"La Pasada": Zäher Weg zum Lebensglück

    24. November 2017, 19:32
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    Bedeutungsschwierig ist Anna Maria Krassniggs Film mit Erni Mangold im Metro-Kinokulturhaus. Gewachsen ist er aus einer Kinobühnenschau von 2015

    Wien – Es kommt das Alter, da werden Schauspielern gern Stammbuchsprüche in den Rollenmund gelegt. Wenn Erni Mangold dabei mit 90 Jahren und fast nacktem Popo auf einer Düne an der Costa de la Luz sitzt, wirkt das lebensglückstechnisch umso überzeugender.

    Sie sei "anders", heißt es über Flora, und sie wolle "leben im Leben". Selig, wem solches nachgesagt wird. Und wenn sie – Ortswechsel – auf die Rax zumarschiert, tut sie dies flotter als der Film, in dem das geschieht.

    foto: salon5
    Erni Mangold und Flavio Schily in "La Pasada".

    La Pasada – Die Überfahrt heißt der Film, der Floras Leichtigkeit mühsam kontrastiert. Gewachsen ist er aus einer Kinobühnenschau Anna Maria Krassniggs von 2015. Mittlerweile sind auch die damals live auf der Bühne gespielten Szenen (Skript: Anna Poloni) auf die Leinwand gebannt.

    Die erhellt sich mit weißer Spitze. In jene gehüllt wird eine pechschwarze, anscheinend vertrocknete Leiche herbeigetragen. Cal (David Wurawa) bereitet deren Aufbahrung vor. Flora hat den Afrikaner einst als Bootsflüchtling am Strand aufgelesen und unter ihre Fittiche genommen.

    salon5 team
    Trailer "La Pasada".

    Nahtlos geht die Bahre am Fußende in eine Tafel über, wo eine kleine Zusammenkunft zu erwarten ist. Als Erste findet sich die Tochter des Mannes ein, dessen Geliebte Flora gewesen sein soll. Sie bringe Steine zum Leben und lebe selbst wie ein Stein, heißt es über die kühle Dolores (Doina Weber). Dazu stößt Floras schmalziger Sohn Anton (Martin Schwanda). Irgendwie finden die beiden trotz erstickender Anspannung mit der Zeit erotischen Reiz im anderen.

    Verriete man mehr, es wäre zu viel. Die eineinhalb Stunden trägt neben den wohlmeinenden Sprüchen eine verworrene Familienstruktur. Die junge Flora auf der Suche nach Freiheit spielt Gioia Osthoff, den Buben Ariel Flavio Schily. Etwas Fantastisches und ein Trauermarsch unterlegen die Handlung. Die beschworene Poesie allerdings hat etwas Zähes.

    Christoph Hochenbichler fängt Postkartenmotive Spaniens stimmungsvoll ein, Gesichter frontal. Die Regie weiß aus dem, was Filmschnitt vermag, wenig zu schöpfen. Verdichtung und Tempo etwa kommen kaum je zustande. Man sieht in den vormaligen Bühnenszenen viel abgefilmtes Theater, wohl mit intensivem Ensemble. (Michael Wurmitzer, 25.11.2017)

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