Brüssel: Ausschreitungen bei Protest gegen Sklavenhandel in Libyen

    26. November 2017, 16:36
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    50 Festnahmen nach Angriffen auf Geschäfte

    Brüssel – Erneute Ausschreitungen am Rande einer Demonstration in Brüssel haben Kritik an der Strategie der Polizei im Umgang mit größeren Versammlungen ausgelöst. Dutzende Randalierer hatten am Samstag nach einer Demo gegen Sklavenhandel in Libyen Geschäfte und Fahrzeuge angegriffen.

    Dabei wurde ein Polizist verletzt. Die Staatsanwaltschaft berichtete am Sonntag von 71 Festnahmen, vier Verdächtige sollen angeklagt werden.

    Laut Polizei hatte sich eine Gruppe von zunächst rund 30 vorwiegend jungen Demonstranten gegen Ende der Kundgebung am Samstagnachmittag vermummt und angefangen, Geschäfte und auch einen Polizeiwagen anzugreifen. Die laut Medienberichten zwischen 15- und 18-Jährigen beschädigten mindestens drei Geschäfte, mehrere Fahrzeuge sowie Straßenschilder. Ein Polizist erlitt durch ein Wurfgeschoss eine "Fraktur am Kopf", teilte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Ine Van Wymersch, mit. Er befand sich demnach am Sonntag weiter im Krankenhaus.

    Nach einem Bericht der belgischen Nachrichtenagentur Belga wurden ein Wasserwerfer und ein Hubschrauber als Verstärkung geschickt. Einem Großaufgebot der Polizei gelang es erst am Abend, die Ruhe wiederherzustellen.

    Vier der Festgenommen, darunter drei Minderjährige, müssen sich laut der Sprecherin der Staatsanwaltschaft nun unter anderem wegen versuchten Einbruchdiebstahls, Sachbeschädigung und Körperverletzung vor Gericht verantworten. Gegen den Erwachsenen solle ein Haftbefehl erwirkt werden.

    Es war der dritte Gewaltausbruch mitten in Brüssel binnen weniger Wochen. Am 11. November gab es Ausschreitungen nach der Qualifikation von Marokko für die nächste Fußballweltmeisterschaft. Vier Tage später kam es erneut zu Krawallen, als die Polizei eine nicht genehmigte Versammlung auflösen wollte, die ein junger Internet-Star organisiert hatte.

    Die Vorfälle entfachten eine Debatte über die Sicherheitslage in der belgischen Hauptstadt und den Umgang der Brüsseler Polizei mit Versammlungen. Der belgische Innenminister Jan Jambon von der nationalistischen flämischen Partei N-VA verurteilte den jüngsten Gewaltausbruch scharf. "In Brüssel verhalten sich Krawallmacher einmal mehr inakzeptabel", schrieb er am Samstag auf Twitter. Später versicherte Jambon, gegen die jungen Randalierer werde die "Null Toleranz-Methode" angewandt. (red, APA, AFP, 26.11.2017)

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