Aufklärung: Tiroler Skiverband sieht keine Verantwortung bei sich

    28. November 2017, 12:28
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    Suche nach Heimleiter bestätigt – In Protokolle könne man "vieles hineininterpretieren"

    Innsbruck – Im Fall der Missbrauchsvorwürfe von Nicola Werdenigg hat der Tiroler Skiverband (TSV) nun Sitzungsprotokolle der Skihauptschule Neustift aus den 70er-Jahren durchsucht. Dabei habe man gesehen, dass im September 1976 nach einem neuen Heimleiter gesucht werden musste, bestätigte TSV-Vizepräsident Peter Mall der APA einen Bericht der "Tiroler Tageszeitung" vom Dienstag.

    Konkrete Verdachtsfälle könne man aus den Protokollen aber nicht ableiten, meinte Mall. "In diese Protokolle kann man vieles hineininterpretieren, es steht aber nichts Handfestes drinnen. Und es steht auch nicht drinnen, dass die Verantwortlichen damals von etwaigen Übergriffen gewusst hätten." Der TSV war damals Träger der Einrichtung.

    Recherchen des STANDARD, wonach schon damals höchste Verbandskreise über die Vorgänge informiert waren, wollte Mall nicht bestätigen. Gegenüber dem STANDARD erinnerten sich Zeitzeugen daran, "dass der Heimleiter schnell entfernt werden musste". Der Sohn eines damals hohen Sportfunktionärs soll von den Vorfällen betroffen gewesen sein.

    TSV lehnt Verantwortung ab

    Der TSV werde sich in einer Präsidiumssitzung nächsten Dienstag jedenfalls näher mit dem Thema beschäftigen, kündigte Mall an. "Wir möchten volle Transparenz." Den TSV sieht er trotzdem nicht in der Verantwortung. "Wir möchten den Skisport propagieren, es ist nicht die Aufgabe des TSV, Geschehnisse aus den 70er-Jahren aufzuklären." Viele der damals handelnden Personen seien mittlerweile auch verstorben, außerdem brauche es einen konkreten Anlassfall.

    Im Ermittlungsverfahren, das die Innsbrucker Staatsanwaltschaft eingeleitet hat, gibt es jedenfalls noch keine Neuigkeiten, sagte Staatsanwaltschaftssprecher Hansjörg Mayer der APA.

    Ob der ÖSV von den Vorfällen in Neustift etwas wusste, wollte dessen Präsident Peter Schröcksnadel im "ZiB 2"-Interview am Montag nicht beantworten. "Das kann ich nicht sagen", meinte er. Denn der ÖSV habe "keinen Zugriff" auf die Landesverbände. "Aber wir haben heute einen Beschluss gefasst, dass wir die Landesverbände auffordern, auch in dieser Richtung tätig zu werden", so Schröcksnadel. Man sei an einer Aufklärung zwar interessiert, aber die Vorwürfe beträfen eigentlich nicht den ÖSV, da die Sportler erst im Alter von 16, 17 oder noch später zum Skiverband kommen würden. (APA, 28.11.2017)

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