Opel Insignia: Die Mittelklasse ist ehrlich erleichtert

    1. Dezember 2017, 17:35
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    Komfort, aber kein Opium für das Volk: Opel hat sein Flaggschiff Insignia rundum verbessert

    Wien/Kärnten – Der Insignia ist die große Limousine von Opel, die lange, vornehme Yacht inmitten der kleinen und kleineren Beiboote. Mit dem Insignia wollte Opel 2008 aus der Krise herausfahren und in neue, freudigere Zeiten aufbrechen, die Fachpresse lobte diesen Mittelklassewagen überschwänglich – technisch perfekt, hervorragend verarbeitet, optisch stilsicher. Und dennoch verkaufte sich der Insignia nicht so toll, wie Opel sich das erwartet hatte. So elegant der Wagen auftreten mag, er bleibt nicht wirklich hängen, ist Opel-haft brav und wirkt ein wenig bieder.

    foto: andreas stockinger
    Extrem zurückgelehntes Sitzen im Insignia und ein ebensolches Fahren: Die Limousine von Opel ist noch eleganter geworden, nur einen kleinen Hauch sportlicher, deutlich leichter und umfassend ausgestattet.

    Die neue und zweite Generation des Insignia heißt jetzt Grand Sport (oder als Kombi Sports Tourer), fährt zwar aus der Bravheit nicht heraus, ist aber noch besser, eleganter und komfortabler geworden. Mit durchaus vernünftigen Preisen und einer guten Ausstattung, die sich nach oben hin orientiert, sollte sich der neue Insignia auch gegen die starke Konkurrenz von VW (Passat), Skoda (Superb) oder Ford (Mondeo) durchsetzen können.

    Deutlich leichter

    Die Fließheck-Limousine mit dem neuen 1,5 Liter Turbo-Benziner ist gleich einmal 170 Kilo leichter als das Vorgängermodell. Das schlägt sich positiv in der Agilität nieder. Trotz einer Länge von knapp fünf Metern wirkt der Wagen leicht und wendig, das Fahrwerk ist straffer, als man das von einer Limousine erwarten würde, die Lenkung ist leichtgängig, vermittelt dabei aber viel Rückmeldung. Wer es ganz gemütlich liebt, wird etwas irritiert sein, die Federung setzt mehr auf Dynamik als auf Ausgleich.

    foto: andreas stockinger
    Das Fließheck des Insignia.

    Der Vierzylinder-Turbomotor ist weniger auf Dynamik als auf komfortables Gleiten ausgelegt. 165 PS sind ausreichend und zielen in die Breite der Mittelklasse-Kundschaft ab. Etwas temperamentvoller geht es so um die 4000 Umdrehungen ab, aber da wird man in der Regel schon längst in den nächsthöheren Gang geschalten haben, in diesem Fall per Hand. Immerhin wäre eine Beschleunigung von null auf hundert km/h in unter neun Sekunden möglich, aber der Opel wirkt so besänftigend auf das Fahrpersonal, dass der Hang zur Eile mental wegmassiert wird. 222 km/h wären jedenfalls möglich, anderswo, nicht bei uns.

    foto: andreas stockinger
    Der Innenraum.

    Im Innenraum geht es ähnlich entspannt zu. Die Sitze sind bequem gepolstert und gegen Aufpreis vielfach verstellbar. Der Schalthebel ist logisch positioniert, die Instrumente sind analog gehalten, der zentrale Monitor ist groß und gut überblickbar.

    Matrix-LED

    Was in der Werbung etwas penetrant angepriesen wird, nämlich Oberklasse-Features für das Volk, wird penibel eingehalten: Matrix-LED-Scheinwerfer, ein gut sitzendes und leicht verstellbares Head-up-Display in der Windschutzscheibe, 360-Grad-Kamera, Verkehrszeichenerkennung und Assistenten, die ein nahezu autonomes Fahren erlauben. Mit dem Spurhalteassistenten, dem Tempomat und dem Abstandsregler könnte man nebenbei ein Buch lesen. Tut es aber nicht.

    Platz ist ausreichend vorhanden, auch große Menschen sitzen hinten noch sehr komfortabel. Der Kofferraum ist mit bis zu 1400 Liter Laderaum ebenfalls recht üppig. Der Preis von 32.000 Euro (und aufwärts) ist fair. (Michael Völker, 1.12.2017)

    foto: andreas stockinger

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    Opel

    Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Teilnahme an internationalen Fahrzeug- und Technikpräsentationen erfolgt großteils auf Basis von Einladungen seitens der Automobilimporteure oder Hersteller. Diese stellen auch die hier zur Besprechung kommenden Testfahrzeuge zur Verfügung.

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