Aus Personalnot kommt die Post in Vorarlberg zu spät oder gar nicht

Video27. November 2017, 16:21
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In Vorarlberg klappt die Postzustellung nicht mehr. Der Grund ist Personalmangel

Bregenz – In den Vorarlberger Zustellbasen der Post stapeln sich die vollen Kisten. Das liegt nicht an Weihnachten, sondern am Personalmangel.

Massensendungen von Unternehmen und Organisationen, sogenannte Info.Mails, warten auf ihre Zustellung. Zum Teil sehr lange, wie die SPÖ-Landtagsabgeordneten Manuela Auer und Michael Ritsch am Montag den Medien berichteten. Eine Nationalratswahl-Aussendung der SPÖ beispielsweise landete erst Wochen später oder gar nicht in den Briefkästen. Nach Reklamation habe sich die Post "aus Kulanz" bereiterklärt, einen Teil der Portokosten zu refundieren, sagt Michael Ritsch.

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SPÖ-Abgeordneter Ritsch zum ORF: "Das hat dazu geführt, dass zwar die Aktionäre ihre Gewinne bekommen, aber die Menschen ihre Post nicht mehr."

Nicht nur Geschäftskunden haben Probleme mit der Post. Auch private Briefsendungen, zu deren umgehender Zustellung die Post als Universaldienstleister verpflichtet ist, kommen oft mit Verspätung.

Post kommt zu spät

Die Post, früher ein Vorzeigeunternehmen, erfülle ihre Kernaufgaben in Vorarlberg nicht mehr, kritisiert Auer. Sie komme ihrer Pflicht, die Zustellung an fünf Tagen pro Woche zu gewährleisten, nicht nach. Je nach Bezirk und Viertel komme die Post nur noch jeden zweiten Tag oder auch nur einmal die Woche. Die Post AG mache zwar formidable Gewinne, spare aber beim Personal. Die Folge sei, sagt Gewerkschafterin Auer, eine starke Fluktuation durch Krankenstände und Kündigungen. "Von jenen, die heuer neu eingestellt wurden, sind schon wieder zwei Drittel gegangen."

David Weichselbaum, Sprecher der Post AG, räumt Personalprobleme ein. Man habe darauf im Sommer mit einer Personaloffensive geantwortet und zahlreiche Leute eingestellt (genaue Zahlen werden nicht kommuniziert). Die Fluktuation betrage aber knapp mehr als 50 Prozent, nicht zwei Drittel, entgegnet er Auer. Grund dafür sei, dass in Vorarlberg quasi Vollbeschäftigung herrsche.

Manuela Auer kennt andere Ursachen. Neben dem niedrigen Einkommen (1.500 Euro brutto für Einsteiger) nennt sie das schlechte Betriebsklima: "Es fehlt die Wertschätzung." Das zeige sich auch daran, dass Mitarbeiter, die nicht deutschsprachig sind, "nicht einmal Sprachkurse bezahlt bekommen". Weichselbaum sagt, Kurse seien nicht nötig, da Deutschkenntnisse ein wesentliches Einstellungskriterium seien.

Maulkorb für Betriebsrat

Betriebsratsobmann Franz Mähr kann zur Postkrise nicht befragt werden. "Er bekam einen Maulkorb verpasst", sagt Auer. Mähr, der die Zustände bereits vor Monaten kritisiert hatte, wurde von seinem Arbeitgeber eine Klage angedroht. Seine öffentlichen Äußerungen seien geeignet, die Österreichische Post AG in ihrer Ehre zu beleidigen und das Ansehen der Österreichischen Post AG in der Öffentlichkeit massiv zu schädigen, teilte ihm das Personalamt schriftlich mit. Weichselbaum äußert sich zur Causa nicht.

Mit der Post wird sich auch der Landtag beschäftigen. Die FPÖ fordert die Landesregierung per Antrag zur Intervention in Wien auf: Die Bundesregierung müsse die flächendeckende Versorgung gewährleisten. Die SPÖ ergänzt: Sie fordert mehr Personal und bessere Bezahlung. (Jutta Berger, 27.11.2017)

  • Pro Kiste warten 250 Sendungen auf ihre Zustellung.
    foto: spö vorarlberg

    Pro Kiste warten 250 Sendungen auf ihre Zustellung.

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