Akustische Umweltverschmutzung bedroht Meerestiere

28. November 2017, 10:00
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Suche nach fossilen Lagerstätten mittels Explosionsschall kann marinen Spezies teils irreparable Schäden zufügen

Split – Wenn es um menschliche Lärmbelästigung unter der Meeresoberfläche geht, gelten Wale und Delfine als Hauptleidtragende, auch wenn Fische und andere Ozeanbewohner ebenso betroffen sind. Ursachen für das submarine Getöse gibt es viele: intensiver Schiffsverkehr, Tourismus, Militär-Sonargeräte oder die Suche nach Ölressourcen im Meeresboden. Im Rahmen eines Workshops am 22. und 23. November diskutierten rund 70 Experten in Split über die massiven Auswirkungen von Unterwasserlärm auf die marine Artenvielfalt und mögliche Abhilfen. Der geografische Fokus lag auf südosteuropäischen Gewässern.

Obwohl sich 2015 im Rahmen des Pariser Klimaschutzabkommens 195 Staaten zu einer Abkehr von fossilen Brennstoffen bekannt haben, wird die weltweite Energienachfrage weiterhin zu einem großen Teil aus fossilen Brennstoffen gedeckt (86 Prozent). Öl- und Gasgesellschaften suchen nach neuen fossilen Lagerstätten und führen aus diesem Grund seismische Messungen durch.

Sprengungen unter Wasser

Luftdruckwellen und seismische Sprengungen werden unter Wasser zur Erkundung von Erdöl- und Erdgas-Lagerstätten verwendet. Bei der Suche nach Öl werden etwa Schallkanonen eingesetzt, die über mehrere Wochen bzw. Monate hinweg alle zehn bis zwölf Sekunden gegen den Meeresboden gerichteten Explosionsschall mit bis zu 260 Dezibel ins Meer aussenden, beschrieben die Veranstalter. Die Lärmbelastung stellt eine massive Bedrohung für jene Meeresbewohner dar, die Schall zur Futtersuche, Kommunikation und Navigation nützen: physische Schäden, Stress oder Verhaltensänderungen sind die Folge. So komme es etwa zu einer häufigen Strandung von Walen und Delfinen.

"Viele Staatenvertreter waren da, um zu lernen, wie etwa Gutachten zu bewerten sind. Diese sind oft voller Fehlinformationen. Ein aktueller Antrag zur Ölsuche in den Gewässern Montenegros ignoriert zum Beispiel Sichtungen der bedrohtesten Meeressäugerart im Mittelmeer, der Mönchsrobbe", berichtete OceanCare-Sprecher Nicolas Entrup. Aktuell bzw. zukünftig im Visier der Ölindustrie sind laut OceanCare Montenegro, Italien, Zypern, Malta und Griechenland. Dort gebe es aber oft weder ein entsprechendes Problembewusstsein noch die nötige Transparenz.

Maßnahmenkatalog

Eine wichtige Maßnahme zur Abhilfe umfasse laut Entrup die Verankerung der Richtlinien der Bonner Konvention in nationales Recht (Im Oktober 2017 verabschiedeten Vertreter von 120 Staaten im Rahmen der Tagung der Bonner Konvention zur Erhaltung wandernder Tierarten Richtlinien zur Durchführung von Umweltverträglichkeitsprüfungen im Vorfeld von lärmverursachenden Aktivitäten, Anm.) Weiters müsse es eine Verpflichtung zu Entwicklung und Einsatz von Technologien, die leiser sind als die aktuell genutzten Schallkanonen geben, betonte Entrup. Auch solle es eine Einigung geben, welche Mittelmeerregionen man von seismischer Exploration definitiv ausschließt. Als sehr positives Zeichen wertete Entrup die hohe Bereitschaft zum Dialog der Workshop-Teilnehmer.

Beim ersten "Workshop on mitigating the impact of underwater noise on marine biodiversity with specific focus on seismic surveys in the south-eastern European part of the Mediterranean Sea" befassten sich 62 Teilnehmer aus 17 Staaten, darunter Wissenschafter und Interessensvertreter aus Politik und Wirtschaft, mit dem Thema Unterwasserlärm. Organisiert wurde das Treffen von den Naturschutzorganisationen OceanCare und Natural Resources Defense Council (NRDC) mit Unterstützung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). (APA, red, 28.11.2017)

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