Überraschung: Eiszeit-Tier war doch nicht ganz ein Pferd

    3. Dezember 2017, 10:30
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    Neben Vertretern der Gattung Equus lebten in Nordamerika bis vor einigen zehntausend Jahren auch die eines parallelen Zweigs der Pferde-Evolution

    illustration: jorge blanco
    Eine Haringtonhippus-Familie, malerisch in Szene gesetzt.

    Santa Cruz – Die eiszeitliche Megafauna Nordamerikas ist eigentlich sehr gut erforscht – was neue Erkenntnisse aber keineswegs ausschließt. Eine solche haben nun Forscher der University of California im Magazin "eLife" veröffentlicht. Sie betreffen ein pferdeähnliches Tier, das in Nordamerika noch im Pleistozän vorkam.

    Die ersten Fossilien dieses Tiers hatte man bereits in den 1970ern ausgegraben. Funde des schlanken "Pferds auf Stelzenbeinen", so seine provisorische Bezeichnung, kennt man mittlerweile unter anderem aus Wyoming, Nevada und dem kanadischen Yukon Territory. DNA-Analysen zeigten nun aber, dass das Tier nicht zu der Gattung von Pferden im engeren Sinn (Equus) gehörte, die alle heute noch lebenden Arten – Esel und Zebras inklusive – umfasst.

    Lange Geschichte

    Nordamerika gilt als die Urheimat der Pferde und aller ihrer Verwandten. Sie entwickelten sich dort bereits im Eozän und breiteten sich – wann immer sich eine Landbrücke zwischen Neuer und Alter Welt bildete – in mehreren Wellen auch nach Eurasien aus. Im Verlauf der Evolution löste eine Gattung die andere ab, doch insgesamt war Nordamerika 56 Millionen Jahre lang durchgängig von Pferdeverwandten besiedelt.

    Die einzige Lücke in dieser beeindruckenden Kette klaffte am Ende der letzten Kaltzeit auf: Zu dem Zeitpunkt, als sich die ersten Menschen auf dem Kontinent ausbreiteten, verschwanden neben vielen anderen Vertretern der nordamerikanischen Megafauna auch die Pferde. Erst vor einem halben Jahrtausend wurde diese Lücke wieder geschlossen, als Europäer Pferde in deren "alte Heimat" zurückbrachten.

    foto: eric scott
    Diese beiden Haringtonhippus-Schädel stammen aus Nevada (oben) respektive Texas (unten). Die Spezies war offenbar über weite Teile Nordamerikas verbreitet.

    Von einigen seitlichen Ausscherern abgesehen, verlief die Evolution der Pferdeverwandten relativ geradlinig zu immer größeren und schnelleren Tieren, die ihre "urtümlicher" gebauten Verwandten allmählich ablösten. Im späten Pleistozän, so dachte man bislang, sei daher in Nordamerika mit der Gattung Equus nur noch die modernste Ausgabe des Pferds übriggeblieben.

    Nun zeigen DNA-Analysen von jüngeren Fossilienfunden aber, dass mit den "stelzenbeinigen Pferden" neben Equus noch eine andere Gattung überraschend lange überlebt hat: im Norden Kanadas muss es sie bis vor etwa 17.000 Jahren gegeben haben. Als Bezeichnung für diese neue Gattung von Beinahe-Pferden wählte das Team um Peter Heintzman von der University of California Haringtonhippus; die konkrete Spezies erhielt den Namen Haringtonhippus francisci. Mit dem Namen wird der mittlerweile emeritierte Paläontologe Richard Harington geehrt, der die Tiere seinerzeit als erster beschrieben hatte.

    Verschwundene Zweige des Lebens

    Haringtonhippus lebte neben seinen Cousins, ohne sich aber mit diesen zu vermischen – genetisch hatten sich ihre Wege schon vor vier bis sechs Millionen Jahren getrennt, ergaben die Analysen. Anders als die Cousins aus der Gattung Equus verschwand dieser Zweig des Lebens durch das post-eiszeitliche Megafauna-Massensterben restlos. Eine dritte Gattung, Hippidion, konnte sich in Südamerika sogar noch ein paar tausend Jahre länger halten. Auch diese Entwicklungslinie hat aber keine lebenden Nachfahren hinterlassen. (jdo, 3. 12. 2017)

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