Libanons Premier Hariri fordert von Hisbollah Neutralität

    28. November 2017, 08:32
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    Ministerpräsident will unter Bedingungen im Amt bleiben – Dialog mit Hisbollah "sehr positiv"

    Beirut – Der libanesische Ministerpräsident Saad al-Hariri hat die Neutralität der schiitischen Hisbollah zur Bedingung für seinen Verbleib im Amt gemacht. Er wolle keine politische Partei in seiner Regierung, die sich in Konflikte zwischen arabischen Staaten einmische, sagte Hariri am Montag dem französischen Sender CNews. "Ich warte auf die Neutralität, auf die wir uns in der Regierung verständigt haben. Man kann nicht eines sagen und etwas anderes tun."

    Die Hisbollah sei in Syrien, im Irak, "und das ist wegen des Iran", so Hariri in dem Interview. Der Journalist fragte ihn, ob er im Amt bleibe, falls die Hisbollah und der Iran das von ihm vorgeschlagene neue politische Gleichgewicht akzeptierten. "Natürlich", antwortete Hariri. Nachfrage: "Aber falls sie sich weigern, gehen Sie?" – "Ja". Hariri beschrieb den Dialog mit der Hisbollah als "sehr positiv".

    Stellvertreterkonflikte

    Die Hisbollah, die im Libanon mitregiert, wird vom Iran unterstützt und kämpft in Syrien an der Seite von Präsident Bashar al-Assad sowie im Irak gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). Hariri wiederum wird vom sunnitischen Saudi-Arabien gestützt, das sich selbst in regionale Konflikte wie den im Jemen einmischt und dort mit seinem Erzfeind Iran einen Stellvertreterkrieg führt.

    Hariri hatte Anfang November bei einem Besuch in Saudi-Arabien überraschend seinen Rücktritt angekündigt, Präsident Michel Aoun nahm diesen aber nicht an. Später hob Hariri seinen Rücktritt auf und erklärte, Aoun habe ihn darum gebeten.

    Nach der Rücktrittsankündigung waren Sorgen aufgekommen, im Libanon könnte ein neuer Stellvertreterkonflikt zwischen dem sunnitischen Königreich Saudi-Arabien und dessen schiitischem Erzrivalen Iran entstehen. Hariri sagte, er habe mit Ankündigung einen "positiven Schock" auslösen wollen. Zu den Umständen wollte er sich aber nicht äußern. Darüber seien viele Geschichten verbreitet worden, aber er wolle das "für sich behalten".(Reuters, APA, 28.11.2017)

    • "Ich warte auf die Neutralität, auf die wir uns in der Regierung verständigt haben. Man kann nicht eines sagen und etwas anderes tun", sagte Libanons Premier Saad al-Hariri in Richtung Hisbollah.
      foto: ap photo/hussein malla

      "Ich warte auf die Neutralität, auf die wir uns in der Regierung verständigt haben. Man kann nicht eines sagen und etwas anderes tun", sagte Libanons Premier Saad al-Hariri in Richtung Hisbollah.

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