiten abgefunden habe, die derzeit von der internationalen Gemeinschaft als illegal angesehen werden. Ein Sprecher der Kreml, der Mittwoch nach den Erfolgsaussichten des Plans befragt wurde, sagte, es gebe "keinen Grund für substanziellen Optimismus".

    Zweifel am Erfolg des Tests

    Ausländische Beobachter hatten allerdings bereits Zweifel am Erfolg des Raketentests geäußert. Erkenntnissen des US-Verteidigungsministeriums zufolge sei die Rakete nach nur etwa eintausend Kilometern ins Meer gestürzt und habe keine Gefahr für Nordamerika oder verbündete Nationen dargestellt.

    Im vergangenen Juli hatte Nordkorea eine Interkontinentalrakete getestet, die theoretisch auch den US-Bundesstaat Alaska erreichen könnte – nicht aber den Rest der USA.

    Die jetzige Rakete landete japanischen Angaben zufolge nach etwa 50-minütigem Flug 250 Kilometer vor der Küste Japans im Meer. Der japanische Verteidigungsminister Itsunori Onodera teilte in Tokio mit, die Rakete sei westlich der Präfektur Aomori niedergegangen und sie sei mit etwa 4000 Kilometern so hoch wie nie zuvor geflogen.

    Das südkoreanische Militär erklärte, es habe nur Minuten nach dem nordkoreanischen Test selbst eine Rakete abgefeuert und damit auf die Provokation durch den Norden reagiert.

    Internationale Proteste

    Die japanische Regierung hatte ebenfalls umgehend gegen den Test protestiert. Ministerpräsident Abe forderte eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrates. Auch US-Außenminister Rex Tillerson verurteilte den Test und rief alle Nationen zu scharfen Wirtschaftssanktionen gegen die Führung in Pjöngjang auf. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg erklärte in Brüssel, der Test untergrabe die regionale und internationale Sicherheit. Nordkorea habe abermals gegen die Resolutionen des UN-Sicherheitsrates verstoßen. Auch die EU sprach von einem "weiteren inakzeptablen Verstoß" Nordkoreas gegen seine internationalen Verpflichtungen.

    Nach mehreren Raketen- und Atomtests in den vergangenen Monaten, mit denen die Führung in Pjöngjang gegen Auflagen der Vereinten Nationen verstieß, haben sich die Spannungen zwischen Nordkorea und den USA erheblich verschärft. Beide Seiten überzogen einander mit Drohungen und Kriegsrhetorik.

    Erst vor kurzem haben die USA weitere Sanktionen gegen nordkoreanische und chinesische Firmen verhängt. Trump setzte Nordkorea vor wenigen Tagen wieder auf die Liste der Staaten, die nach US-Ansicht den Terrorismus unterstützen. Die Regierung in Pjöngjang sprach von einer Provokation. Nordkorea habe mit dem Terrorismus nichts zu tun.

    Das Land argumentiert, es brauche seine Waffenprogramme zur Verteidigung gegen Invasionspläne der USA. Die Vereinigten Staaten weisen die Vorwürfe zurück. Als Erbe des Koreakriegs von 1950 bis 1953 haben die USA in Südkorea 28.500 Soldaten stationiert und halten immer wieder gemeinsame Manöver ab. Die koreanische Halbinsel ist seit 1948 geteilt, Nord- und Südkorea haben nach dem Koreakrieg keinen Friedensvertrag unterzeichnet. (red, APA, Reuters, 29.11.2017)

    • Nordkorea feuert seine stärkste Rakete ab, südkoreanische Medien berichten.
      foto: apa/afp/jung yeon-je

      Nordkorea feuert seine stärkste Rakete ab, südkoreanische Medien berichten.

    • Kim Jong-un überwacht Raketenstarts gern persönlich (Archivbild aus dem September 2017).
      foto: reuters/kcna

      Kim Jong-un überwacht Raketenstarts gern persönlich (Archivbild aus dem September 2017).

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