Lokale am Wiener Donaukanal: Verheerende Optik

Kommentar28. November 2017, 17:36
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Unter den Rahmenbedingungen der aktuellen Ausschreibung werden vor allem Großprojekte zum Zug kommen, die viel Geld investieren

Die Neuvergaben von gastronomisch genutzten Flächen am Wiener Donaukanal sind ein hochbrisantes Thema. Immerhin hat sich das Gebiet mitten in der Stadt binnen weniger Jahre von einer unattraktiven Gstätten zu einem hochfrequentierten Freizeitareal entwickelt. Die Lokale, die sich auf öffentlichem Bundes- oder Landesgrund entlang des Kanals angesiedelt haben, sind für diese erfreuliche Entwicklung mitverantwortlich. Vergeben wurden die Flächen bisher aber völlig intransparent. Es gab und gibt unterschiedliche Vertragslaufzeiten und sich stark unterscheidende Entgelte.

Diese Kritikpunkte zeigte im Vorjahr ein Bericht des Rechnungshofs auf. So waren bei der Summerstage etwa für jenen Teil, der dem Bund gehört, 26,3 Euro pro Quadratmeter und Jahr abzulegen. Das Areal, das der Stadt gehört, kostete nur rund 1,91 Euro. Die Stadt dürfte ihre Lehren aus dem Bericht gezogen haben: So werden aktuell gleich sechs Flächen am Donaukanal – vom großen Tel Aviv Beach im Norden bis zur kleinen Hafenkneipe – nach Ablauf von Verträgen neu ausgeschrieben. Die erfolgreichen Bewerber erhalten dieselbe Laufzeit und müssen mindestens sechs Prozent ihres Umsatzes abführen.

Das ist gut, weil transparent und nachvollziehbar, und gleichzeitig schlecht: Denn unter den Rahmenbedingungen der Ausschreibung werden vor allem Großprojekte zum Zug kommen, die viel Geld investieren. Kleine, gemütliche Lokale am Kanal, die ebenfalls viel zum Flair beigetragen haben, dürften Geschichte sein.

Hinter der Gestaltung der Ausschreibung, die bisher nur über wenige unauffällige Inserate publikgemacht wurde, steht aber ein großes Fragezeichen. Denn nur wenige Stellen in Wien waren damit vorab befasst. Die grüne Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou sowie Beamte, die für die Koordination der Donaukanalprojekte zuständig sind, wurden im Dunkeln gelassen. Involvierte vermuten einen Alleingang der SPÖ – konkret von Stadträtin Ulli Sima. Der nächste Streit zwischen Rot und Grün steht bevor.

Transparenz ist am Donaukanal nicht durchwegs gerngesehen: So wurde erst vor einem Jahr die öffentliche Fläche mit dem Lokal City-Beach ganz ohne Ausschreibung an einen Gastronomen vergeben, der 2015 einen Beachclub mit 800 Sitzplätzen auf einer Grünfläche am Donaukanal errichten wollte. Vertragsdetails werden in diesem Fall unter Verschluss gehalten. Die Optik ist verheerend. (David Krutzler, 28.11.2017)

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