Salzburg gewinnt nahezu episches Spiel gegen Rapid

26. November 2017, 18:54
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Die Hierarchie im heimischen Fußball bleibt. Rapid hatte vor, Red Bull Salzburg zu fordern. Das gelang aber nur phasenweise. In einer tollen Partie setzte sich der Favorit knapp durch und übernahm die Tabellenführung

Wien – Erwartungen wurden geschaffen, um erfüllt, im Idealfall übertroffen zu werden. Die Fußballbundesliga hatte am Sonntagnachmittag im Allianz-Stadion zum Abschluss der 16. Runde ein spezielles Spiel zu bieten. Rapid gegen Red Bull Salzburg. Zwölfmal ungeschlagen gegen 16-mal ungeschlagen, selbstbewusster Herausforderer gegen den zuletzt famosen Meister.

Die Trainer, also Rapids Goran Djuricin und Salzburgs Marco Rose, rechneten mit "einem absoluten Topmatch". Das hat sie allerdings nicht daran gehindert, überraschend aufzustellen. Louis Schaub saß nur auf der Bank, Djuricin begründete das so: "Er hat ein bisserl Stress mit dem Rücken und dem Baby." Rose wiederum verzichtete auf Munas Dabbur, den Führenden in der Schützenliste. Und auch Fredrik Gulbrandsen sah zu. Das ist Luxus, Wissen oder Übermut. Es stürmten jedenfalls der Japaner Takumi Minamino und der Südkoreaner Hee-chan Hwang, die beiden sind selbstverständlich hochbegabt und brandgefährlich. Das Duell der Berisha-Brüder ist entfallen, der Rapidler Veton musste aufgrund einer Hüftprellung passen. Valon vertrat die Familie allein.

Ab die Post

Und ab ging die Post vor 25.300 Zuschauern. Vierte Minute: Lucas Galvao rettet in höchster Not gegen Hwang. Siebente Minute: Boli schickt den als Mittelstürmer aufgebotenen Philipp Schobesberger, der ist schnell, schneller als Paulo Miranda. Der Salzburger reißt ihn nieder, Schiedsrichter Markus Hameter zückt die gelbe Karte, es hätte auch die rote sein können. Elfte Minute: Richard Strebinger entschärft Mirandas Kopfball mit einem Reflex.

Die Salzburger hatten vielleicht den gepflegteren Spielaufbau, Rapid versuchte es mit langen Pässen, was immer besser gelang. 26. Minute: Thomas Murg prüft Walke, den Abpraller schlenzt Eren Keles an die Latte. 28. Minute: Freistoß Rapid, Dejan Ljubicic staubt zum 1:0 ab. 30. Minute: Hwang ist deutlich nicht im Abseits, Minaminos Tor hätte zählen müssen, zählte aber nicht.

Nicht schämen

35. Minute: Galvao foult Hwang, die gelbe Karte ist eine Untertreibung. Zweite Minute der Nachspielzeit: Nach Querpass von Andreas Ulmer gleicht Hwang zum 1:1 aus. Fazit der ersten Hälfte: Rasse, Klasse, Tempo, intensive Duelle, Torraumszenen, kaum Durchhänger, so soll Fußball sein.

Der angeschlagene Ljubicic musste passen, wurde durch Thanos Petsos ersetzt. Es gab zwar keinen direkten Zusammenhang, aber nur Sekunden nach Wiederanpfiff trifft Ulmer wuchtig zum 1:2. 51. Minute: Reinhold Yabo erhöht auf 1:3. Schaub kommt anstelle von Keles. Rapid scheint seelisch und fußballerisch gebrochen, aber es gibt ja den Geist, die letzte Viertelstunde. 76. Minute: Nach Flanke von Boli verkürzt Giorgi Kvilitaia per Kopf auf 2:3. Mit der Hand netzt er noch einmal, gelbe Karte statt Ausgleich. Salzburgs Erwartungen wurden übertroffen. Rapid muss sich nicht schämen, hat allerdings gegen den Meister nun zehnmal nicht gewonnen. Die Lücke bleibt. (Christian Hackl, 26.11.2017)

Fußball-Bundesliga – 16. Runde:

SK Rapid Wien – Red Bull Salzburg 2:3 (1:1). Wien, Allianz Stadion, 25.300 (richtig), SR Hameter

Tore: 1:0 (28.) Ljubicic, 1:1 (45.+2) Hwang, 1:2 (46.) Ulmer, 1:3 (50.) Yabo, 2:3 (76.) Kvilitaia

Rapid: Strebinger – Auer, M. Hofmann, Galvao, Bolingoli – Ljubicic (46. Petsos), Schwab – Murg, Joelinton (67. Kvilitaia), Keles (56. Schaub) – Schobesberger

Salzburg: Walke – Miranda, Pongracic, Caleta-Car – Lainer, X. Schlager, Va. Berisha (88. Rzatkowski), Ulmer – Yabo (79. Gulbrandsen), Hwang, Minamino (65. Haidara)

Gelbe Karten: Galvao, M. Hofmann, Joelinton, Kvilitaia, Auer bzw. Pongracic, Miranda, Hwang, Ulmer

Stimmen:

Goran Djuricin (Rapid-Trainer): "Wir haben sechs, sieben Minuten nicht aufgepasst und Salzburg nützt solche Kleinigkeiten, wenn man nicht konzentriert ist. Der Knackpunkt war das 1:1 kurz vor der Pause. Wir haben dann die ersten sechs, sieben Minuten der zweiten Hälfte total verschlafen, da waren wir total orientierungslos. Aber die restliche Spielzeit waren wir ganz stark. Es war wichtig, dass wir nicht nur dagegenhalten haben, sondern agiert haben. Wir sind für unseren großen Aufwand nicht belohnt, aber für jede Kleinigkeit bestraft worden. Der Schiedsrichter ist immer ein armes Schwein. Man kann beim Foul an Schobesberger Rot geben, aber es ist schwierig, bei so einem schnellen Spiel Entscheidungen zu fällen."

Marco Rose (Salzburg-Trainer): "Dieses Spiel ist dem Wort 'Topspiel' absolut gerecht geworden. Wir haben heute mit den drei Innenverteidigern einen anderen Ansatz gewählt, wollten aber trotzdem unseren Prinzipien treu bleiben. Ich wollte den Jungs mit der Umstellung helfen, weil sie in einer intensiven Phase sind. Ich bin sehr glücklich, dass wir gewonnen haben. Die letzte Woche war brutal, das hat man den Jungs in den letzten Minuten angesehen, da sind wir mächtig geschwommen."

  • Salzburgs Hwang leitete mit seinem vierten Saisontreffer die Wende für Salzburg ein.
    foto: apa/hochmuth

    Salzburgs Hwang leitete mit seinem vierten Saisontreffer die Wende für Salzburg ein.

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