Bürgeraufstand gegen geplantes Betriebsareal in Sierning

28. November 2017, 14:00
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Es gebe keine Bürgerinformation, kritisieren Anrainer. "Man will mich nur anpatzen", kontert der Bürgermeister

Linz – Es ist dieser vom Ackerbau geprägte Landstrich im Bezirk Steyr-Land stets auch ein fruchtbarer Boden für Volksaufstände gewesen. So soll 1588 einer der ersten Bauernaufstände Oberösterreichs in Sierning seinen Ausgang genommen haben. Und auch heute regt sich in der Gemeinde massiver Widerstand in der Bevölkerung.

Anlass für die Missstimmung unter den 9.339 Einwohnern sind wirtschaftliche Expansionspläne. Im Dezember 2016 sprach sich der Gemeinderat mehrheitlich für ein Widmungsverfahren bezüglich einer rund 33 Hektar großen neuen Betriebsbaugebietsfläche aus. Nahe der Sierninger Westumfahrung – aber auch unangenehm nahe einer Wohnsiedlung für junge Familien. Und unmittelbar vor der Haustür von Peter Mayrhofer. Der Unternehmer lebt mit seiner Familie auf einem geschichtsträchtigen Vierkanter der Schwiegereltern. Doch für gelebte Bauernhof-Idylle ist wenig Zeit, denn Mayrhofer führt mit seiner Frau eine Bürgerinitiative gegen das geplante Betriebsareal an.

"Nur nicht mit dem Herrn Mayrhofer"

Es geht dem Vater dreier Kinder aber nicht nur ums Verhindern. "Es ist für mich völlig verständlich, dass eine Gemeinde wirtschaftliche Perspektiven braucht. Dazu braucht es aber ein wohlüberlegtes Konzept – und kein riesiges Gewerbegebiet inmitten eines Naherholungsgebietes", kritisiert Mayrhofer im STANDARD-Gespräch. Gut 1.150 Unterschriften hat die Initiative gesammelt: "Alles Stimmen, die sich auch gegen die Vorgangsweise des Bürgermeisters richten." So habe es keine adäquate Bürgerinformation gegeben und man habe erst " Monate später" von dem Vorhaben erfahren. Auch seien vorhandene Alternativen nicht ausreichend geprüft worden.

Bürgermeister Manfred Kalchmair (SP) weist die Kritik vehement zurück. Natürlich habe man versucht, Alternativen zu finden: "Nur gibt es keine anderen geeigneten Flächen." Man habe in den letzten Jahren 500 Arbeitsplätze in Sierning verloren – und müsse daher "aktiv werden". Auch sei er "ständig in Kontakt mit den Bürgern". Kalchmair: "Ich rede auch mit jenen, die dagegen unterschrieben haben. Nur nicht mit dem Herrn Mayrhofer. Der will mich nur persönlich anpatzen. Der arbeitet die ganze Woche in Wien und glaubt, er kann am Wochenende die Gemeinde gestalten."

Am 6. Dezember ist in der heiklen Causa wieder der Gemeinderat am Zug. Abgestimmt wird dann über einen offiziellen Einleitungsbeschluss für das Widmungsverfahren. (Markus Rohrhofer, 27.11.2017)

  • Wo heute noch die Natur sprießt, soll bald das Gewerbe blühen.
    foto: mayrhofer

    Wo heute noch die Natur sprießt, soll bald das Gewerbe blühen.

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