Chirurgie-Experiment: China strikt gegen Kopftransplantation

    26. November 2017, 16:26
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    Führender Gesundheitsbeamter in Peking nennt Idee "bedeutungslos und irrwitzig"

    Peking – Rückschlag für den umstrittenen italienischen Neurochirurgen Sergio Canavero, der kühne Pläne hegt: Vor ein paar Jahren warb er medienwirksam für die Idee einer Gehirntransplantation, kürzlich sprach er davon, dass er erst einen menschlichen Kopf verpflanzen will – und zwar in China. Peking hat nun aber offiziell abgewunken.

    Striktes Nein

    Laut einem führenden chinesischen Gesundheitsbeamten ist der Eingriff verboten. Er sei "technisch unmöglich und verstößt gegen chinesische Gesetze und Vorschriften für Organtransplantationen", sagte der Vorsitzende des Komitees für Organverpflanzungen, Huang Jiefu, in einem Interview der "China Daily".

    Canavero hatte zuvor angekündigt, im Frühjahr in China den Kopf eines schwerkranken Menschen auf den Körper eines hirntoten Spenders zu setzen. Schon ein Versuch mit Leichen, den Canavero mit dem chinesischen Arzt Ren Xiaoping durchgeführt hatte, verstößt laut Jiefu gegen ethische Regeln. "Wir werden niemals erlauben, dass solche klinischen Versuche in China ausgeführt werden", sagte der frühere Vizegesundheitsminister.

    "Reine Publicity"

    In Fachkreisen war die angekündigte Kopftransplantation des Italieners, der damit auch sein neues Buch propagiert, als "reine Publicity" bezeichnet worden. Deutsche Experten verwiesen darauf, dass die Reparatur abgetrennten Rückenmarks unmöglich sei. Tausende Arbeitsgruppen arbeiteten seit Jahrzehnten vergeblich daran, bei Gelähmten die Verletzung des Rückenmarks zu überbrücken.

    "Die Reparatur beschädigter Rückenmarksnerven und Gehirnzellen ist eine Herausforderung, die noch nirgendwo in der Welt bewältigt worden ist", sagte auch Huang Jiefu. "Es ist bedeutungslos und irrwitzig, mit einem Experiment an Leichen Aufmerksamkeit zu wecken." Sein Komitee leite Schritte ein, die Professor Ren Xiaoping von der medizinischen Universität im Harbin zur Verantwortung ziehen könnten. (APA, red, 26. 11. 2017)

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