Umfrage: Nur jeder Vierte sieht SPÖ bei nächster Wahl vorn

    27. November 2017, 07:15
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    Der Bundes-SPÖ wird derzeit noch nicht zugetraut, dass sie die Oppositionsrolle beherrscht – und auch nicht, dass sie an die Spitze zurückfindet

    Linz – Wenn Christian Kern nach Bildung einer türkis-blauen Koalition das Kanzleramt für Sebastian Kurz räumen muss, dann könnte das für lange Zeit den Abschied der SPÖ von der Macht bedeuten. Das jedenfalls legen die in der Novemberumfrage des Market-Instituts erhobenen Daten nahe.

    Im Auftrag des STANDARD fragte Market mehr als 1.000 repräsentativ ausgewählte Wahlberechtigte: "Die SPÖ will nach der nächsten Nationalratswahl wieder stimmenstärkste Partei in Österreich werden – aus heutiger Sicht: Ist dies Ihrer Meinung nach wahrscheinlich, dass die SPÖ nach der nächsten Wahl stimmenstärkste Partei wird oder eher nicht?" Darauf sagten nur 24 Prozent, dass sie glauben, dass die SPÖ wieder Erster wird – 60 Prozent halten das für eher unwahrscheinlich.

    Nur unter den erklärten Wählern der SPÖ und bei den wenigen verbliebenen Grünen-Anhängern gibt es eine Mehrheit, die eine Rückkehr der SPÖ an die Spitze für wahrscheinlich hält.

    Neue Oppositionsrolle

    David Pfarrhofer, Leiter des Market-Instituts, verweist im Gespräch mit dem STANDARD darauf, dass die SPÖ seit Gründung der Zweiten Republik fast immer Regierungspartei war – und die Oppositionsrolle daher (anders als etwa bei der FPÖ) "nicht im genetischen Code der Partei verankert" sei. Allerdings haben Bruno Kreisky 1970 und Alfred Gusenbauer (nach einer verlorenen Wahl 2002) im Jahr 2006 die ÖVP vom ersten Platz verdrängen können.

    Die zweite Frage zur SPÖ zeige auch, dass sich viele Befragte den Rollentausch von Bundeskanzler Kern in die Funktion des Oppositionschefs nicht recht vorstellen können. Dass Kern in der neuen Rolle als Chef der größten Oppositionspartei stärker in Erscheinung treten wird als bisher FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, glauben nur 22 Prozent – vier von zehn Befragten sind dagegen der Meinung, dass Kern ein schwächerer Oppositionschef sein wird, als das Strache bisher war.

    Zweifel der jungen Wähler

    Besonders junge Befragte haben Zweifel daran, dass Kern die Oppositionsrolle beherrscht.

    Noch schlechter fällt das Urteil über die Grünen aus, was Pfarrhofer in dieser Deutlichkeit überrascht: "Anders als in den meisten politischen Kommentaren in den Medien wird das Ausscheiden der Grünen aus dem Nationalrat von der Mehrheit der Wahlberechtigten als positiv wahrgenommen."

    Froh über Ausscheiden der Grünen

    In Zahlen: 34 Prozent sehen es als gut für die Politik in Österreich an, dass die Grünen nicht mehr im Parlament sind, unter den erklärten FPÖ-Wählern sind es sogar 66 Prozent. 29 Prozent sagen, das Fehlen der Grünen werde sich negativ auf die österreichische Politik auswirken – diese Meinung ist vor allem unter erklärten Sozialdemokraten mehrheitsfähig.

    Schließlich meinen 31 Prozent, dass das Fehlen der Grünen keine Auswirkungen auf die politischen Entwicklungen haben werde – dies sagen vor allem Befragte über 50 Jahren. Pfarrhofer: "Wir beobachten da einen deutlichen Unterschied zwischen den Altersgruppen, die Grünen gehen den Menschen unter 50 viel stärker ab."

    Auf die Frage, ob die Grünen bei der nächsten Nationalratswahl wieder ins Parlament einziehen werden, sagen je 41 Prozent, dass sie das erwarten. Oder dass sie eben nicht damit rechnen – 18 Prozent machen keine Angabe. Auch hier sind es vor allem jüngere Befragte und SPÖ-Wähler, die ein Comeback der Grünen mehrheitlich für wahrscheinlich halten.

    Kaum Chancen für Liste Pilz

    Auch der von den Grünen abgespalteten Liste Pilz geben die Befragten keine großen Chancen. Auf die Frage, ob die Liste Pilz ohne ihren Spitzenkandidaten Peter Pilz gute Arbeit leisten könne, sagen nur 22 Prozent, dass sie das erwarten – 62 Prozent sagen explizit, dass sie das eher nicht glauben. 16 Prozent machten keine Angabe. Nur 40 Prozent (Frauen 42, Männer 38) glauben, dass die Vorwürfe sexueller Belästigung den Pilz-Rücktritt notwendig gemacht haben. (Conrad Seidl, 27.11.2017)

    • Christian Kern muss die Rolle der SPÖ in der Opposition erst definieren, wenn er sie zurück an die Spitze führen will.
      foto: apa/helmut fohringer

      Christian Kern muss die Rolle der SPÖ in der Opposition erst definieren, wenn er sie zurück an die Spitze führen will.

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