Nachbau-Medikamente könnten Gesundheitsbudget entlasten

28. November 2017, 13:00
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Allein durch verstärkten Einsatz von Biosimilars statt Originalpräparaten ließen sich in Österreich in fünf Jahren 320 Millionen Euro einsparen

Wien – Österreich hinkt beim Einsatz sogenannter Biosimilars anderen Ländern hinterher. Dabei könnte das Gesundheitsbudget kräftig entlastet und das eingesparte Geld in neue, innovative Medikamente umgeschichtet werden, wenn verstärkt biotechnologisch nachgebaute Medikamente zum Einsatz kämen. Das Einsparungspotenzial beziffert eine am Dienstag vom Biosimilarverband Österreich präsentierte Studie mit etwa 320 Millionen Euro bis zum Jahr 2021.

Vereinfacht gesagt sind Biosimilars eine neue Art von Generika. Im Unterschied zu diesen sind sie aber deutlich aufwendiger herzustellen. Biosimilars, wie sie beispielsweise der Schweizer Konzern Novartis bei seinem Österreich-Ableger Sandoz in Schaftenau in Tirol baut, werden in einem komplizierten Verfahren mittels gentechnisch veränderter Zellen hergestellt. Statt zwei Jahren und Kosten von durchschnittlich fünf Millionen Euro beim Generikum müssen für die Entwicklung eines Biosimilar rund acht Jahre Entwicklungszeit und bis zu 150 Millionen Euro Kostenaufwand angesetzt werden.

38 Prozent günstiger

Dennoch sind Biosimilars im ersten Jahr der Zulassung zumindest 38 Prozent günstiger als das vergleichbare Originalpräparat. Diese Vereinbarung ist seit heuer in Österreich wirksam. Bisher gab es keine Erstattung, was so manchen Hersteller biotechnologisch hergestellter Nachahmerpräparate von Österreich fernhielt. Dadurch erklärt sich auch, warum in der EU bis dato 37 Biosimilars zu 15 Wirkstoffen zugelassen sind, in Österreich nur 16 Biosimilars zu neun Wirkstoffen. Der Interessenverband, der die Studie beim internationalen Markt- und Meinungsforschungsinstitut IQVIA (vormals Quintiles IMS) in Auftrag gegeben hat, rechnet nun mit einer rascheren Verbreitung.

Potenzial sehr groß

Das Potenzial lässt sich bei einem Vergleich mit ausgewählten Ländern in der EU erahnen: Während der Marktanteil sogenannter Infliximab Biosimilars in Österreich 27,3 Prozent beträgt, beträgt er in Frankreich 35 Prozent, in Deutschland 38,2, in Spanien 44,6, in Italien 57,5 und in Großbritannien gar 83,2. In Italien kommt hinzu, dass die Kosteneinsparung gegenüber Originalpräparaten zwischen Krankenkassen auf der einen sowie Krankenhäusern und Ärzten auf der anderen Seite aufgeteilt wird, was den Anreiz erhöht, die günstigeren Alternativen einzusetzen.

Zu den Mitgliedern des Biosimilarverbands Österreich gehören neben Sandoz auch Amed, Amgen, Astro Pharma, Mylan Pharma, Ratiopharm und Stada. (Günther Strobl, 28.11.2017)

  • Das heimische Gesundheitssystem gilt als vergleichsweise teuer.
    foto: apa/afp/roslan rahman

    Das heimische Gesundheitssystem gilt als vergleichsweise teuer.

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