Währungswetten: Nicht nur der Rubel rollt

28. Dezember 2017, 11:33
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Wem Anleihen oder Aktien zu langweilig sind, kann sein Glück mit Devisen versuchen. Wer nicht aufpasst, hat sein Geld aber rasch verloren

Aktien solider Unternehmen sollten langfristig zumindest acht Prozent Ertrag pro Jahr bringen. Trotz aller Kursschwankungen ist nur in den seltensten Fällen das ganze Geld verloren. Wem dieses Risiko zu groß ist, kann sein Geld über Investmentfonds streuen oder auf Anleihen mit guter Bonität setzen. Damit reduziert sich das Risiko, aber auch der Ertrag.

Deutlich höhere Gewinne lassen sich mit Hebelprodukten erzielen. Vor allem Devisen bieten sich hier für Privatanleger an, auch wenn die Forex-Broker (Foreign Exchange) zum Teil Rohstoffe (vor allem Edelmetalle und Öl) und ein paar Aktien anbieten. Sprichwörtlich eine Handvoll Dollar reicht, um von den Kursschwankungen etwa zwischen Euro und Dollar – dem meistgehandelten Währungspaar – profitieren zu können.

Von Währungspaaren und Hebeln

Wer auf einen steigenden Eurokurs setzt, kauft das Währungspaar, wer von einem schwächeren Euro ausgeht, verkauft es. Wobei hier mit Hebeln von bis zu 400 gearbeitet werden kann. Wer also 100 Dollar mit einem Hebel von 400 investiert, riskiert in Wahrheit 40.000 Dollar. Sollte die Währung also komplett an Wert verlieren, wäre der Privatanleger mit 40.000 Dollar im Minus.

In der Praxis wird das Risiko jedoch durch zwei Grenzwerte minimiert: Bei "Take profit" kann eingestellt werden, bei welchem Gewinn die Position automatisch geschlossen wird. Bei "Stop loss" wird das Geschäft ebenfalls beendet, auch wenn der Anleger – mit einem noch tragbaren – Verlust aussteigt.

Gewinne und Verluste von bis zu 50 Prozent

Ein Beispiel mit Euro/Dollar: Ändert sich bei einem Hebel von 100 die vierte Nachkommastelle um einen Punkt, entspricht dies einem Gewinn oder eben Verlust von einem Prozent. Steigt etwa der Euro gegenüber dem Dollar von 1,1640 auf 1,1645, hat jener Anleger, der auf einen steigenden Euro gesetzt hat, einen Gewinn von fünf Prozent erzielt.

foto: istockphoto
Hohe Kursschwankungen bei den Leitwährungen gehören zum Geschäft der Devisenhändler. Vor allem vor Zinsentscheidungen zeigen sich Währungen oft volatil.

Geht die Rechnung wider Erwarten vorerst nicht auf und der Kurs nähert sich dem "Stop loss", kann dieses verändert und somit ein größerer Verlust in Kauf genommen werden, sofern noch genügend Geld vorhanden ist. Wem der erzielte Gewinn reicht, kann natürlich jederzeit aussteigen und das Geld einstreifen.

Bei den Kursschwankungen der Leitwährungen innerhalb eines Tages sind Gewinne bzw. Verluste von 50 Prozent durchaus realistisch. Stehen große Ereignisse wie Zinsentscheidungen oder bedeutende Wahlen auf dem Programm, kann es zu noch größeren Schwankungen kommen.

"Never bet against the Fed"

Allerdings ist hier Vorsicht angebracht: Der Leitspruch "Never bet against the Fed", also "Wette nie gegen die US-Notenbank", hat durchaus seine Berechtigung. Zu oft hat die Fed entgegen den Erwartungen der Analysten gehandelt. Wer von einer Zinserhöhung in den USA ausgeht, rechnet mit einem deutlichen Kursanstieg des Dollars. Schließlich wird er dann für alle Anleger attraktiver. Geht die Rechnung nicht auf, rasselt der Kurs herab, das "Stop loss" wird innerhalb von Sekunden erreicht und das eingesetzte Geld ist verloren.

Ähnliches gilt auch für Wahlen: In den USA, in Frankreich und bei der Brexit-Abstimmung lagen die Meinungsforscher daneben – mit entsprechender Auswirkung auf die jeweiligen Währungen. Insofern empfiehlt es sich vor allem anfangs, vor solchen Ereignissen die offenen Positionen zu schließen.

Ein wesentlicher Punkt sind auch die Handelszeiten. Da die Devisen in allen Finanzzentren weltweit gehandelt werden, gibt es unter der Woche keine Unterbrechung. Nur von Freitagabend bis Sonntagabend findet kein Handel statt. Dies gilt zumindest für die realen Währungen. Kryptowährungen wie Bitcoin und Ethereum werden auch am Wochenende gehandelt. Inzwischen gibt es mehr als 1.200 Kryptowährungen, aber nur die wenigsten davon werden außerhalb der entsprechenden Börsen – doch dafür eben rund um die Uhr – gehandelt.

Segen und Fluch

Die langen Handelszeiten sind Fluch und Segen zugleich. Wer mit dem Forex-Handel beginnt, sollte die Positionen nur relativ kurze Zeit offen halten. Einsteigen sollte man etwa, wenn ein gewisses Muster erkennbar ist – und genügend Zeit verfügbar ist, um die Kurse regelmäßig zu verfolgen. Schließlich kann es jederzeit zu einer Trendänderung kommen.

Eine offene Position in den späten Abendstunden sorgt nicht gerade für erholsamen Schlaf. Wer längerfristig auf steigende oder fallende Kurse setzen will, kann entweder einen niedrigeren Hebel wählen oder darauf achten, dass das "Stop loss" tief genug angesetzt ist. Es reicht, dass der Kurs für einen Sekundenbruchteil unter dieser Marke ist, um mit einem kräftigen Verlust auszusteigen. Ist man hingegen kräftig im Plus, kann man seine Limits nachziehen und zumindest einen kleinen Gewinn selbst im Falle einer Trendänderung absichern.

foto: istock/theadesign
Wer mit den Währungen dieser Welt Geld verdienen will, muss dafür auch etwas ausgeben. Denn auch beim Handel von Devisen fallen Gebühren an.

Die Kosten für den privaten Devisenhandel halten sich in Grenzen: Einerseits gibt es eine Differenz zwischen An- und Verkaufskurs, andererseits wird für Positionen, die über Nacht oder das Wochenende offen gehalten werden, eine minimale Gebühr fällig. Im Detail richtet sie sich nach dem eingezahlten Betrag. Wer 20.000 Dollar oder mehr einzahlt, kann bei einzelnen Forex-Brokern Euro/Dollar bereits mit einem Unterschied von einem Punkt an der vierten Nachkommastelle handeln.

Wer nur hundert Dollar einsetzt, wird bei einem anderen Forex-Broker eine Differenz von drei Punkten in Kauf nehmen müssen. Dafür erhält der Anleger bei einzelnen Anbietern die Garantie, dass der Verlust nie die Höhe des insgesamt investierten Kapitals übersteigen kann. Es gibt also selbst im schlimmsten Fall keine womöglich ruinöse Nachschusspflicht.

Binäre Optionen

Weniger ratsam ist eine andere, noch riskantere Variante des Devisenhandels: der Handel mit binären Optionen. Dabei geht es nur darum, ob die Währung innerhalb eines fixen Zeitraumes rauf- oder runtergeht. Notiert der Euro gegenüber dem Dollar in 60 Sekunden höher oder niedriger? Wer sich die Kursschwankungen auf diversen Finanzseiten ansieht, erkennt, dass man genauso gut im Kasino auf Rot oder Schwarz setzen kann. Mit Intuition oder Strategie hat das nichts zu tun.

Vorsicht ist vor allem bei Anbietern angebracht, die sogenannte Analysetools, Logarithmen oder Programme anbieten. Laut den Versprechungen werden die meisten Kursbewegungen richtig vorhergesagt – man erhält praktisch den Schlüssel zur automatischen Geldvermehrung. Bei den Probedurchläufen wird behauptet, dass der Deal zugunsten des Anlegers ausgegangen ist.

Ein kurzer Blick auf den Chart zeigt oft, dass in Wirklichkeit vorwiegend Verluste eingefahren werden und dem Anleger das positive Ergebnis nur vorgegaukelt wird. Letztlich weiß der Anleger nicht einmal, ob das Geld wirklich veranlagt wurde oder es der vermeintliche Broker eingesteckt hat. Daher sollte man bei all zu verlockenden Angeboten skeptisch sein.

Dass seriöse Forex-Broker auf der Homepage angeben, von welcher Aufsichtsbehörde sie geprüft werden, versteht sich von selbst. Zudem sollte auch ein Impressum vorhanden sein. (Martin Fellhuber, Portfolio, 2017)

  • Steigt der Euro? Fällt der Dollar? Mit einer Wette auf die Entwicklung von Währungen lässt sich viel Geld verdienen. Wer dabei nicht aufpasst, kann sein Geld aber auch sehr schnell wieder los sein.
    foto: dado ruvic / illustration

    Steigt der Euro? Fällt der Dollar? Mit einer Wette auf die Entwicklung von Währungen lässt sich viel Geld verdienen. Wer dabei nicht aufpasst, kann sein Geld aber auch sehr schnell wieder los sein.

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