Immer und überall

    25. November 2017, 10:00
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    Eine tote Schlange in Indonesien. Ein Raufhandel in Wales. Immer und überall Gift. Nur in Paris kann man wirklich nackt dinieren

    Ein Schriftl ist ein Giftl, hat es geheißen, als man noch Briefe verfasste, die Älteren können sich vielleicht daran erinnern. Die Briefe der Gegenwart heißen E-Mails, Posts, SMS, Whatsapp-Nachrichten und Tweets. Das Gute ist, dass man beim Schreiben kaum noch nachdenken und den Brief auch nicht zur Post bringen muss. Man vergeudet keine Zeit, das Gift wirkt ruckizucki.

    Und kein Innenminister dieser Welt muss noch nach Überwachung schreien, seit man mit Telefonen fotografieren und filmen kann. Überwachung findet längst statt, immer und überall. Ein Freundschaftsspiel der U23-Fußballteams von Rhyl (Wales) und Leeds United (England) wurde abgebrochen, nachdem etliche Kicker mit den Fäusten aufeinander eingedroschen hatten. Früher hätte kein Hahn danach gekräht, jetzt gibt es ein zigtausendmal angeklicktes Youtube-Video von dem kleinen Raufhandel. Auch ein Indonesier, der in einem Zug eine wahrscheinlich eh ungiftige Schlange mit bloßen Händen tötete, avancierte flott zum Internetstar.

    In Paris kann man seit kurzem nackt und nobel essen. Neben dem Gewand müssen an der Garderobe des Restaurants O'Naturel auch die Mobiltelefone abgegeben werden, wir reden also von wirklich nackt. Die Wände sind weiß, die Sessel schwarz, das wirkt jedenfalls einladender als umgekehrt. Einerseits muss ein echter Freak sein, wer so diniert – im Adamskostüm ohne Handy kann man schließlich kein Food-Picture auf Instagram stellen. Andererseits weiß man, dass es nur das Essen gewesen sein kann, wenn man sich im O'Naturel vergiftet hat. (Fritz Neumann, 25.11.2017)

    • Youtube, Instagram, Twitter: Überwachung findet immer und überall statt.
      foto: reuters / al nasser

      Youtube, Instagram, Twitter: Überwachung findet immer und überall statt.

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