Macron will Gleichberechtigung zu zentralem Thema machen

    27. November 2017, 12:20
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    Weltweite Demonstrationen gegen Gewalt an Frauen. Französische Präsident: "Unsere gesamte Gesellschaft ist an Sexismus erkrankt"

    Paris – Der französische Präsident Emmanuel Macron hat die Gleichberechtigung von Mann und Frau zu einem zentralen Thema seiner Amtszeit erklärt. "Unsere gesamte Gesellschaft ist an Sexismus erkrankt", sagte Macron am Samstag in einer Rede zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen. Frauen dürften in Frankreich keine Angst mehr haben.

    Macron kündigte eine Reihe von Gesetzesverschärfungen im Zusammenhang mit sexueller Gewalt an. Weltweit gingen am Samstag Frauen für ihre Rechte auf die Straße.

    Der französische Präsident begann seine Rede mit einer Schweigeminute für die 123 Frauen, die 2016 in Frankreich von ihren Partnern oder Ex-Partnern getötet worden waren. 225.000 Frauen wurden in Frankreich im vergangenen Jahr Opfer physischer oder sexueller Gewalt durch ihre Partner, nur in jedem fünften Fall wurde Anzeige erstattet.

    "Frankreich darf keines dieser Länder mehr sein, in denen Frauen Angst haben", sagte Macron. Der Staatschef nannte "drei Prioritäten" für die kommenden fünf Jahre: "die Bildung und den kulturellen Kampf für die Gleichstellung", eine "bessere Betreuung der Opfer" sowie eine "Verstärkung der repressiven Maßnahmen".

    Aufmerksamkeit für Einwanderinnen

    Konkret kündigte Macron die Einführung des Straftatbestands "sexistische Beleidigung" an sowie ein Schutzalter für einvernehmlichen Sex, das bei 15 Jahren liegen soll. Damit mehr Menschen sich trauen, Gewalt, Sexismus und Diskriminierung anzuzeigen, werde ein Online-Dienst eingerichtet. Opfer könnten auf diesem Weg schnell und einfach Kontakt mit den Behörden aufnehmen, sagte Macron. Er kündigte zudem eine besondere Aufmerksamkeit für Einwanderinnen und Französinnen an, die der Beschneidung unterzogen werden. "Diejenigen, die diese Barbarei betreiben", würden konsequent verfolgt.

    Im Hinblick auf bereits für Kinder zugängliche Pornografie im Internet sprach sich Macron für eine stärkere Regulierung von Inhalten aus. Im kommenden Jahr solle es zudem Gesetzesänderungen geben, damit sexuelle Belästigung im Internet strenger geahndet werden kann. In allen französischen Schulen soll es nach den Worten des Präsidenten auch eine Unterrichtseinheit zum Thema Sexismus und Belästigung geben. Präsidentengattin Brigitte Macron soll sich für die Sensibilisierung von Schülern für das Thema einsetzen.

    Feministische Vereine begrüßten Macrons Ankündigungen, forderten aber mehr Geld für deren Umsetzung. Die ressortübergreifend geplanten 420 Millionen Euro seien nicht ausreichend, erklärten die Aktivistinnen Caroline De Haas und Ernestine Ronai.

    Mexiko: Gefährlichstes Land für Frauen

    Die Enthüllungen über sexuelle Übergriffe des Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein haben in Frankreich wie in vielen anderen Ländern eine Debatte über sexuelle Gewalt und Diskriminierung entfacht.

    Am Samstag gab es in zahlreichen Städten weltweit Demonstrationen gegen Gewalt an Frauen. In Paris wurde ein Protestmarsch mit rund 2.000 TeilnehmerInnen von schwarz gekleideten Frauen angeführt, die Schilder mit den Namen von Todesopfern um den Hals trugen.

    Auf dem Taksim-Platz in Istanbul machten DemonstrantInnen auf die Ermordung von Frauen aufmerksam – nach Angaben von Aktivisten ist die Zahl der ermordeten Frauen in der Türkei seit 2011 deutlich angestiegen. Tausende Menschen gingen auch in der spanischen Hauptstadt Madrid auf die Straße. Im Kosovo forderte ein Frauennetzwerk die Regierung auf, endlich entschieden gegen Gewalt an Frauen vorzugehen.

    In Mexiko-Stadt gab es ebenfalls eine große Demonstration anlässlich des Tages gegen Gewalt an Frauen. In einem UNO-Bericht war Mexiko erst vor wenigen Tagen als das für Frauen gefährlichste lateinamerikanische Land genannt worden. Tausende Frauen marschierten auch durch Perus Hauptstadt Lima und forderten ein Ende von Gewalt an Frauen. Unter den Teilnehmerinnen waren auch fünf Frauen aus der Regierung von Präsident Pedro Pablo Kuczynski. (APA/AFP, 27.11.2017)

    • Emmanuel Macron in einer Rede zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen: "Frankreich darf keines dieser Länder mehr sein, in denen Frauen Angst haben".
      foto: apa/afp/pool/ludovic marin

      Emmanuel Macron in einer Rede zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen: "Frankreich darf keines dieser Länder mehr sein, in denen Frauen Angst haben".

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